SCRIPTURA PLENA

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Rechtfertigung und Gnade

Die Gnade formt den Christen in das Bild Christi

Zwei Schriftstellen nennen Ziel und Wirkenden der Erneuerung: dem Bild des Sohnes gleichförmig zu werden und in dieses Bild verwandelt zu werden. Der Katechismus der Katholischen Kirche und das Konzil von Trient lesen sie als Zeugnis davon, dass die Rechtfertigung die Heiligung und die Erneuerung des inneren Menschen einschließt. Der Weg führt von den Stellen über die Lehre der Kirche zu der Frage, welchen Rang die persönliche Erneuerung dabei hat.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein fruchttragender Baum empfängt Licht von oben; Wasser erreicht seine Wurzeln, während sich kleine Gestalten unter den Ästen sammeln.
RechtfertigungKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Gleichgestaltung mit Christus Bibel und Textverständnis

Zwei Stellen bezeugen eine wirkliche Verwandlung des Menschen

Die angeführten Stellen nennen das Ziel und den Weg der Gleichgestaltung mit Christus.

Denn diejenigen, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei.

Auszug aus Röm 8,29 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Gott bestimmt die Berufenen dazu, dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden.

Röm 8,29: Zusammenhang und Übersetzung

Wir alle aber schauen mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.

Auszug aus 2 Kor 3,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Gläubigen werden durch den Geist in das Bild des Herrn verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit.

2 Kor 3,18: Zusammenhang und Übersetzung

Röm 8,29 beschreibt das Ziel, dem Bild des Sohnes gleichförmig zu werden. 2 Kor 3,18 spricht von einer Verwandlung in dasselbe Bild, die durch den Geist geschieht.

Beide Stellen beschreiben damit eine wirkliche Veränderung des Menschen: Gleichgestaltung mit dem Sohn und Verwandlung durch den Geist.

Rechtfertigung und Heiligung Glaube und Überlieferung

Rechtfertigung schließt Heiligung und Erneuerung des inneren Menschen ein

Der Katechismus der Katholischen Kirche, abgekürzt KKK, und das Konzil von Trient lehren, dass die Rechtfertigung die Heiligung und die Erneuerung des inneren Menschen einschließt.

Gott vergibt dem Sünder aus Gnade und macht ihn zugleich heilig. Die Getauften sind „in Jesus dem Herrn gerechtfertigt“ und „so wirklich heilig geworden“; die empfangene Heiligung sollen sie „mit Gottes Gnade im Leben bewahren und zur vollen Entfaltung bringen“ (LG 40). So wächst der Gerechtfertigte in der Gerechtigkeit, die Gott ihm geschenkt hat.

Quellen zu dieser Frage 3

Zurechnung und Heiligung Glaube und Überlieferung

Gehört die Verwandlung in das Bild Christi nur zur Heiligung, nicht zur Rechtfertigung?

Die reformatorischen Bekenntnisse verstehen die Rechtfertigung als Zurechnung und lassen die Heiligung als eigenes Werk Gottes folgen. Röm 8,29 und 2 Kor 3,18 beschreiben dann den Weg dessen, der schon gerechtfertigt ist.

Gott rechnet dem Glaubenden die Gerechtigkeit an, ohne sie ihm einzugießen; so lesen das Augsburger Bekenntnis und das Westminster-Bekenntnis Röm 4,5 (CA IV; WCF XI.1). Die Erneuerung ist nach dem Westminster-Bekenntnis ein eigenes Werk an denen, die wirksam berufen und wiedergeboren sind: Sie werden weiter geheiligt, wirklich und persönlich (XIII.1). Beides gehört untrennbar zusammen, denn der Glaube, der rechtfertigt, ist nie allein (XI.2); verschieden bleibt es dennoch. Die Verwandlung in das Bild des Sohnes trägt nach dieser Sicht zur Gerechtigkeit vor Gott nichts bei.

Paulus stellt das Gerechtmachen in eine Reihe göttlicher Taten: „die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht“ (Röm 8,30). Unmittelbar davor nennt er das Ziel dieses Handelns: Gott hat die Seinen dazu bestimmt, „an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben“ (Röm 8,29). Gerecht machen heißt bei Paulus, dass am Menschen etwas geschieht: „so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden“ (Röm 5,19), und „wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17). Die Verwandlung, von der 2 Kor 3,18 spricht, entfaltet diese neue Wirklichkeit „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“; sie beginnt mit der Rechtfertigung, nicht erst nach ihr.

Das Konzil von Trient hat diese Einheit gegen die Trennung von Zurechnung und Erneuerung festgehalten: Die Gerechtfertigten werden nicht nur als gerecht angesehen, sondern heißen wahrhaft gerecht und sind es, weil sie die Gerechtigkeit in sich empfangen (6. Sitzung, Kap. 7). Darum verwirft es die Lehre, der Mensch werde allein durch die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder allein durch die Vergebung der Sünden gerechtfertigt, ohne die Gnade und Liebe, die der Heilige Geist in die Herzen ausgießt und die ihnen innewohnt (Kanon 11). Der Katechismus verbindet mit 2 Kor 5,17 die heiligmachende Gnade, die der Getaufte empfängt und die in ihm der Ursprung des Heiligungswerkes ist (KKK 1999).

Quellen zu dieser Frage 4
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