Fels und Schlüssel
Der Fels und die Schlüssel des Himmelreichs
Jesus spricht Simon persönlich an, nennt ihn Petrus, kündigt an, seine Kirche auf diesem Felsen zu bauen, und verheißt ihm die Schlüssel des Himmelreichs samt der Vollmacht zu binden und zu lösen. Auf diese Verheißung gründet die Kirche ihre verbindliche Lehre vom Petrusdienst.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

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Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Fels und Schlüssel Bibel und Textverständnis
Jesus nennt Simon Petrus den Felsen und verheißt ihm die Schlüssel des Himmelreichs
Zwei aufeinanderfolgende Verse sprechen von einem Namen, einem Bau, Schlüsseln und einer Vollmacht.
Auszug aus Mt 16,18–19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Vers 19: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
Was der Text unmittelbar zeigt
Jesus gibt Simon den Namen Petrus, kündigt an, auf diesem Felsen seine Kirche zu bauen, und verheißt ihm die Schlüssel des Himmelreichs sowie die Vollmacht zu binden und zu lösen.
Jesus spricht Simon Petrus selig, nennt ihn Petrus und kündigt an, seine Kirche auf diesem Felsen zu bauen. Unmittelbar anschließend verheißt er ihm die Schlüssel des Himmelreichs sowie die Vollmacht zu binden und zu lösen. Der Text bezeugt damit eine persönliche Anrede, eine Namensgebung, den angekündigten Bau der Kirche und die Verheißung der Schlüssel in einem einzigen Zusammenhang.
Die persönliche Anrede, die Namensgebung, der angekündigte Kirchenbau und die Schlüsselverheißung verbinden Petrus mit einem besonderen Dienst am sichtbaren Aufbau und an der verbindlichen Ordnung der Kirche. Matthäus legt damit einen biblischen Grund für einen herausgehobenen Petrusdienst innerhalb des apostolischen Kreises. Was die Stelle unmittelbar zeigt, ist die besondere Stellung des Petrus im Apostelkreis; die Schlüssel und die Vollmacht sind ihm persönlich zugesagt. Seine späteren geschichtlichen Formen entfaltet die Kirche im Zusammenhang der gesamten Schrift und der apostolischen Überlieferung.
Einsetzung des Petrusdienstes Glaube und Überlieferung
Christus hat allein Simon zum Fels und Schlüsselträger der Kirche bestellt
Die Verheißung an Petrus ist der erste biblische Grund einer Lehre, die die Kirche als Glaubenssatz bekennt.
Die Kirche lehrt verbindlich, dass Christus selbst Petrus mit dieser Verheißung zum Fels und Schlüsselträger seiner Kirche bestimmt hat. Das Erste Vatikanische Konzil hat 1870 als Glaubenssatz definiert, dass Petrus von Christus zum Ersten der Apostel und zum sichtbaren Haupt der ganzen Kirche eingesetzt wurde und von ihm unmittelbar einen Vorrang wirklicher Leitungsvollmacht empfangen hat, nicht bloß einen Ehrenvorrang. Das Zweite Vatikanische Konzil hat diese Lehre allen Gläubigen erneut fest zu glauben vorgelegt (LG 18). Matthäus 16 ist ihr erster biblischer Grund.
Die Verheißung gilt einer Kirche, die von den Pforten der Unterwelt nicht überwältigt wird. Weil der Fels einer bleibenden Kirche dient, muss auch der Dienst bleiben, den Christus in Petrus gegründet hat. Aus diesem Grund lehrt das Erste Vatikanische Konzil, dass Petrus nach der Einsetzung Christi fortdauernde Nachfolger im Primat hat und dass der Bischof von Rom sein Nachfolger ist. Wie dieser Dienst in Rom weitergegeben wurde, zeigen die geschichtlichen Zeugnisse; die Bedingungen der Unfehlbarkeit hat das Konzil 1870 genau bestimmt.
Der Fels als Bekenntnis Glaube und Überlieferung
Kann der Fels auch das Bekenntnis des Petrus oder Christus selbst meinen?
Der Einwand beruft sich auf Christus als einzigen Grund der Kirche und auf Matthäus 18,18, wo Jesus die Vollmacht zu binden und zu lösen auch anderen zusagt.
Der Einwand stützt sich auf ernsthafte Gründe: Paulus nennt Christus den einzigen Grund, den niemand ersetzen kann (1 Kor 3,11), und im griechischen Text steht neben dem Namen Πέτρος (Pétros) das Wort πέτρα (pétra). Darum meine der Fels das Bekenntnis des Petrus oder Christus selbst. Zudem gelte die Vollmacht zu binden und zu lösen nach Matthäus 18,18 auch der Gemeinde. Daraus lasse sich, so der Einwand, kein besonderer, fortdauernder Dienst des Petrus ableiten.
Derselbe Paulus, der Christus den einzigen Grund nennt, sagt auch, die Kirche sei auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut, und der Eckstein sei Christus Jesus selbst (Eph 2,20): Christus als Grund schließt einen von ihm eingesetzten, abgeleiteten Fels nicht aus. Johannes übersetzt den Namen, den Jesus Simon gibt, ausdrücklich: Kephas, das bedeutet „Petrus, Fels“ (Joh 1,42). Die persönliche Beauftragung ist unübersehbar: In Matthäus 16,18–19 spricht Jesus ihn durchgehend an, „Du bist Petrus“, „dir“ die Schlüssel. Die Kirche hält darum zusammen, was der Einwand trennt: Christus, der lebendige Stein, baut seine Kirche auf Petrus, und Petrus bleibt Fels auf dem Grund des Glaubens, den er bekannt hat (KKK 424; 552; 881).
Auch Matthäus 18,18 steht dazu nicht im Gegensatz. Das Binden und Lösen, das Jesus dort den Jüngern zusagt (Mt 18,1), ist nach der Lehre der Kirche Petrus gegeben und auch dem mit ihm als Haupt verbundenen Apostelkollegium zugeteilt (LG 22; KKK 881); die Schlüssel aber hat Christus ausdrücklich nur Petrus übergeben (KKK 553). Darum begründet die Stelle beides: die gemeinsame Verantwortung der Apostel und ihrer Nachfolger und den besonderen Dienst dessen, der den Kreis als Haupt zusammenhält. Was die Schlüssel bedeuten, erschließt das Schlüsselamt am Haus Davids.