Einheit der Kirche
Der eine Glaube bindet, die Andachtsform wählt der Gläubige
Epheser 4 zählt den einen Glauben zu den Grundlagen, die die Einheit der Kirche tragen. Wer diesen Weg geht, fragt zu Recht, was er mitbringt: den gemeinsamen Glauben der Kirche — und wie viel von der persönlichen Gestalt des Betens dazugehört. Drei Schritte führen durch die Frage: die Schriftstelle, die Lehre der Kirche, der Einwand.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Der eine Glaube Bibel und Textverständnis
Epheser 4 zählt den einen Glauben zu den Grundlagen der Einheit
Der Epheserbrief benennt, was die Gemeinschaft der Kirche trägt.
Auszug aus Eph 4,5–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 5: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
Vers 6: ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus zählt den einen Glauben zu den Wirklichkeiten, die die Einheit der Kirche tragen: ein Leib, ein Geist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.
Unter den Wirklichkeiten, die die Einheit der Kirche tragen, nennt Paulus den einen Glauben, neben dem einen Leib, dem einen Herrn und der einen Taufe; das Band, durch das die Gemeinde die Einheit des Geistes wahrt, ist der Frieden (Eph 4,3–5). Der eine Glaube ist das, was die Glieder des einen Leibes zusammenhält: Wer zu dieser Gemeinschaft gehört, bekennt denselben Glauben und teilt ihn mit den anderen, die denselben Weg gehen.
Volle Gemeinschaft ruht damit auf einem gemeinsamen verbindlichen Glauben. Welche Andachtsform ein Gläubiger wählt, steht ihm frei.
Lehre und persönliche Andacht Glaube und Überlieferung
Die Lehre bindet den Glauben; die Wahl der einzelnen Andachtsform ist frei
Katechismus und Marialis cultus zeigen, wie verbindliche Lehre und persönliche Andacht zueinander stehen.
Verbindlich sind der Glaube, den die Kirche lehrt, und ihre Liturgie mit den Sakramenten. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) nennt unter den Frömmigkeitsformen unter anderem Wallfahrten, Prozessionen, den Rosenkranz, Medaillen und die Verehrung von Reliquien (KKK 1674–1676). Solche Formen können das Glaubensleben prägen; sie setzen das liturgische Leben der Kirche fort, ohne es zu ersetzen, stimmen mit der Liturgie zusammen und führen zu ihr hin; ihre Feier untersteht der Obhut und dem Urteil der Bischöfe (KKK 1675–1676). Die Wahl der Andachtsform ist frei; verpflichtend bleiben der Glaube und die sakramentalen Vollzüge der Kirche. Marialis cultus, das kirchliche Schreiben über die Verehrung der Gottesmutter, beschreibt den Rosenkranz als biblisch und christologisch geprägte Gebetsform und bestätigt in Nummer 55 die innere Freiheit des Gläubigen gegenüber dem Rosenkranz als konkreter Andachtsform. Privatoffenbarungen gehören zur persönlichen Frömmigkeit; das Glaubensgut ist in Christus abgeschlossen (KKK 66–67).
Aus dem Zeugnis des Epheserbriefs folgt diese Unterscheidung: Der eine Glaube bindet die Glieder des Leibes, während die Gestalt des persönlichen Betens bei jedem Gläubigen ihre eigene Form annimmt. Die Wahl der Andachtsform ist frei; verpflichtend ist der Glaube der Kirche. So kann ein Katholik den Rosenkranz selten beten und dennoch die Fürsprache der Heiligen bejahen. Ein anderer kann auf eine Messintention — eine Messe, die für ein bestimmtes Anliegen oder eine Person dargebracht wird — verzichten und dennoch für die Verstorbenen beten. Diese Freiheit betrifft die persönliche Gestalt des Gebets; die verbindliche Lehre der Kirche bleibt in Kraft: die Gemeinschaft der Heiligen, die marianische Lehre, das Gebet für die Verstorbenen und jede andere verpflichtende Glaubenswahrheit. Die Praxis zeigt, was jemand tut; die Lehre klärt, was die Kirche von dieser Praxis lehrt.
Glaube und kulturelle Formen Glaube und Überlieferung
Verlangt der Weg zur katholischen Kirche ein ganzes kulturelles Paket?
Marienverehrung und Heiligenverehrung, Rosenkranz, Wallfahrten und Messintentionen für Verstorbene können dem Suchenden fremd bleiben.
Der Einwand hat ein konkretes Bild vor Augen: einen Weg, an den Marienverehrung und Heiligenverehrung, der Rosenkranz, Wallfahrten und Messintentionen für Verstorbene gebunden scheinen. Für jemanden, dem diese Formen fremd sind, wirkt der Schritt deshalb schnell wie die Übernahme eines ganzen kulturellen Pakets.
Eine bestimmte Frömmigkeitspraxis und die Lehre, auf der sie beruht, sind zwei verschiedene Fragen. Die Wahl der Andachtsform ist frei; verpflichtend ist der Glaube der Kirche. Wer auf den Rosenkranz verzichtet, lässt die Fürsprache der Heiligen als Lehre der Kirche bestehen; diese Lehre ist in der Gemeinschaft der Heiligen verankert und hat ihren Ort in der Überlieferung der Kirche (Lumen gentium 48–49). Ebenso ist es etwas anderes, keine Messintention zu bestellen, als das Gebet für die Verstorbenen oder die Läuterung nach dem Tod abzulehnen — die Reinigung, die der Katechismus unter den Nummern 1030–1032 lehrt. Wer eine Privatoffenbarung nicht annimmt, bleibt bei der Lehre der Kirche: Das Glaubensgut ist in Christus abgeschlossen (KKK 66–67), und Privatoffenbarungen gehören zur persönlichen Frömmigkeit. Die Lehre ist unabhängig von kultureller Vertrautheit und Vorliebe zu prüfen. Der gemeinsame Glaube trägt also die Einheit der Kirche, und die persönliche Gestalt der Andacht liegt bei jedem Einzelnen. Wer diesen Unterschied kennt, kann den Weg in die Kirche gehen, ohne eine fremde Frömmigkeitswelt als Paket übernehmen zu müssen; die Lehre, auf der die Andachten ruhen, ist an ihr selbst zu prüfen.