Kirche und Einheit
Heilig und stets der Reinigung bedürftig
Die Heiligkeit der Kirche gründet in Christi Selbsthingabe und seinem reinigenden Werk. Lumen gentium 8 und Unitatis redintegratio 7 halten beides zusammen: Die Kirche ist heilig, und ihre Glieder bedürfen fortwährend der Reinigung, der Buße und der Erneuerung. Drei Schritte führen durch dieses Zeugnis — der Schrifttext, die Lehre der Kirche und die Folgerung für den Umgang mit der Schuld ihrer Glieder.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Hingabe für die Kirche Bibel und Textverständnis
Christus liebt die Kirche und gibt sich für sie hin
Epheser 5,25–27 bezeugt Christus als den, der die Kirche liebt und sich für sie hingibt, um sie zu heiligen und zu reinigen.
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!
Auszug aus Eph 5,25–26 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Eph 5,25–27 zeigt Christus in seiner Liebe zur Kirche und in seiner Hingabe, durch die er sie heiligt und reinigt.
Der Epheserbrief entfaltet diese Liebe als Hingabe: Christus gibt sich für die Kirche hin, und aus dieser Hingabe geht ihre Heiligung hervor. Die Kirche ist heilig, weil Christus sie heiligt. Ihr Heilsein hat seinen Ursprung in seiner Tat.
Zur Hingabe Christi gehört die Reinigung. Christus reinigt die Kirche, um sie zu heiligen, und führt sie so zu sich; sie empfängt ihre Heiligkeit immer neu aus seiner Hand. Der Blick ruht dabei auf seinem heilbringenden Handeln an ihr.
Heiligkeit und Reinigung Glaube und Überlieferung
Die Kirche ist heilig und bedarf der Reinigung, der Buße und der Erneuerung
Lumen gentium — „Das Licht der Völker“, abgekürzt LG — beschreibt in Nummer 8 die Kirche als heilig und zugleich als Gemeinschaft, die der Reinigung, Buße und Erneuerung bedarf, weil sie Sünder in sich schließt. So liest die Kirche die Stelle: Christi Hingabe trägt die Heiligkeit der Kirche, und die Umkehr ihrer Glieder gehört zu dieser Heiligkeit hinzu.
Die Heiligkeit der Kirche ist Gabe Christi und Aufgabe ihrer Glieder. Epheser 5,25–27 entfaltet beides: Christus gibt sich für die Kirche hin, er reinigt sie und heiligt sie, und aus dieser Hingabe geht ihre Heiligung hervor. Als Gabe kommt die Heiligkeit von Christus; als Aufgabe liegt sie den Gliedern ob, die in Buße und Erneuerung leben. Die Gabe geht der Aufgabe voraus und trägt sie.
Das Dekret Unitatis redintegratio — „Die Wiederherstellung der Einheit“, abgekürzt UR — zieht daraus in Nummer 7 eine konkrete Folgerung: Katholiken bekennen Sünden gegen die Einheit und bitten um Vergebung.
Quellen zu dieser Frage 3
Schuldige Glieder, heilige Kirche Glaube und Überlieferung
Die Heiligkeit der Kirche verlangt, eigene Schuld zu bekennen
Weil die Heiligkeit der Kirche aus Christi Hingabe kommt, braucht sie eigenes Unrecht nicht zu verdecken und die Verantwortung für historische Trennungen nicht abzuweisen.
Christi heiligendes Werk ist der Grund der Heiligkeit der Kirche, und zugleich umfasst die Kirche Sünder in ihrem Schoß und geht immerfort den Weg der Buße und Erneuerung (LG 8). Deshalb ruft Unitatis redintegratio 7 Katholiken dazu auf, Sünden gegen die Einheit zu bekennen und um Vergebung zu bitten.
Jedes konkrete Unrecht behält dabei seinen Ernst. Die Sünde eines Gliedes bleibt dessen Schuld; wo institutionelle Verantwortung zu prüfen ist, geschieht das in den zuständigen kirchlichen Verfahren und in der geschichtswissenschaftlichen Arbeit an den Quellen. Die Wahrheit der kirchlichen Lehre und die sakramentale Ordnung haben ihren Grund in Christus, der die Kirche liebt und sich für sie hingibt. So zeigt sich: Die Heiligkeit der Kirche kommt von Christus und schließt die Umkehr ihrer Glieder ein. Wie die Kirche trotz schwerer Sünden ihrer Glieder heilig heißt, beantwortet der Schritt „Heiligkeit aus Christus“ bei den vier Kennzeichen der Kirche; im Unterthema über die Einheit folgt nun die Frage, wie Einheit und Wahrheit zusammengehören.