Rechtfertigung und Gnade
Die Heilung geht der Rückkehr voraus
Die Begegnung bei Lukas zeigt, wie Geschenk und Antwort aufeinander folgen: Jesus heilt, und der Glaube des Geheilten führt ihn dankbar zu ihm zurück.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die zehn Aussätzigen Bibel und Textverständnis
Jesus heilt zehn Aussätzige, einer kehrt dankbar zurück
Die Erzählung von den zehn Aussätzigen beginnt mit dem Ruf um Erbarmen und endet mit der Rückkehr eines Einzigen.
Während sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war, und er lobte Gott mit lauter Stimme.
Auszug aus Lk 17,14–15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Zehn Aussätzige werden rein; einer kehrt zu Jesus zurück und dankt ihm, und Jesus sagt ihm: „Dein Glaube hat dich gerettet.“
Die Szene beginnt mit dem Ruf der Kranken: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ Jesus schickt sie zu den Priestern, und während sie hingehen, werden sie rein. Ihr Bitten und ihr vertrauender Aufbruch gehen der Heilung voraus; die Heilung selbst bleibt Jesu Geschenk. Erst danach kehrt einer von ihnen zurück: Der Samariter lobt Gott, wirft sich Jesus zu Füßen und dankt ihm.
In Lk 17,19 sagt Jesus zu ihm: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Das griechische Verb σῴζω (sṓzō, gesprochen etwa „só-dso“) kann je nach Zusammenhang retten, heilen oder heil machen bedeuten. Hier gehören Heilung und Rettung zusammen: Die Dankbarkeit des Mannes antwortet auf die Heilung, die er bereits empfangen hat, und Jesus spricht ihm darüber hinaus die Rettung zu.
Gottes Geschenk und Antwort Glaube und Überlieferung
Gott schenkt zuerst, der Mensch antwortet im Glauben
Die Kirche erkennt in der Erzählung ein Muster, das sie in ihrer Lehre über Gnade und Glauben festhält.
Die Kirche erkennt in dieser Erzählung das Muster, dass Gott zuerst schenkt und der Mensch im Glauben antwortet. Auch das Bitten und der Aufbruch der Kranken sind schon von Gottes zuvorkommender Gnade getragen: „Schon die Vorbereitung des Menschen auf den Empfang der Gnade ist ein Werk der Gnade“ (KKK 2001). In diesem Licht ist die Rückkehr des Samariters die Gestalt einer Antwort, die aus der empfangenen Gabe lebt.
Glaube bedeutet hier, das empfangene Geschenk zu erkennen, zu Christus zurückzukehren und Gott zu danken.
Die dankbare Rückkehr Glaube und Überlieferung
Verdient der Mann durch seine Rückkehr erst die Heilung?
Könnte die Rückkehr die Bedingung sein, durch die der Samariter die Heilung erst verdient?
Jesus heilt alle zehn Männer, bevor einer von ihnen zurückkehrt. Die Rückkehr ist deshalb kein Kaufpreis für die Heilung. Sie ist die konkrete Gestalt eines Glaubens, der das Geschenk erkennt und sich wieder Christus zuwendet.
Die Erzählung trägt damit die Einsicht, dass der Glaube die empfangene Gnade in dankbarer Umkehr beantwortet.