Kirche und Lehramt
Die Spaltung der Christen ist theologisch nicht neutral
Paulus fragt in seinem ersten Brief an die Korinther, ob Christus geteilt ist. Diese Frage stellt die Einheit der Gemeinde in unmittelbare Beziehung zu Christus und gehört zu den biblischen Grundlagen der kirchlichen Lehre über die Einheit der Christen: Die Trennung der Getauften bleibt eine Wunde, die nach Heilung ruft, und die Kirche erkennt jeden Getauften als Bruder im Herrn an (UR 3).
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Parteiungen in Korinth Bibel und Textverständnis
Paulus weist die Parteiungen zurück und fragt: Ist Christus geteilt?
Was die angeführten Stellen bezeugen.
Auszug aus 1 Kor 1,10.12–13 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 10: Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung!
Auslassung im Bibeltext.
Vers 12: Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus.
Vers 13: Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?
Was der Text unmittelbar zeigt
1 Kor 1,10–13 zeigt unmittelbar, wie Paulus Parteiungen in der apostolischen Gemeinde zurückweist und die Frage nach der Teilung Christi stellt.
Paulus schreibt an die Gemeinde von Korinth, in der sich Parteiungen gebildet haben, und weist diese Parteiungen zurück. In diese Zurückweisung hinein stellt er die Frage: Ist Christus geteilt?
Die Frage führt die Einheit der Gemeinde unmittelbar mit Christus zusammen. Die Gemeinde sammelt sich um den einen Herrn; darum berührt ihre Aufteilung ihn selbst und bleibt für den Apostel eine Angelegenheit des Glaubens. Was hier bezeugt wird, ist damit umrissen: eine Gemeinde um Christus und eine Frage, die ihre Einheit an Christus selbst misst.
Auftrag zur Einheit Glaube und Überlieferung
Die Kirche liest die Frage des Apostels als Grundlage ihrer Lehre über die Einheit der Christen
Wie die Kirche diese Stellen liest.
Die Kirche liest den Befund aus Korinth als biblische Grundlage ihrer Lehre, dass die Spaltung der Christen dem Willen Christi entgegensteht, die Verkündigung des Evangeliums erschwert und die Einheit der Getauften verletzt. Das kirchliche Dokument zur Einheit der Christen, Unitatis redintegratio (UR), nennt die Spaltung in Nummer 1 einen Widerspruch zum Willen Christi, ein Ärgernis für die Welt und eine Beeinträchtigung der Verkündigung des Evangeliums. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) entfaltet diese Lehre unter den Nummern 817 bis 819.
Mit dieser Lehre verbindet die Kirche eine Unterscheidung, die für jeden Getauften gilt: Wer heute in einer getrennten Gemeinschaft geboren wird und in gutem Glauben lebt, den trifft die Schuld an der geschichtlichen Trennung nicht (KKK 818). Seine Taufe begründet eine brüderliche Verbundenheit, und die objektive Spaltung bleibt als Wunde in der Einheit der Christen bestehen. So steht beides vor Augen: die Wunde in der Einheit der Christen und der Bruder, dem die Kirche in jeder Gemeinschaft begegnet.
Konfessionen von heute Glaube und Überlieferung
Trifft die Kritik an den Korinther-Parteien die heutigen Konfessionen?
Wie weit reicht die Kritik des Apostels an den Parteien von Korinth in die Gemeinschaften der Gegenwart?
Die Gruppen in Korinth waren konkrete Parteien innerhalb einer apostolischen Gemeinde. Wer die heutigen Konfessionen eins zu eins mit ihnen gleichsetzt, überträgt einen einzelnen Fall auf eine andere geschichtliche Lage; die Kirche unterscheidet an dieser Stelle sorgfältig, weil sie beides ernst nimmt: die Parteienbildung, die der Apostel zurückweist, und die Gemeinschaften, in denen Christen heute ihren Glauben leben.
Der Grundgedanke des Textes trägt über die Situation von Korinth hinaus: Paulus weist eine Spaltung zurück, die sich innerhalb der Gemeinschaft um Christus bildet. Der Herr betet in Joh 17,20–23 um die Einheit seiner Jünger und verbindet diese Einheit mit ihrem Zeugnis; darum unterscheidet die Kirche zwischen der objektiven Trennung und der persönlichen Verantwortung derer, die in einer getrennten Gemeinschaft leben. Sie hält an der Lehre fest, dass die Spaltung dem Willen Christi entgegensteht, und begegnet jedem Getauften als Bruder: Die Taufe stiftet eine Verbundenheit, die über die bestehende Trennung hinausweist. So trägt die Kirche die Frage des Apostels in die eigene Zeit: Die Spaltung bleibt Wunde, der Getaufte bleibt Bruder.
Quellen zu dieser Frage 2
Kirche und Heil Glaube und Überlieferung
Heißt das, dass ein Nichtkatholik nicht gerettet werden kann?
Wer hört, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche verwirklicht ist und die Trennung eine Wunde bleibt, fragt nach dem Heil der getrennten Christen.
Die Kirche lehrt, gestützt auf Schrift und Überlieferung, dass die pilgernde Kirche zum Heil notwendig ist, weil Christus allein Mittler und Weg zum Heil ist und in seinem Leib, der Kirche, gegenwärtig wird (LG 14). Darum könnten jene nicht gerettet werden, „die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten“ (LG 14). Das Väterwort „außerhalb der Kirche kein Heil“ besagt positiv, dass alles Heil durch die Kirche, die sein Leib ist, von Christus, dem Haupt, herkommt (KKK 846).
Daraus folgt keine Verwerfung der getrennten Christen. Wer an Christus glaubt und recht getauft ist, steht in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche (UR 3; KKK 838), und der Geist Christi gebraucht die getrennten Kirchen und Gemeinschaften als Mittel des Heils, deren Kraft aus der Fülle stammt, die Christus der katholischen Kirche anvertraut hat (KKK 819). Auch wer das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aufrichtigen Herzens sucht und unter dem Einfluss der Gnade seinem Gewissen folgt, kann das ewige Heil erlangen (LG 16; KKK 847). Das Urteil von LG 14 trifft also den, der um die Heilsnotwendigkeit der Kirche weiß und sich ihr dennoch verweigert.
Gleichgültig wird die Zugehörigkeit zur Kirche dadurch nicht. Die ganze Fülle der Heilsmittel ist der katholischen Kirche anvertraut (UR 3; KKK 816), und auf ihr liegt die Notwendigkeit und zugleich das heilige Recht, allen Menschen das Evangelium zu verkünden (KKK 848). Die Spaltung bleibt darum eine Wunde, die die Kirche nicht für belanglos erklärt, und der getrennte Christ bleibt ein Bruder, dem sie den ganzen Reichtum des Glaubens anbietet.