Apostelgeschichte
Handauflegung in Ephesus, Salbung und Siegel bei Paulus
In Ephesus trifft Paulus Männer, die nur die Taufe des Johannes kennen. Der Bericht erzählt, was darauf folgt, und ordnet Taufe und Geistgabe einander zu.
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
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Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Männer von Ephesus Bibel und Textverständnis
Was geschieht in Ephesus in welcher Reihenfolge?
Paulus begegnet Männern, deren Taufe noch nicht auf Jesus bezogen war.
Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab.
Auszug aus Apg 19,6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Männer kannten nur die Taufe des Johannes; nach der Unterweisung über Jesus wurden sie auf seinen Namen getauft, Paulus legte ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Geist.
Die Männer kennen die Taufe des Johannes, die zur Umkehr ruft und auf den Kommenden vorbereitet. Paulus unterweist sie über Jesus; darauf werden sie auf den Namen Jesu getauft. Nach dieser Taufe legt Paulus ihnen die Hände auf, und der Geist kommt auf sie herab; die Wirkung, die Lukas nennt, ist hörbar: Die Männer reden in Zungen und prophezeien.
Der Bericht unterscheidet damit drei Größen: die vorbereitende Taufe des Johannes, die Taufe auf den Namen Jesu und die Handauflegung des Apostels. Zwischen der christlichen Taufe und der Gabe des Geistes steht allein diese Handauflegung. Man kann einwenden, dieser Weg gelte nur für Männer, die noch die Johannestaufe kannten.
Der Einwand trifft die Vorgeschichte zu Recht, ändert aber nichts an dem, was der Bericht zeigt: Auf die christliche Taufe folgt die Handauflegung des Apostels, und den Getauften wird der Geist mitgeteilt. In Samarien begegnet dieselbe Handauflegung bei Menschen, die bereits getauft waren. Der Geist bleibt Gottes Geschenk. Offen ist noch, ob diese Gabe an die hörbaren Zeichen gebunden war, die Lukas hier nennt.
Die Gabe und ihre Zeichen Glaube und Überlieferung
Vermittelte die Handauflegung nur außerordentliche Gaben der Anfangszeit?
Lukas nennt Handauflegung, Empfang des Geistes und hörbare Zeichen in einem Zug. Die Frage ist, ob die Gabe selbst an diese Zeichen gebunden war.
Lukas erzählt die Handauflegung in Ephesus zusammen mit hörbaren Zeichen: Der Geist kommt auf die Getauften, und „sie redeten in Zungen und weissagten“ (Apg 19,6). Daran knüpft ein reformierter Einwand an. Johannes Calvin sieht in der Handauflegung der Apostel das Mittel, durch das Gott damals die sichtbaren und wunderbaren Gaben des Geistes austeilte; diese Gaben hätten aufgehört, und wer heute die Hände auflege, ahme ein leeres Zeichen ohne die Wirklichkeit nach. Den Heiligen Geist selbst spricht Calvin der Kirche nicht ab; er bleibt nach ihm bei Gottes Volk (Institutio IV,19,6).
Die Antwort beginnt beim Text. Lukas nennt als Gabe den Heiligen Geist selbst: „der Heilige Geist kam auf sie herab“; Zungenrede und Weissagung folgen als Zeichen dieses Empfangs (Apg 19,6). An Pfingsten ordnet er es ebenso: „Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“ (Apg 2,4). Die Zeichen machen den Empfang erkennbar; die Gabe ist der Geist. In Samarien nennt Lukas nach der Handauflegung nur den Empfang des Geistes (Apg 8,17).
Diese Gabe gilt nicht nur der ersten Generation. Petrus sagt am Pfingsttag: „Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird“ (Apg 2,39). Die Kirche bezieht diese Verheißung auf die Getauften aller Zeiten und gibt die Gabe in der Handauflegung weiter, die die Apostel den Neugetauften gemäß dem Willen Christi spendeten (KKK 1288).
