Rechtfertigung und Gnade
Heiligkeit wächst aus der Gnade
Jesus ruft zur Vollkommenheit, Petrus zur Heiligkeit. Paulus beschreibt die Frucht des Geistes und das Wirken Gottes im Menschen. Wie stehen der Ruf zur Heiligkeit und die Gnade zueinander?
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Gemeinschaft und Lebenswandel Bibel und Textverständnis
Die angeführten Stellen verbinden die Gemeinschaft mit Christus mit einem konkreten Lebenswandel
Was die angeführten Stellen bezeugen.
Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!
Auszug aus Mt 5,48 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus ruft seine Jünger dazu auf, vollkommen zu sein, wie der himmlische Vater vollkommen ist.
Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch eure ganze Lebensführung heilig sein. Denn es steht geschrieben: Seid heilig, weil ich heilig bin!
Auszug aus 1 Petr 1,15–16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Petrus ruft die Berufenen dazu auf, in ihrem ganzen Lebenswandel heilig zu sein, weil Gott heilig ist.
Auszug aus Phil 2,12–13 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 12: Darum, meine Geliebten, - ihr wart ja immer gehorsam, nicht nur in meiner Gegenwart, sondern noch viel mehr jetzt in meiner Abwesenheit -: Wirkt mit Furcht und Zittern euer Heil!
Vers 13: Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Gläubigen sollen ihr Heil wirken, während Gott in ihnen das Wollen und Vollbringen wirkt.
Auszug aus Gal 5,22–23.25 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 22: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
Vers 23: Sanftmut und Enthaltsamkeit; gegen all das ist das Gesetz nicht.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 25: Wenn wir im Geist leben, lasst uns auch im Geist wandeln!
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Frucht des Geistes umfasst unter anderem Liebe, Freude, Frieden und Selbstbeherrschung; die zum Geist gehören, sollen aus ihm leben.
Im Matthäusevangelium (Mt 5,48) steht der Ruf zur Vollkommenheit, im ersten Petrusbrief (1 Petr 1,15–16) der Ruf zur Heiligkeit. Beide Stellen richten diesen Anspruch an das ganze Leben. Bei Paulus tritt neben den Anspruch das Wirken Gottes: Der Philipperbrief (Phil 2,12–13) sagt, dass Gott im Menschen das Wollen und das Vollbringen wirkt, und der Galaterbrief (Gal 5,22–25) beschreibt die Frucht des Geistes, also das, was Gottes Geist im Menschen hervorbringt.
Und daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten.
Auszug aus 1 Joh 2,3 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Erkenntnis Christi wird mit dem Halten seiner Gebote verbunden; wer in ihm bleibt, soll wie er leben.
Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.
Auszug aus 1 Joh 3,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Liebe Gottes zeigt sich darin, dass Christus sein Leben hingibt; die Christen sollen entsprechend mit Tat und Wahrheit lieben.
Die Johannesbriefe rücken die Verbindung von Erkenntnis und Leben in den Vordergrund. Der erste Johannesbrief (1 Joh 2,3–6) verknüpft die Erkenntnis Christi mit dem Halten seiner Gebote und einem Leben nach seinem Beispiel. Dieselbe Schrift macht die Hingabe Christi zum Maßstab einer Liebe, die dem Bruder in Tat und Wahrheit dient (1 Joh 3,16–18). Glaube und Lebenswandel gehören in diesen Texten zusammen.
Gnade und Mitwirkung Glaube und Überlieferung
Gnade und Mitwirkung gehören zusammen: Gott trägt das Wollen und das Vollbringen
Was die Kirche über Gnade, Heiligkeit und menschliche Mitwirkung lehrt.
Die Kirche lehrt, dass die Gnade den Menschen zu einem Leben der Heiligkeit führt. Liebe, Gehorsam und tätige Barmherzigkeit sind sichtbare Früchte der Gemeinschaft mit Christus. Wer in dieser Gemeinschaft lebt, bringt sie hervor und wächst durch das Halten der Gebote und durch gute Werke in der Gerechtigkeit, die er empfangen hat; das Konzil von Trient beruft sich dafür auf Jak 2,24 (6. Sitzung, Kap. 10). Heiligkeit ist so das Wachstum der Rechtfertigung selbst, und nach dem Katechismus kann der Gerechtfertigte, vom Heiligen Geist angetrieben, die Gnaden verdienen, die „zum Wachstum der Gnade und der Liebe“ beitragen (KKK 2010).
Der Mensch wirkt dabei frei mit, während Gott das Wollen und das Vollbringen trägt. So bleibt die Gnade der Ursprung des neuen Lebens, aus dem die Werke des Menschen hervorgehen. Der Ruf zur Vollkommenheit und der Ruf zur Heiligkeit treffen damit auf ein Handeln Gottes, das den Menschen zuvor in Bewegung setzt und ihn in seiner Freiheit bestehen lässt.
Heiligkeit und Gnade Glaube und Überlieferung
Lenkt die Forderung nach Heiligkeit von der Gnade weg?
Was gegen den Ruf zur Heiligkeit vorgebracht werden kann und wie die angeführten Stellen darauf antworten.
Die Forderung nach Heiligkeit kann den Blick von der Gnade weg auf menschliche Leistung lenken. Wer von Vollkommenheit und Heiligkeit hört, könnte den Eindruck gewinnen, dass menschliches Tun hier den Ausschlag gebe.
Die angeführten Texte beginnen bei der Erkenntnis und der Gemeinschaft mit Christus. Aus dieser Gemeinschaft wachsen die Gebote, die Nachahmung seines Beispiels und die Liebe, die in Tat und Wahrheit handelt. Der Ruf zur Heiligkeit verbindet sich mit Gottes Wirken, der Frucht des Geistes, dem Halten der Gebote und tätiger Liebe. Damit stützen die Texte die Annahme einer menschlichen Mitwirkung, die wirklich ist und zugleich aus der Gnade und dem Wirken des Geistes hervorgeht. Heiligkeit ist ein Werk der Gnade, an dem der Mensch frei mitwirkt.