Rechtfertigung und Gnade
Die Gnade trägt die freie Antwort
Gottes Wirken und menschliches Handeln gehören im Heil zusammen. Der Philipperbrief nennt die Aufforderung an den Menschen und das Wirken Gottes unmittelbar nacheinander.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Wirken des Heils Bibel und Textverständnis
Paulus fordert zum Wirken des Heils auf und bezeugt zugleich Gottes Wirken
Die Aufforderung an den Menschen und das Wirken Gottes stehen im selben Zusammenhang.
Auszug aus Phil 2,12–13 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 12: Darum, meine Geliebten, - ihr wart ja immer gehorsam, nicht nur in meiner Gegenwart, sondern noch viel mehr jetzt in meiner Abwesenheit -: Wirkt mit Furcht und Zittern euer Heil!
Vers 13: Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen.
Was der Text unmittelbar zeigt
Die Gläubigen sollen ihr Heil wirken; Gott wirkt in ihnen das Wollen und Vollbringen.
In Phil 2,12–13 fordert Paulus die Christen in Philippi auf, ihr Heil zu wirken, und zwar mit Furcht und Zittern. Unmittelbar danach erklärt er, dass Gott in ihnen das Wollen und das Vollbringen bewirkt, also den Entschluss und seine Ausführung. Beide Sätze stehen in derselben Aufforderung.
Weil Paulus die Aufforderung auf das Wirken Gottes gründet, bleibt sie bestehen. Der Mensch handelt wirklich, während Gott in ihm handelt. Das gute Werk ist ganz von Gott getragen und doch wirklich das Werk des Menschen. Der Versabschnitt trägt damit unmittelbar die Einheit von wirklicher menschlicher Antwort und tragender göttlicher Gnade.
Gnade als tragende Kraft Glaube und Überlieferung
Die Kirche versteht die Gnade als Grundlage und tragende Kraft des menschlichen Mitwirkens
Was Paulus in einem Zusammenhang nennt, entfaltet die kirchliche Lehre als zusammengehörige Wirklichkeit.
Die Kirche versteht die Gnade als Grundlage und tragende Kraft des menschlichen Mitwirkens. Gott nimmt dem Menschen seine Tätigkeit nicht ab; sein Wirken und die freie Antwort des Menschen bilden im Heil eine zusammengehörige Wirklichkeit. Die Gnade ist nach dem Katechismus notwendig, „um unser Mitwirken an der Rechtfertigung durch den Glauben und an der Heiligung durch die Liebe hervorzurufen und zu unterstützen“ (KKK 2001).
Das Konzil von Trient hat in seinem Rechtfertigungsdekret an der Wirklichkeit des menschlichen Mitwirkens festgehalten: Der von Gott bewegte freie Wille stimmt der Gnade wirklich zu und könnte sie auch ablehnen (6. Sitzung, Kanon 4). Die Lehre der Kirche hält damit an beidem fest: Das Heil ist ganz von Gott getragen, und die freie Antwort des Menschen hat darin ihre Wirklichkeit. Die Gnade macht diese Antwort möglich und trägt sie.
Der Anschein menschlichen Handelns Glaube und Überlieferung
Bleibt menschliches Handeln nur ein äußerer Anschein?
Die Frage trifft den Kern der Stelle: Wenn Gott wirkt, was bleibt dann dem Menschen?
Wenn Gott das Wollen und das Vollbringen wirkt, scheint für menschliches Handeln nur ein äußerer Anschein zu bleiben: Der Mensch vollzöge dann eine Bewegung, die in Wahrheit allein Gott gehört.
Paulus verbindet beides in derselben Aufforderung: Der Mensch soll wirken, weil Gott in ihm wirkt. Die menschliche Tätigkeit behält ihre volle Wirklichkeit; sie erhält ihre Kraft und ihre Richtung aus dem Wirken Gottes. Die Gnade macht die Antwort möglich und trägt sie; so bleibt das gute Werk ganz von Gott getragen und ist doch wirklich das Werk des Menschen.