SCRIPTURA PLENA

Scriptura Plena

FaithOSUnterstützenImpressumDatenschutz

Gemeinsames Priestertum

Das gemeinsame Priestertum und der besondere Dienst stehen nebeneinander

Die Heilige Schrift nennt das Volk Gottes ein priesterliches Volk und beschreibt Dienste in seiner Mitte. Die Kirche liest beides als zusammengehörig und lehrt das gemeinsame Priestertum aller Getauften und das Amtspriestertum als zwei aufeinander bezogene Weisen der Teilhabe am einen Priestertum Christi.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein Amtsträger legt einem knienden Mann die Hände auf und reicht eine Lampe weiter; die Handlung führt über mehrere Gestalten zu Christus.
PriestertumKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Priesterliches Volk und Dienste Bibel und Textverständnis

Die Schrift nennt ein priesterliches Volk und besondere Dienste in ihm

Die Schrift bezeugt das Volk Gottes als priesterliches Volk, und weitere Zeugnisse beschreiben die geordneten Dienste in ihm.

Vers 5b: Mir gehört die ganze Erde,

Vers 6a: ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.

Auszug aus Ex 19,5b–6a · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Israel wird als Königreich von Priestern und heiliges Volk bezeichnet.

Ex 19,6: Zusammenhang und Übersetzung

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde.

Auszug aus 1 Petr 2,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Die Getauften sind eine königliche Priesterschaft und ein heiliges Volk.

1 Petr 2,9: Zusammenhang und Übersetzung

Ihm, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut, der uns zu einem Königreich gemacht hat und zu Priestern vor Gott, seinem Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.

Auszug aus Offb 1,5–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Christus macht die Seinen zu einem Königreich und zu Priestern vor Gott.

Offb 1,5–8: Zusammenhang und Übersetzung

Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst.

Auszug aus Röm 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus ruft die Christen auf, ihren Leib als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen.

Röm 12,1: Zusammenhang und Übersetzung

Priestertum bezeichnet in diesen Texten den Dienst, durch den ein Volk Gott gegenübertritt. Exodus, der Erste Petrusbrief und die Offenbarung des Johannes nennen das Volk Gottes ein priesterliches Volk; der Römerbrief spricht davon, dass die Getauften ihre Leiber als Opfer darbringen. Weitere Zeugnisse beschreiben in der Mitte dieses Volkes geordnete Dienste: Aufgaben, die Einzelne im Auftrag des Ganzen tragen. Die Berufung aller und der besondere Auftrag stehen in der Schrift nebeneinander.

Diese Stellen bezeugen das priesterliche Volk Gottes; die Kirche entfaltet mit den weiteren Zeugnissen die Unterscheidung von gemeinsamem Priestertum aller Getauften und besonderem Dienst innerhalb desselben Volkes.

Zwei Weisen der Teilhabe Glaube und Überlieferung

Die Kirche lehrt zwei aufeinander bezogene Weisen der Teilhabe am einen Priestertum Christi

Gemeinsames und amtliches Priestertum sind einander zugeordnet und unterscheiden sich doch dem Wesen nach (LG 10).

Die Kirche liest diese Stellen als zusammengehörig. Sie nennt das Volk Gottes ein priesterliches Volk und setzt diese gemeinsame Berufung mit den geordneten Diensten in Beziehung. Daraus lehrt sie das gemeinsame Priestertum aller Getauften und das besondere Amtspriestertum als zwei aufeinander bezogene Weisen der Teilhabe am einen Priestertum Christi.

Gemeinsam heißt das Priestertum aller Getauften, weil es mit der Taufe jedem Christen geschenkt ist; amtlich oder hierarchisch heißt das Priestertum der Bischöfe und Priester, weil es durch ein eigenes Sakrament, die Weihe, übertragen wird und im Dienst des gemeinsamen Priestertums steht (KKK 1547). Beide unterscheiden sich „dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach“ (LG 10): Der Amtspriester vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar, während die Gläubigen kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mitwirken (LG 10). Die Kirche hält darin fest, dass beide aufeinander bezogen bleiben und gemeinsam aus dem einen Priestertum Christi leben.

Quellen zu dieser Frage 2

Das besondere Priestertum Glaube und Überlieferung

Macht ein besonderes Priestertum die gemeinsame Berufung leer?

Wenn alle Getauften Priester sind, wozu braucht es dann einen besonderen Dienst?

Wenn alle Getauften Priester sind, macht ein besonderes Priestertum die gemeinsame Berufung dann leer? Der Einwand geht davon aus, dass eine Berufung, die allen gehört, ihre Wirklichkeit verliert, sobald einige für alle einen besonderen Dienst tragen: Übrig bliebe ein Anspruch, der im Leben der Einzelnen keinen Ort hat. Zudem sei beim Tod Jesu der Vorhang des Tempels zerrissen: Allen stehe der Zugang zu Gott offen.

Und siehe, der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei.

Auszug aus Mt 27,51 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Frage an diesen Text

Beim Tod Jesu reißt der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.

Mt 27,45–54: Zusammenhang und Übersetzung

Das gemeinsame Priestertum bleibt wirklich und wirksam: Den „neuen und lebendigen Weg“ durch den Vorhang hindurch hat Christus allen erschlossen, die an ihn glauben (Hebr 10,19–20), und das bejaht die Kirche voll. Israel ist priesterliches Volk und kennt zugleich einen besonderen Dienst; die Berufung des ganzen Volkes und der Auftrag Einzelner stehen dort nebeneinander, und der Auftrag dient der Berufung des ganzen Volkes. Ebenso steht in der Kirche der beauftragte Dienst neben dem gemeinsamen Priestertum. Das Amtspriestertum dient dem gemeinsamen Priestertum und trägt dessen Berufung mit. Offen bleibt, wie sich dieses Nebeneinander zum neuen Bund verhält, in dem die levitische Opferordnung endet.

Quellen zu dieser Frage 2
← Zur Übersicht: Priestertum