Petrusdienst und apostolische Weitergabe
Der Petrusdienst steht in der Weitergabe apostolischer Ämter
Apostelgeschichte 1 erzählt, wie der Kreis der Zwölf nach dem Ausscheiden des Judas wieder vollständig wird: zwei Männer werden vorgeschlagen, es wird gebetet, und das Los fällt auf Matthias. Die Kirche liest in dieser Szene das Prinzip, dass apostolischer Dienst über den Tod eines einzelnen Trägers hinaus geordnet weitergegeben wird. Der erste Clemensbrief bezeugt diese geordnete Weitergabe kirchlicher Ämter; die Verbindung mit dem Petrusdienst und mit der römischen Kirche bezeugt die spätere apostolische Überlieferung.
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Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Ergänzung des Zwölferkreises Bibel und Textverständnis
Der Apostelkreis wird nach dem Ausfall des Judas wieder ergänzt
Apostelgeschichte 1,20–26 schildert die Nachbesetzung im Zwölferkreis, also in der von Jesus berufenen Gruppe der zwölf Apostel. Petrus spricht im Kreis der Brüder über die Erfüllung der Schrift, zwei Männer werden vorgeschlagen, es wird gebetet, und das Los fällt auf Matthias.
Sein Amt soll ein anderer erhalten!
Auszug aus Apg 1,20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Apostel beziehen die Schrift auf das verwaiste Aufsichtsamt des Judas und bestimmen Matthias zum Apostel.
Erzählt wird ein Vorgang, der den Dienst selbst betrifft: Nach dem Ausscheiden des Judas bleibt eine Lücke im Zwölferkreis, und diese Lücke wird gefüllt. Vorschlag, Gebet und Bestimmung durch das Los – ein Verfahren, bei dem die Entscheidung durch ein Zeichen fällt – ergeben einen geordneten Weg, auf dem der Kreis wieder vollständig wird.
Vor Augen tritt damit, dass der apostolische Dienst als geordnete Sendung über den Ausfall eines einzelnen Trägers hinaus fortbesteht. Die Szene zeigt die Ergänzung des Zwölferkreises; Petrus behält seinen Platz im Kreis, und die Verbindung mit Rom führt der weitere Gang der Überlieferung heran.
Weitergabe des Aposteldienstes Glaube und Überlieferung
Die Kirche versteht die Nachfolge der Apostel als wirkliche Weitergabe eines kirchlichen Dienstes
Mit „apostolisch“ ist die Verantwortung gemeint, die von den von Jesus berufenen Aposteln ausgeht. Die Kirche versteht die Nachfolge der Apostel als wirkliche Weitergabe eines kirchlichen Dienstes; Apostelgeschichte 1 trägt dafür das Prinzip geordneter Kontinuität im Zwölferkreis.
Was die Apostel empfangen haben, wird an neue Träger weitergegeben, und der Dienst bleibt so über die erste Generation hinaus erhalten. Die Kirche versteht auch den Petrusdienst als eine solche bleibende kirchliche Sendung. Die Nachbesetzung im Zwölferkreis zeigt den geordneten Weg, auf dem diese Weitergabe geschieht: Auswahl, Gebet und Entscheidung gehören zusammen.
Der erste Clemensbrief, ein frühes kirchliches Schreiben, begründet die geordnete Weitergabe kirchlicher Ämter (1 Clem 42–44). Die Nachbesetzung des Zwölferamts zeigt diesen Weg an seinem Ursprung; die Verbindung dieses Prinzips mit dem Petrusdienst und mit der römischen Kirche bezeugt die spätere apostolische Überlieferung.
Quellen zu dieser Frage 1
Matthias und die Nachfolge Glaube und Überlieferung
Matthias ersetzt Judas, nicht Petrus: Was trägt die Szene für die Nachfolge im Petrusamt?
Matthias ersetzt Judas, nicht Petrus, und das Losverfahren begründet keine Papstnachfolge. Die Szene betrifft eine konkrete Lücke im Zwölferkreis: Petrus wird nicht ersetzt, und Rom kommt nicht vor.
Matthias tritt an die Stelle des Judas, und gerade darin zeigt die Szene, dass ein Amt im Apostelkreis auf einen Nachfolger übergehen kann: „Sein Amt soll ein anderer erhalten“ (Apg 1,20). Dass gerade das Amt des Petrus fortdauern muss, folgt aus seinem Zweck: Christus hat es als Fundament einer Kirche gegeben, die von den Pforten der Unterwelt nicht überwältigt wird (Mt 16,18), und was er zum bleibenden Heil der Kirche eingesetzt hat, muss in ihr fortdauern (Erstes Vatikanisches Konzil, Pastor aeternus, Kap. 2). Darum lehrt die Kirche, dass das Amt, das der Herr in einzigartiger Weise Petrus gewährt hat, seinen Nachfolgern übertragen werden sollte, wie auch das Amt der Apostel fortdauert, die Kirche zu weiden (LG 20; KKK 862).
Schon der erste Clemensbrief bezeugt, dass die Apostel eine Nachfolge anordneten: „andere erprobte Männer“ sollten den Dienst übernehmen (1 Clem 44,2). Irenäus kennt in Rom eine Bischofsfolge, die bei den Aposteln beginnt.