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Gebet und katholische Praxis

Alle Getauften sind zum Segnen berufen

Jeder Getaufte ist berufen, Segen zu erbitten und andere zu segnen. Die Schriftstellen rufen alle Christen dazu auf; die Kirche bestätigt diese Berufung und ordnet zugleich, wer welche Segnungen öffentlich vollzieht.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Zwei Hände halten einen fünfgesätzigen Rosenkranz mit Medaille und Kreuz; fünf Evangeliumsszenen umgeben ein zentrales Christuslicht.
GebetKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Der Auftrag an alle Bibel und Textverständnis

Die drei Stellen rufen alle Christen zum Segnen

Drei Stellen des Neuen Testaments richten denselben Auftrag an alle, die zu Christus gehören: Segen zu erbitten und Segen weiterzugeben.

Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!

Auszug aus Lk 6,27–28 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Jesus gebietet, auch Verflucher zu segnen.

Lk 6,27–28: Zusammenhang und Übersetzung

Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht!

Auszug aus Röm 12,14 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus ruft auf, Verfolger zu segnen und nicht zu verfluchen.

Röm 12,14: Zusammenhang und Übersetzung

In der Feldrede gebietet Jesus seinen Jüngern, auch diejenigen zu segnen, die sie verfluchen (Lk 6,27–28). Der Segen gilt gerade dort, wo Ablehnung erfahren wird. Paulus nimmt diesen Auftrag in seinem Brief an die Römer auf und richtet ihn an Christen, die verfolgt werden (Röm 12,14). Beide Stellen sprechen zu allen, die Christus nachfolgen, und nicht nur zu einzelnen Beauftragten.

Segnet, denn dazu seid ihr berufen worden, dass ihr Segen erbt.

Auszug aus 1 Petr 3,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Christen sollen segnen, um Segen zu erben.

1 Petr 3,9: Zusammenhang und Übersetzung

Der erste Petrusbrief nennt den Grund für diesen Auftrag: Statt Böses mit Bösem zu vergelten, sollen die Christen segnen, denn sie sind dazu berufen, Segen zu erben (1 Petr 3,9). Damit steht das Segnen im Zusammenhang der ganzen christlichen Berufung. Diese Stellen bezeugen, dass der Ruf zum Segnen für alle Getauften gilt. Sie ordnen jedoch keine liturgischen Segensämter und regeln nicht, wer welche Segnung öffentlich vollzieht.

Die Berufung der Getauften Glaube und Überlieferung

Die Kirche bestätigt die Berufung aller Getauften und ordnet den öffentlichen Vollzug

Die Kirche lehrt, dass jeder Getaufte berufen ist, ein Segen zu sein und zu segnen.

Der Katechismus der Katholischen Kirche (kurz KKK) hält in Nummer 1669 fest, dass jeder Getaufte dazu berufen ist, ein Segen zu sein und zu segnen. Aus dieser Berufung folgt, dass auch Laien bestimmten Segnungen vorstehen können. So trägt bereits die Taufe den Auftrag zum Segnen in sich.

Davon unterscheidet die Kirche den öffentlichen Vollzug. Wer im Namen der Kirche segnet, handelt im Auftrag der Kirche; darum ordnet die Kirche, wer welche Segnung vollzieht. Das kirchliche Gesetzbuch (Codex Iuris Canonici, kurz CIC) bestimmt in can. 1168, dass einige Sakramentalien, also heilige Zeichen, die den Sakramenten in gewisser Weise nachgebildet sind, nach den liturgischen Büchern und nach dem Ermessen des Ortsordinarius (des leitenden Hirten einer Ortskirche) auch von geeigneten Laien gespendet werden können. Geordnet wird damit der Dienstcharakter einzelner Segnungen: Die Kirche unterscheidet Handlungen nach ihrer Nähe zum kirchlichen und sakramentalen Leben. Ihren Ausdruck findet diese Ordnung im liturgischen Buch der Segnungen (Rituale Romanum, De Benedictionibus; im deutschen Sprachgebiet das Benediktionale), auf das sich auch der Katechismus beruft (KKK 1669).

Quellen zu dieser Frage 2

Laien und geweihtes Amt Glaube und Überlieferung

Ist die Unterscheidung zwischen Laien und geweihtem Amt künstlich?

Wenn alle Christen segnen dürfen, wirkt jede Unterscheidung zwischen Laien und geweihtem Amt bei Segnungen künstlich.

Die Schriftstellen rufen alle Getauften zum Segnen, und KKK 1669 sagt diese Berufung ausdrücklich zu. Wenn sie allen gilt, scheint jede Unterscheidung bei Segnungen nachträglich zu sein, als werde eine gemeinsame Berufung doch wieder geteilt.

Die Unterscheidung betrifft den Vollzug, und die Berufung bleibt ungeteilt. Jeder Getaufte bittet um Segen und gibt ihn weiter. Wo eine Segnung öffentlich im Namen der Kirche geschieht, sprechen die Einzelnen nicht für sich; sie handeln im Auftrag der Kirche, und deren Ordnung regelt, wer diese Segnung vollzieht. Das persönliche Segensgebet jedes Getauften und die kirchlich geordnete Segnung gehören so auf verschiedene Weise zur selben Berufung.

Quellen zu dieser Frage 1
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