Heiliger und Kirchenlehrer · 1801–1890
John Henry Newman: Warum er katholisch wurde
John Henry Newman (1801–1890) war anglikanischer Geistlicher und Gelehrter in Oxford, bevor er katholischer Kardinal wurde. Heute verehrt ihn die Kirche als Heiligen. Am 1. November 2025 erklärte Leo XIV. ihn zum Kirchenlehrer.
Newman wollte anfangs nicht katholisch werden. Er verteidigte die Kirche von England und ihre Via Media, den „mittleren Weg“ zwischen Protestantismus und Rom. Doch beim Studium der frühen Kirche gerieten seine eigenen Überzeugungen ins Wanken.
Fürsprecher von Scriptura Plena
Wo blieb die Kirche der Apostel sichtbar?
Ab 1839 studierte Newman die alten Lehrstreitigkeiten der Kirche. Besonders beschäftigten ihn die Auseinandersetzungen, in denen die Kirche ihre Lehre über Jesus Christus genauer formulierte. Dabei erkannte er, dass der christliche Glaube in einer konkreten, sichtbaren Kirche weitergegeben wurde. Diese Kirche bewahrte den Glauben der Apostel, erklärte ihn in neuen Auseinandersetzungen und verteidigte ihn gegen Irrtümer.
Newman hatte die Kirche von England verteidigt, weil er in ihr den Glauben der frühen Kirche bewahrt sah. Nun musste er seine Antwort auf diese Frage überprüfen: Welche Kirche hatte den Glauben der Apostel treu weitergegeben?
Diese Prüfung fiel ihm nicht leicht. Gegen römische Frömmigkeitsformen, besonders gegen die Verehrung Marias und der Heiligen, hatte er weiterhin ernsthafte Vorbehalte. Er drängte andere nicht, ihm zu folgen. Zunächst musste er selbst klären, ob seine Einwände gegen Rom noch Bestand hatten.
Quellen zu diesem Abschnitt
Wie kann eine Lehre wachsen, ohne ihren Ursprung zu verlieren?
Newman erkannte, warum die Kirche ihre Lehre über Jesus Christus im Lauf der Zeit genauer formulierte. Die Auseinandersetzungen der frühen Kirche verlangten eine präzise Sprache, damit der überlieferte Glaube gegen falsche Deutungen geschützt werden konnte. Eine spätere Formulierung konnte deshalb entfalten, was im empfangenen Glauben bereits enthalten war.
Diese Einsicht betraf auch Newmans Urteil über Rom. Die Gründe, mit denen Newman selbst die alten Lehren über Jesus Christus verteidigt hatte, konnten nun auch Lehren erklären, die er bisher als römische Neuerungen zurückgewiesen hatte. Die entscheidende Frage lautete: Entwickelt sich eine spätere Lehre treu aus dem empfangenen Glauben, oder verändert sie seinen Inhalt?
Eine Lehre konnte später formuliert worden sein, ohne deshalb neu erfunden zu sein. Sie musste denselben Glauben bewahren, den die Kirche von den Aposteln empfangen hatte.
So prüfte Newman auch die Lehre der katholischen Kirche neu. Was ihm zuvor als Abweichung erschienen war, konnte eine genauere Erklärung des überlieferten Glaubens sein.
Quellen zu diesem Abschnitt
Die Entscheidung kostete ihn viel
Newmans Prüfung führte nicht sofort zu einem Entschluss. Er rang mit seinen Überzeugungen, seinen Bindungen und der Sorge, Freunde zu verletzen. Zur Einsicht musste der Entschluss kommen, ihr zu folgen.
1843 legte Newman sein Pfarramt an der Universitätskirche St. Mary’s in Oxford nieder. Danach lebte er in Littlemore und setzte seine Prüfung fort. Er schrieb weiter und arbeitete an seinem Essay über die Entwicklung der christlichen Lehre.
Am 9. Oktober 1845 wurde Newman in Littlemore durch den Ordenspriester Dominic Barberi in die katholische Kirche aufgenommen. In einem Brief vom April 1845 hatte er beschrieben, wie schmerzlich es für ihn war, das geliebte Oxford und die Menschen dort zu verlassen. Er ging diesen Weg dennoch.
Seine Entscheidung verband beides: Gründe, die ihn überzeugt hatten, und die Bereitschaft, ihnen auch dann zu folgen, wenn er dafür etwas Geliebtes aufgeben musste.
Was bedeutete der katholische Glaube für Newman?
Nach seiner Aufnahme in die katholische Kirche beschrieb Newman einen inneren Frieden. Dabei verschwanden seine Fragen nicht. Er dachte weiter nach und hatte weiterhin Schwierigkeiten beim Verstehen. Eine Glaubensaussage noch nicht zu verstehen, war für ihn etwas anderes, als an ihrer Wahrheit zu zweifeln.
Das Vertrauen in die Kirche wuchs bei Newman gerade aus der gründlichen Prüfung ihrer Geschichte. Auch als Katholik blieb er ein denkender und fragender Mensch.
Als Fürsprecher dieses Projekts steht Newman für sorgfältiges Studium, Ehrlichkeit gegenüber den Quellen und die Bereitschaft, einer erkannten Wahrheit zu folgen. Diese Haltung prägt auch die Arbeit an Scriptura Plena: Quellen sorgfältig lesen, Einwände ernst nehmen und sich von guten Gründen überzeugen lassen.
Quellen zu diesem Abschnitt
Weiterlesen
Passende Themen
- Sichtbare Kirche und LehramtWie Christus die Apostel beauftragte und weshalb die Kirche ihren Glauben verbindlich weitergibt.
- Schrift und TraditionDas Thema „Schrift und apostolische Tradition“ zeigt, wie die Kirche den empfangenen Glauben durch die Geschichte hindurch bewahrt und auslegt.
- Dogma und GlaubenslehreDas Thema „Dogma“ erklärt, wie die Kirche ihren empfangenen Glauben in späteren Auseinandersetzungen genauer formuliert.