SCRIPTURA PLENA

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Rechtfertigung und Gnade

Das Gericht nimmt die gelebte Liebe ernst

Jesus nennt im Gericht die Hilfe für Hungernde, Durstige, Fremde, Nackte, Kranke und Gefangene und stellt diese Hilfe so dar, als sei sie ihm selbst erwiesen worden. Paulus spricht vom beharrlichen Tun des Guten, und im Buch Tobit sagt der Engel Rafael, dass Almosen aus dem Tod retten. Die Kirche verbindet solche Aussagen mit der Gnade: Gott schenkt die Kraft zur Liebe und nimmt die Antwort des Menschen ernst.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein fruchttragender Baum empfängt Licht von oben; Wasser erreicht seine Wurzeln, während sich kleine Gestalten unter den Ästen sammeln.
RechtfertigungKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Barmherzigkeit und Beharrlichkeit Bibel und Textverständnis

Die Stellen nennen konkrete Barmherzigkeit und beharrliches Tun des Guten

Die angeführten Stellen sprechen davon, dass Gott konkrete Werke der Barmherzigkeit und beharrliches gutes Handeln ansieht und ernst nimmt.

Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Auszug aus Mt 25,31–46 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Der Menschensohn beurteilt die Völker danach, ob sie den Bedürftigen konkret gedient haben.

Mt 25,31–46: Zusammenhang und Übersetzung

Mt 25,31–46 nennt im Gericht die Hilfe für Hungernde, Durstige, Fremde, Nackte, Kranke und Gefangene. Jesus stellt diese Hilfe so dar, als sei sie ihm selbst erwiesen worden. Damit richtet er den Blick auf konkrete Barmherzigkeit, auf das, was Menschen einander tatsächlich tun.

Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen: Denen, die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, gibt er ewiges Leben.

Auszug aus Röm 2,6–7 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Gott vergilt jedem nach seinen Werken und nennt beharrliches gutes Tun im Blick auf Herrlichkeit.

Röm 2,6–7: Zusammenhang und Übersetzung

Almosen retten aus dem Tod, sie reinigen von aller Sünde. Die Almosen geben, werden mit Leben gesättigt werden.

Auszug aus Tob 12,8–9 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Gebet, Fasten und Almosen werden als gute Dinge genannt; Almosen rettet vom Tod und reinigt von Sünde.

Tob 12,8–9: Zusammenhang und Übersetzung

Röm 2,6–7 spricht davon, dass Gott jedem nach seinen Werken vergilt und beharrliches Tun des Guten ernst nimmt. Tob 12,8–9 verbindet Almosen, also Gaben an die Armen, mit Rettung, Reinigung von Sünde und Leben. Das Buch Tobit gehört zum Kanon der Kirche; die reformatorischen Kirchen zählen es zu den Apokryphen (Westminster-Bekenntnis 1,3), für sie bezeugen Mt 25 und Röm 2 denselben Zusammenhang von gelebter Liebe und Gericht. Beide Stellen ordnen das menschliche Handeln in die Heilsgeschichte ein.

Werke aus Gnade Glaube und Überlieferung

Die Werke gehen aus der Gnade hervor, und Gott nimmt die Antwort des Menschen ernst

Die Kirche verbindet die Gerichtstexte mit der Gnade: Gott schenkt die Kraft zur Liebe und nimmt dennoch die Antwort des Menschen ernst.

Die Gnade meint Gottes ungeschuldete Zuwendung, aus der das Heil seinen Anfang nimmt, und die heiligmachende Gnade, die der Christ in der Taufe empfängt (KKK 1999); Rechtfertigung bezeichnet das Handeln Gottes, in dem er dem Menschen vergibt und ihn in Christus erneuert. Kein Mensch setzt sich selbst an den Anfang des Heils. Der in Christus erneuerte Mensch antwortet jedoch wirklich, und diese Antwort wird im Gericht sichtbar und beurteilt.

Gott schenkt die Kraft zur Liebe, und solche Werke gehen aus der Gnade hervor; sie zeigen, wie der Mensch in der Gnade lebt. Auch das Wort aus dem Buch Tobit versteht die Kirche im Zusammenhang der Buße: Almosen ist neben Fasten und Gebet eine Äußerung der inneren Buße, und die tätige Nächstenliebe gehört zu den Mitteln, Vergebung der Sünden zu erlangen, „denn die Liebe deckt viele Sünden zu“ (1 Petr 4,8; KKK 1434). Weil die Gnade den Menschen wirklich erneuert, kann Gott sein Handeln im Gericht ernst nehmen.

Quellen zu dieser Frage 3

Das Heil aus Leistung Glaube und Überlieferung

Lehren die Gerichtstexte eine Rettung aus menschlicher Leistung?

Die Gerichtstexte können den Eindruck erwecken, als trage menschliche Leistung das Heil; die Antwort liegt darin, dass die Werke aus der Gnade hervorgehen.

Wer das Gerichtswort hört, kann meinen, ein Mensch erwerbe sich mit seinen Werken den Platz bei Gott. Genannt werden Hungernde und Durstige, Fremde, Nackte, Kranke und Gefangene; Paulus spricht von der Vergeltung nach Werken, und das Almosen gilt als rettend. So gelesen erscheint die gelebte Liebe als Leistung, auf die sich ein Mensch vor Gott berufen könnte.

Die Werke wachsen aus der ersten Gnade und bleiben in Christus; sie verkörpern die Antwort, die aus der Gemeinschaft mit Christus hervorgeht, nicht eine Leistung, auf die sich ein Mensch aus eigener Kraft berufen könnte. Darum erhoffen die Gläubigen „die Belohnung durch Gott, ihren Vater, für die guten Werke, die sie dank seiner Gnade in Gemeinschaft mit Jesus vollbracht haben“ (KKK 2016).

Quellen zu dieser Frage 2
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