Bibelstelle · EÜ 2016
Mt 1,25
Matthäus 1,25 sagt zunächst schlicht: Josef lebte mit Maria bis zur Geburt Jesu nicht als Ehemann mit ihr zusammen. Die Formulierung beschreibt den Zeitraum bis zur Geburt. Daraus folgt allein noch keine Aussage über die Zeit danach. Das Wort „bis“ kann eine Grenze nennen, ohne eine spätere Änderung zu behaupten. In 2 Sam 6,23 heißt es in der griechischen Bibel, Michal habe bis zum Tag ihres Todes kein Kind gehabt. Matthäus 28,20 sagt, Christus sei bei seinen Jüngern bis zum Ende der Welt. Das „bis“ verspricht Michal nicht, dass sie nach ihrem Tod doch noch ein Kind bekommt, und es kündigt nicht an, dass Christus seine Jünger nach dem Ende der Welt verlässt. Mt 1,25 kann daher nicht als Einzelbeweis für eine spätere eheliche Gemeinschaft verstanden werden. Zusammen mit den übrigen biblischen Hinweisen und der frühen Überlieferung steht die Stelle mit der Lehre der Kirche in Einklang: Maria blieb immerwährend Jungfrau.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus Mt 1,25
Bibeltext
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.
Auszug aus Mt 1,25 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Woran die Auslegung am Wort hängt
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Ist Maria immer Jungfrau geblieben?
Die Stelle begrenzt die gegnerische Folgerung, „bis“ setze spätere eheliche Gemeinschaft voraus; die Zeitangabe behauptet keine Umkehr nach ihrem Endpunkt.
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Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Hieronymus
Um 383 antwortet Hieronymus Helvidius, der aus dem „bis“ in Matthäus 1,25, dem Titel „Erstgeborener“ und den „Brüdern Jesu“ gegen die immerwährende Jungfräulichkeit Marias argumentierte; Hieronymus erwidert scharf und polemisch.
Jeder einzige Sohn ist ein Erstgeborener, aber nicht jeder Erstgeborene ist ein einziger Sohn. Unter Erstgeborenem verstehen wir nicht nur den, dem andere folgen, sondern den, dem keiner vorangegangen ist.
Die immerwährende Jungfräulichkeit Marias – Gegen Helvidius · Contra Helvidium 6; 10; 13 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Hieronymus bezeugt, dass die Einwände aus Mt 1,25, „Erstgeborener“ und den „Brüdern Jesu“ um 383 ausdrücklich diskutiert und widerlegt wurden.
Die Grenze: Hieronymus erklärt die „Brüder“ als Vettern Jesu und lehnt die andere alte Erklärung ab, nach der sie Kinder Josefs aus einer früheren Ehe sind; diese zweite Erklärung ist bis heute in der Ostkirche verbreitet. Beide Erklärungen halten fest, dass Jesus der einzige Sohn Marias ist; die Kirche lässt die genaue Verwandtschaftsstufe offen (KKK 500).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Um 383 antwortet Hieronymus in Rom auf die Schrift des Helvidius, der aus dem „erkannte sie nicht, bis sie gebar“ (Mt 1,25), dem Titel „Erstgeborener“ und den „Brüdern Jesu“ gegen die immerwährende Jungfräulichkeit Marias argumentierte. Die Schrift ist ausdrücklich eine polemische Streitschrift.
Historischer Text
Unsere Antwort ist kurz: Die Wörter „erkannte“ und „bis“ sind in der Sprache der Heiligen Schrift fähig zu doppelter Bedeutung. ... Unser Standpunkt ist dieser: Jeder einzige Sohn ist ein Erstgeborener, aber nicht jeder Erstgeborene ist ein einziger Sohn. Unter Erstgeborenem verstehen wir nicht nur den, dem andere folgen, sondern den, dem keiner vorangegangen ist. ... Die einzige Folgerung ist, dass die Maria, die als Mutter des kleinen Jakobus beschrieben wird, die Frau des Alphaeus und Schwester der Mutter des Herrn war, die vom Evangelisten Johannes Maria von Kleopas genannt wird.
Vollständigen historischen Text öffnen: HieronymusWarum diese Stelle wichtig ist
Hieronymus belegt, dass die klassischen Einwände aus Mt 1,25, „Erstgeborener“ und den „Brüdern Jesu“ bereits um 383 ausdrücklich vorgebracht und beantwortet wurden.
Quellen und HinweiseKKK 484–511, 963–975
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 484–511, 963–975Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Maria im Christusgeheimnis und in der Kirche.
Konzilien und Lehramt
- Lumen gentiumLG 52–69Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Maria im Geheimnis Christi und der Kirche.
- Generalaudienz vom 28. August 1996gesamte AudienzPrimärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Johannes Paul II. zur immerwährenden Jungfräulichkeit Marias, zum Willen Marias, zur Erstgeburt, zu den Brüdern Jesu und zur kirchlichen Rezeption.
- Redemptoris custosNr. 7, 18–20Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Johannes Paul II. zur wirklichen Ehe, ehelichen Liebe und gemeinsamen Berufung von Josef und Maria.
- Zweites Konzil von KonstantinopelAnathema 6Übersetzung · Verlässliche Transkription
Ökumenisches Konzil von 553 mit der ausdrücklichen Bezeichnung Marias als immerwährende Jungfrau; englische Übersetzung der Reihe Nicene and Post-Nicene Fathers (1900).
- Denzinger-Schönmetzer 503: Römische Synode von 649Kanon 3, DS 503Primärtext · Verlässliche Transkription
Ausdrückliches Bekenntnis Marias als Jungfrau vor, bei und nach der Geburt; römische Synode unter Papst Martin I., kein ökumenisches Konzil.
Historische Primärquellen
- Die immerwährende Jungfräulichkeit Marias – Gegen Helvidius4–8; 11–16Übersetzung · Primärtext / Edition
Hieronymus antwortet um 383 Helvidius, der aus dem „bis“ in Matthäus 1,25, dem Titel „Erstgeborener“ und den „Brüdern Jesu“ gegen die immerwährende Jungfräulichkeit Marias argumentierte; der Text ist scharf polemisch und belegt die Diskussion dieser Einwände in der Alten Kirche.
- Summa theologiae III, q. 28III, q. 28, a. 3–4Übersetzung · Primärtext / Edition
Thomas von Aquin zur Jungfräulichkeit Marias nach der Geburt und zur theologischen Einordnung der Ehe von Josef und Maria; deutsche Übersetzung von Ceslaus Maria Schneider (1886–1892).