Die Einheit der Kirche
Ein Leib, ein Glaube, eine Taufe
Die Schrift bezeugt die Kirche als einen konkreten Leib: viele Glieder, verschiedene Gaben, aufeinander angewiesen. Die Lesung folgt zuerst den beiden paulinischen Stellen, dann der Lehre der Kirche, und sie nimmt den Einwand auf, Jesu Gebet in Johannes 17 gelte der inneren Verbundenheit der Gläubigen.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Ein Leib, eine Taufe Bibel und Textverständnis
Ein Leib, ein Geist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe
Was die angeführten Stellen bezeugen.
Auszug aus Eph 4,3–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 3: und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!
Vers 4: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung:
Vers 5: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
Vers 6: ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus nennt einen Leib, einen Geist, einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe.
Epheser 4,3–6 nennt die Wirklichkeiten, die die Glaubenden verbinden: ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater. Paulus führt sie als das an, was die Gemeinde bereits zusammenhält — jedes Glied dieser Reihe benennt eine Wirklichkeit, die allen gemeinsam ist.
Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.
Auszug aus 1 Kor 12,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus beschreibt die Gläubigen als einen Leib mit vielen voneinander abhängigen Gliedern.
1 Korinther 12,12–27 ergänzt das Bild: Viele Glieder bilden einen Leib und sind aufeinander angewiesen. Verschiedene Gaben und Aufgaben setzen einen Zusammenhang voraus, in dem die Glieder einander zugeordnet sind. So tritt die Einheit als gemeinsame, verkörperte Wirklichkeit vor Augen.
Christus erhält seine Kirche Glaube und Überlieferung
Christus erhält seine eine Kirche durch den Heiligen Geist
Wie die Kirche diese Stellen liest.
Die Kirche lehrt, dass Christus seine eine Kirche durch den Heiligen Geist erhält. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 815) hält diese Einheit fest: Sie gründet im einen apostolischen Glauben, im gemeinsamen Gottesdienst, in den Sakramenten — den sichtbaren Zeichen der Gnade — und in der apostolischen Nachfolge, der Weitergabe des Dienstes der Apostel in der Kirche.
Damit verbindet die Kirche geistliche Gemeinschaft mit sichtbaren Vollzügen. Die innere Einheit im Heiligen Geist und ihre konkrete geschichtliche Gestalt gehören zusammen: im gemeinsamen Bekenntnis, in der Taufe, im Gottesdienst und im geordneten Dienst wird sichtbar, wovon die Schrift spricht. So bleibt die Einheit des Leibes Christi konkret und geschichtlich greifbar.
Quellen zu dieser Frage 2
Gestalt der erbetenen Einheit Glaube und Überlieferung
Genügen Evangelium und Sakramente für die sichtbare Einheit der Kirche?
Jesu Gebet zielt auf eine Einheit, die die Welt sehen soll. Strittig ist, woran diese Einheit sichtbar wird.
Der Einwand lautet: Sichtbar wird die Einheit, um die Jesus in Joh 17,20–23 bittet, dort, wo das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden; mehr ist dafür nicht nötig, insbesondere keine überall gleichen, von Menschen eingesetzten Ordnungen (Confessio Augustana, Art. VII).
Paulus führt die Einheit der Glaubenden als gemeinsame, verkörperte Wirklichkeit vor Augen: ein Leib, ein Glaube, eine Taufe, viele verschiedene Glieder, die einander brauchen. Die Kirche teilt die Überzeugung, dass Bekenntnis und Sakramente sichtbare Bande dieser Einheit sind; zu ihnen gehört nach KKK 815 als drittes Band die apostolische Sukzession, die durch das Weihesakrament die brüderliche Eintracht der Familie Gottes aufrechterhält. Voll eingegliedert sind darum nach Lumen gentium 14 jene, die durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und der kirchlichen Leitung und Gemeinschaft mit Christus verbunden sind, der die Kirche durch den Papst und die Bischöfe leitet; im selben Kapitel des Epheserbriefs verbindet Paulus die Einheit mit den Diensten, die Christus seiner Kirche gibt. Damit steht der eine Leib vor Augen, getragen vom einen Geist, unter dem einen Herrn, im einen Glauben und in der einen Taufe; die folgende Spur prüft, was die Trennung dieses Leibes bedeutet.