Augustinus hat den Einwand schon zu Beginn des fünften Jahrhunderts beantwortet. In seinen Predigten über den ersten Johannesbrief erinnert er die Gemeinde daran, dass er Kindern die Hände aufgelegt hat, damit sie den Heiligen Geist empfangen, und dass niemand darauf wartete, dass sie in Zungen redeten. Die Zeichen der Anfangszeit hätten angekündigt, dass das Evangelium durch alle Sprachen der Erde gehen sollte, und seien vergangen; dass jemand den Geist empfangen hat, zeige sich nun an der Liebe zum Bruder, zum Frieden und zur Einheit der über die ganze Erde verbreiteten Kirche (Tractatus in epistulam Ioannis 6,10).
Die Kirche betrachtet diese Auflegung der Hände als „Anfang des Firmsakramentes“, „das die Pfingstgnade in der Kirche auf eine gewisse Weise fortdauern läßt“ (KKK 1288). Fortdauer meint die Gabe selbst, denselben Heiligen Geist, den die Apostel in Ephesus weitergaben, nicht die Wiederholung ihrer Begleitzeichen. Dieselbe Gabe beschreiben die Briefe des Paulus mit den Bildern von Salbung und Siegel.
Salbung und Siegel Bibel und Textverständnis
Was sagen die Briefe des Paulus über Salbung und Siegel?
Paulus beschreibt mit diesen Bildern, was die Glaubenden von Gott empfangen haben.
Gott aber ist es, der uns mit euch auf Christus hin stärkt und der uns gesalbt hat. Er hat uns auch sein Siegel aufgedrückt und als ersten Anteil den Geist in unsere Herzen gegeben.
Auszug aus 2 Kor 1,21–22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott festigt die Glaubenden auf Christus hin, salbt sie, drückt ihnen sein Siegel auf und gibt ihnen den Geist als ersten Anteil.
Im zweiten Korintherbrief schreibt Paulus, dass Gott die Glaubenden auf Christus hin festigt, sie gesalbt, ihnen sein Siegel aufgedrückt und den Geist als ersten Anteil in ihre Herzen gegeben hat. Salbung und Siegel stehen für das Ganze des Geschenks: Gott bindet den Glaubenden an Christus.
in ihm habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr zum Glauben kamt.
Auszug aus Eph 1,13b · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Glaubenden haben das Siegel des verheißenen Geistes empfangen, der als erster Anteil das Erbe verbürgt.
Der Epheserbrief nennt das Siegel des verheißenen Geistes, der das Erbe verbürgt. Das Siegel bezeichnet die Zugehörigkeit zu Christus und die Sicherheit der Verheißung.
Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, den ihr als Siegel empfangen habt für den Tag der Erlösung!
Auszug aus Eph 4,30 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus mahnt, den Geist nicht zu betrüben, mit dem die Glaubenden für den Tag der Erlösung versiegelt sind.
An einer späteren Stelle desselben Briefes mahnt Paulus, den Geist nicht zu betrüben, mit dem die Glaubenden für den Tag der Erlösung versiegelt sind. Hier zeigt sich, was das Geschenk verlangt: Das Siegel bleibt und beansprucht das ganze Leben. Paulus beschreibt die Besiegelung durch den Geist, die allen Glaubenden geschenkt wird, wenn sie zum Glauben kommen und getauft werden, also in der ganzen christlichen Initiation. Weil die Firmung diese Initiation vollendet, hat die Liturgie sein Wort zum Namen ihrer Gabe gemacht: Die Ostkirchen salben mit der Formel „Siegel der Gabe des Heiligen Geistes“ (KKK 1296; 1300).
Die Zeichen der Kirche Glaube und Überlieferung
Warum salbt die Kirche mit Chrisam?
Zur Handauflegung der Apostel trat sehr bald eine Salbung mit Chrisam, die die Gabe des Geistes noch deutlicher bezeichnet.
