Lohn und Gnade
Jesus verheißt Lohn für Treue
Jesus spricht von Lohn: für Verfolgung um der Gerechtigkeit willen, für verborgenes Beten, Fasten und Almosengeben und für die Aufnahme seiner Jünger. Drei Kapitel gehen dem nach, was diese Stellen bezeugen, wie die Kirche sie liest und wie sich die Frage nach dem Verhältnis von Lohn und Gnade beantworten lässt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Der verheißene Lohn Bibel und Textverständnis
Jesus verheißt Lohn für Verfolgte, für verborgenes Tun und für die Aufnahme seiner Boten
Die drei angeführten Stellen zeigen, wofür Jesus einen Lohn zusagt.
Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
Auszug aus Mt 5,12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus verheißt den Verfolgten eine große Belohnung im Himmel.
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Auszug aus Mt 6,4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus spricht von einem Lohn des Vaters für verborgene Werke der Gerechtigkeit und des Gebets.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf.
Auszug aus Mt 10,40 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus verheißt selbst für die Aufnahme seiner Boten und eine kleine Gabe eine Belohnung.
Matthäus 5,12 gilt Menschen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden: Jesus verheißt ihnen großen Lohn im Himmel. In Matthäus 6,1–6 spricht er vom Vater, der das Verborgene sieht; Beten und Almosen, die verborgenen Werke dieses Abschnitts, geschehen fern jeder Aufmerksamkeit von außen und werden vom Vater anerkannt. Matthäus 10,40–42 nimmt die Aufnahme eines Jüngers und einen Becher Wasser ernst und verbindet beides mit einem Lohn.
Zusammen umspannen die Stellen drei sehr verschiedene Situationen: das Leiden um der Gerechtigkeit willen, die verborgene Frömmigkeit und die freundliche Aufnahme eines Boten. In allen dreien rechnet Jesus mit der konkreten Antwort des Menschen und sagt ihr eine Antwort Gottes zu. Die Rede vom Lohn steht damit mitten im Alltag der Jünger.
Geschenk und Anerkennung Glaube und Überlieferung
Der verheißene Lohn ist Gottes Geschenk und dennoch wirkliche Anerkennung
Die Kirche liest diese Stellen so, dass der Lohn aus der Gnade Gottes hervorgeht.
Die Kirche lehrt, dass der verheißene Lohn Gottes Geschenk ist. Er entsteht nicht aus einem unabhängigen Anspruch des Menschen gegenüber Gott. Ursprung und Möglichkeit jedes guten Werkes liegen bei Gott: Er schenkt die Gnade, die Treue möglich macht, und er schenkt auch die Vollendung dieser Treue.
Gott würdigt dabei die konkrete Antwort des Menschen und erkennt die Treue an, die aus dem Glauben erwächst. Die Texte stützen die Aussage, dass Gott das aus Glauben vollbrachte Handeln anerkennt und ihm Lohn verheißt. Der Katechismus der Katholischen Kirche bezeugt diese Lehre, und die lehramtlichen Entscheidungen zur Rechtfertigung halten beides zusammen: die Gnade als Ursprung und den Lohn als wirkliche Anerkennung.
Lohn und Gnade Glaube und Überlieferung
Ist der verheißene Lohn nur ein anderes Wort für Gnade?
Wenn Gott den Lohn schenkt, scheint die Rede vom Lohn dasselbe zu sagen wie die Rede von der Gnade.
Der Einwand lautet: Wenn der Lohn von Gott kommt, benennt das Wort Lohn dann nur einen anderen Namen für Gnade? Die Verheißung benennt die konkrete Treue des Menschen und sagt ihr Gottes Anerkennung zu.
Der Lohn beschreibt, dass Gott die konkrete Treue des Menschen ernst nimmt und darauf antwortet. Er macht aus dem Geschenk keinen Handel. Gerade weil Gott die Möglichkeit und die Vollendung des Guten schenkt, bleibt der Lohn Gnade und ist dennoch wirkliche Anerkennung. Das Trienter Rechtfertigungsdekret begründet den Lohn damit, dass Gott ihn in freier Anordnung verheißen hat. Darum ist das ewige Leben nach diesem Dekret zugleich Gnade und Lohn (6. Sitzung, Kap. 16). Wenn der Lohn Geschenk bleibt, stellt sich die Frage, wie Gottes Gericht die Taten des Menschen ernst nimmt.