Sakramente · Begriffsgeschichte
Von mysterion und sacramentum zur präzisen Sakramentenlehre
Die Sakramente gehören zur Mitte des kirchlichen Lebens, und ihre Begriffe haben eine Geschichte. Die Kirche hat ihre Sakramente gefeiert, bevor sie deren gemeinsame Struktur genau beschrieb. Die Sprache wurde später präziser, während die gefeierte Praxis und ihre Weitergabe die Grundlage blieben.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Das Geheimnis der Ehe Bibel und Textverständnis
Ein tiefes Geheimnis: die Ehe in ihrer Beziehung zu Christus und der Kirche
Was die angeführte Stelle bezeugt.
Auszug aus Eph 5,31–32 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 31: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.
Vers 32: Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus nennt die auf Christus und die Kirche bezogene Ein-Fleisch-Einheit ein tiefes Geheimnis.
In Epheser 5,32 bezeichnet Paulus die Beziehung zwischen der Ehe und Christus und der Kirche als ein tiefes Geheimnis. Der Vers verbindet damit die eheliche Einheit mit Christus und der Kirche und gibt dieser Verbindung einen eigenen Namen.
Das Wort, das an dieser Stelle steht, ist das griechische μυστήριον (mystērion, etwa: müs-TE-ri-on), zu Deutsch Geheimnis. Die lateinische Bibel gibt es hier mit sacramentum wieder. Ein solches Wort liefert einen sprachlichen Baustein für die spätere Entwicklung der Sakramentenbegriffe: mysterion verbindet die eheliche Einheit mit Christus und der Kirche und trägt diesen Zusammenhang in die Sprache der Sakramentenlehre hinein. Wie aus diesem Wort die genauere Sprache der Sakramentenlehre wurde, zeigt seine weitere Geschichte.
Begriffe und gefeierte Praxis Glaube und Überlieferung
Die Begriffe wurden präziser, während die gefeierte Praxis die Grundlage blieb
Wie die Kirche diese Stellen liest.
Tertullian beginnt um 200 seine Schrift „Über die Taufe“ mit den Worten „Glückseliges Sakrament unseres Wassers“ (Kap. 1); er gebraucht das lateinische Wort sacramentum, von dem sich der Begriff Sakrament herleitet, noch in einem weiten, nicht systematisch festgelegten Sinn. Augustinus beschreibt die Ehe als einen sakramentalen Zusammenhang. Beide stehen für ein frühes Sprechen über die sakramentale Wirklichkeit, das die späteren Unterscheidungen noch nicht in ein System bringt.
Wie aus diesem frühen Sprechen die genaue Lehre wurde, lässt sich an datierten Texten nachprüfen. Augustinus beschreibt in seinen Vorträgen über das Johannesevangelium, wie Wort und Element zusammen das Sakrament bilden: „Es tritt das Wort zum [materiellen] Element, und es wird ein Sakrament“ (Tract. in Ioh. 80,3; zitiert in KKK 1228). Im 12. Jahrhundert begegnet die geschlossene Liste der sieben Sakramente, etwa in den Sentenzen des Petrus Lombardus (IV, dist. 2, um 1150). 1274 zählt das Glaubensbekenntnis des byzantinischen Kaisers Michael VIII. Palaiologos auf dem Zweiten Konzil von Lyon die sieben Sakramente auf (DS 860; vgl. KKK 1113). Das Konzil von Florenz beschreibt 1439 im Dekret für die Armenier, was zu jedem Sakrament gehört: die Materie, die Form und der Spender, der die Absicht hat, zu tun, was die Kirche tut (DS 1310–1313). Das Konzil von Trient definiert 1547 in der siebten Sitzung, dass alle Sakramente des Neuen Bundes von Jesus Christus eingesetzt sind und dass es weder mehr noch weniger als sieben sind (Kanon 1; vgl. KKK 1114). Jede Station beantwortet eine eigene Frage: zuerst die Gestalt aus Wort und Zeichen, dann die Zahl, darauf die Elemente des Vollzugs, schließlich die verbindliche Lehre über Einsetzung und Zahl.
Quellen zu dieser Frage 6
- Kapitel 1Über die Taufe ↗
- De bono coniugali, Kapitel 7Über das Gut der Ehe ↗
- 1439, Decretum pro ArmenisKonzil von Florenz, Decretum pro Armenis (Bulle Exultate Deo) ↗
- Sitzung VII, 3. März 1547, Kanon 1Konzil von Trient, Sitzung VII ↗
- KKK 1113–1114, 1228Katechismus der Katholischen Kirche ↗
- 1274, Glaubensbekenntnis Michaels VIII. Palaiologos (DS 860)Zweites Konzil von Lyon ↗
Spätere Sakramentenlehre Glaube und Überlieferung
Ist die spätere Sakramentenlehre eine Neuerung?
Wenn die frühe Kirche noch keine einheitliche Definition von sacramentum besaß, könne die spätere Sakramentenlehre nur eine Neuerung sein.
Die Entstehung einer präziseren theologischen Sprache zeigt zunächst, dass die Kirche zwischen Praxis und Begriff unterscheiden konnte. Die Riten, ihre apostolischen Bezüge und ihre Feier gingen der vollständigen Systematik voraus. Spätere Begriffe benennen genauer, was die Kirche bereits feierte und weitergab.
Tertullian steht am Anfang dieser begrifflichen Entwicklung, das Konzil von Trient an einem späten Punkt. Die Entwicklung betrifft die begriffliche Klarheit. Die sakramentale Wirklichkeit war in den gefeierten Riten gegenwärtig, bevor sie begrifflich beschrieben wurde.