Die Salbung veranschaulicht den Namen „Christ“, der „Gesalbter“ bedeutet und von Christus abgeleitet ist, den Gott „mit dem Heiligen Geist“ gesalbt hat (Apg 10,38; KKK 1289). Im lateinischen Ritus wird die Firmung durch die Salbung der Stirn mit Chrisam unter Auflegen der Hand gespendet, mit den Worten „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“ (KKK 1300). Der Chrisam ist ein geweihtes, wohlriechendes Öl. Die Salbung bringt zum Ausdruck, dass der Gefirmte Anteil an der Salbung Christi erhält; das Siegel, dass er Christus gehört (KKK 1294–1296).
Die frühkirchliche Katechese aus Jerusalem erklärt diesen Zusammenhang den Neugetauften. Sie beschreibt, wie die Getauften aus dem Wasser heraufsteigen und anschließend gesalbt werden, und versteht diese Salbung als Anteil an der Salbung Christi, mit der Christus vom Heiligen Geist gesalbt wurde. Während der Leib mit dem sichtbaren Öl gesalbt wird, heiligt der Heilige Geist die Seele.
Cyrill von Jerusalem
Während der Leib mit dem sichtbaren Öl gesalbt wird, wird die Seele durch den heiligen und lebenspendenden Geist geheiligt.
Mystagogische Katechese 3 · Mystagogische Katechese 3,3 · Primärtext↗Cyrill erklärt die Salbung mit Chrisam, die die Neugetauften direkt nach dem Aufsteigen aus dem Taufbecken empfingen, als Gabe des Geistes: Nachdem der Heilige Geist im Gebet über das Öl herabgerufen worden ist, ist es nicht mehr bloßes Öl, sondern Gnade Christi.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: In Jerusalem folgte auf die Taufe eine eigene Salbung mit Chrisam. Die Katechese unterscheidet das sichtbare Öl von der Gabe, die Gott durch es schenkt: Nachdem der Heilige Geist im Gebet über das Öl herabgerufen worden ist, ist es nicht mehr bloßes Öl, sondern Gnade Christi, so wie das eucharistische Brot nach der Anrufung des Geistes nicht mehr gewöhnliches Brot ist.
Die Grenze: Cyrill beschreibt die Salbung innerhalb der einen Feier der Eingliederung, wie die Ostkirchen die Firmung bis heute spenden; die zeitliche Trennung von Taufe und Firmung ist eine spätere Entwicklung der lateinischen Kirche (KKK 1290).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Cyrill erklärt den Neugetauften in der dritten Mystagogischen Katechese die Salbung, die sie unmittelbar nach dem Aufsteigen aus dem Taufbecken empfingen. Einige Handschriften schreiben die Mystagogischen Katechesen seinem Nachfolger Johannes von Jerusalem zu.
Historischer Text
Hüte dich zu meinen, dies sei bloßes Öl. Denn wie das Brot der Eucharistie nach der Anrufung des Heiligen Geistes nicht mehr bloßes Brot ist, sondern der Leib Christi, so ist auch dieses heilige Öl nach der Anrufung nicht mehr einfaches oder, wie man sagen könnte, gewöhnliches Öl, sondern Gnadengabe Christi. […] Während der Leib mit dem sichtbaren Öl gesalbt wird, wird die Seele durch den heiligen und lebenspendenden Geist geheiligt.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyrill von JerusalemWarum diese Stelle wichtig ist
Cyrill bezeugt die Chrisamsalbung direkt nach der Taufe als Gabe des Geistes, die geschenkt wird, nachdem der Geist im Gebet über das Öl herabgerufen worden ist, und verbindet sichtbares Zeichen und geistliche Wirklichkeit.
Die Katechese nennt das Öl eine Gabe der Gnade Christi, nachdem der Geist angerufen worden ist, und unterscheidet damit das Zeichen von der Wirklichkeit, die Gott durch es schenkt. Sie nennt auch die Wirkung: Die Gabe hilft beim Hören und Leben des Glaubens und schenkt Kraft im geistlichen Kampf. In Salbung und Siegel steht damit vor Augen, was Paulus beschreibt: Gottes Geschenk an den Glaubenden. Offen ist noch, welchen Platz die Handauflegung in der Unterweisung der Gemeinden hatte; der Hebräerbrief nennt sie unter den Grundlagen des Glaubens.