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Ehelosigkeit und Dienst

Ungeteilt für den Herrn

Paulus nennt die Ehelosigkeit eine eigene Gnadengabe Gottes und beschreibt sie als ungeteilte Sorge für die Sache des Herrn. Die Kirche sieht darin die geistliche Gestalt des Zölibats. Der Einwand, ob damit die Ehe geringgeachtet wird, bekommt eine Antwort aus denselben Worten.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein Amtsträger legt einem knienden Mann die Hände auf und reicht eine Lampe weiter; die Handlung führt über mehrere Gestalten zu Christus.
PriestertumKI-generierte Illustration
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Ehelosigkeit als Gnadengabe Bibel und Textverständnis

Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn

Paulus beschreibt die Ehelosigkeit als eigene Gnadengabe und als ungeteilte Sorge für die Angelegenheiten des Herrn.

Dies sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr euch in rechter Weise und ungestört immer an den Herrn haltet.

Auszug aus 1 Kor 7,35 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus unterscheidet zwischen Verheirateten und Unverheirateten und beschreibt die ungeteilte Sorge des Unverheirateten für den Herrn.

1 Kor 7,7–8.32–35: Zusammenhang und Übersetzung

Paulus spricht davon, dass jeder seine eigene Gnadengabe von Gott hat. Für den Unverheirateten nennt er eine besondere Ausrichtung: „Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen.“ Damit beschreibt er eine Sorge, die auf den Herrn gerichtet bleibt und sich nicht auf mehrere Verpflichtungen verteilt.

Zugleich erklärt Paulus den Zweck dieser Worte. Er will keine Fessel anlegen; er will eine ungestörte Hinwendung zum Herrn ermöglichen. Deshalb erhält die Ehelosigkeit ihren Wert aus der Hingabe. Sie richtet das Leben stärker auf den Dienst für den Herrn und auf Christus aus. Wenige Verse später zieht Paulus den Vergleich ausdrücklich: „Wer seine Verlobte heiratet, handelt also gut; doch wer sie nicht heiratet, handelt besser“ (1 Kor 7,38).

Ungeteilter Dienst am Herrn Glaube und Überlieferung

Die Kirche sieht im Zölibat eine Gabe Gottes für einen ungeteilten Dienst

Das Recht der lateinischen Kirche nennt den Zölibat eine besondere Gabe Gottes (CIC can. 277 §1).

Die Kirche sieht im Zölibat, der Ehelosigkeit der geistlichen Amtsträger, eine Lebensform, durch die der Amtsträger mit ungeteiltem Herzen Christus anhängt und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmet. Darin liegt eine geistliche Gestalt, die an die Worte des Paulus anknüpft: Die Sorge um die Sache des Herrn bleibt ungeteilt, und die Hinwendung zu Christus steht im Mittelpunkt.

Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche, der Codex Iuris Canonici (CIC), regelt den Zölibat in can. 277 §1 als Rechtsnorm; Presbyterorum ordinis (PO 16) benennt die geistliche Gestalt dieser Lebensform und nennt den priesterlichen Zölibat eine kostbare Gabe. In derselben Richtung liest die Kirche die Worte des Paulus: Die Gnadengabe des Unverheirateten besteht in einer Hingabe, die sich ganz auf den Herrn richtet, und der geistliche Amtsträger wird darin frei für den Dienst an Gott und den Menschen. Die Worte des Paulus bejahen die Ehelosigkeit als Gabe; die Verpflichtung knüpft die Kirche an die Ordnung ihres Amtes. Der Katechismus nennt den Zölibat ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird (KKK 1579).

Codex Iuris Canonici: Zölibatspflicht

CIC can. 277 §1

Das geltende Recht der lateinischen Kirche verbindet die Zölibatspflicht ausdrücklich mit dem biblischen Motiv des Himmelreiches, mit ungeteilter Christusbindung und mit freierem Dienst.

Die Kleriker sind gehalten, vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren; deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet, der eine besondere Gabe Gottes ist, durch welche die geistlichen Amtsträger leichter mit ungeteiltem Herzen Christus anhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen können.

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Quellen zu dieser Frage 2

Wertschätzung der Ehe Glaube und Überlieferung

Geringachtet die Wertschätzung der Ehelosigkeit die Ehe?

Die Frage ist berechtigt, ob eine besondere Wertschätzung der Ehelosigkeit die Ehe geringachtet.

Die Ehe ist von Gott gestiftet und in Christus sakramental; sie ist eine eigene Berufung mit eigener Gnade. Wer die Ehelosigkeit als Gnadengabe hervorhebt, könnte den Eindruck erwecken, die Ehe sei die geringere Berufung. Dass Paulus den Verzicht auf die Ehe sogar „besser“ nennt (1 Kor 7,38), scheint diesen Eindruck zu bestätigen.

Paulus stellt die Ehe und die Ehelosigkeit als unterschiedliche Gnadengaben nebeneinander; die Ehe bleibt eine von Gott gestiftete und in Christus sakramentale Berufung. Der Zölibat erhält seinen Wert aus der Hingabe an den Herrn. Auch ein verheirateter Priester kann aus ganzer Hingabe dienen; die zölibatäre Lebensform macht diese Hingabe auf eigene Weise sichtbar. Die Kirche hält mit Paulus am Vorrang der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen als Lebensstand fest; das Konzil von Trient hat ihn ausdrücklich gelehrt (Sitzung XXIV, Kanon 10). Gerade so wertet sie die Ehe nicht ab: Die Hochschätzung der Jungfräulichkeit und der christliche Sinn der Ehe fördern einander (KKK 1620). Der Vorrang betrifft den Lebensstand, nicht den Wert und die Heiligkeit des einzelnen Christen, denn alle Christgläubigen jeglichen Standes sind „zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen“ (LG 40). Aus solcher Hingabe gewinnt die Ehelosigkeit eine Bedeutung, die über den Einzelnen hinausreicht: Sie verweist auf die kommende Welt.

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