Geschichte
Römische Verantwortung reicht über den Ehrenvorrang hinaus
In der alten Kirche erscheint Rom als Ort, an den sich Gemeinden in Streitfragen wenden. Daraus erwächst die Frage, was dieser Vorrang, der Primat, tatsächlich umfasst: eine Präzedenz der Ehre oder eine bleibende Verantwortung für die ganze Kirche. Die Geschichte dieser Verantwortung kennt Zustimmung und Widerspruch, und beide gehören zur Überlieferung.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

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Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Amt und Amtsträger Bibel und Textverständnis
Am Schlüssel des Hauses David wird ein Amt sichtbar, das über den Amtsträger hinausreicht
Die angeführte Stelle handelt von einem Schlüssel, der einem Mann im Haus Davids übergeben wird.
Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen. Er wird öffnen und niemand ist da, der schließt; er wird schließen und niemand ist da, der öffnet.
Auszug aus Jes 22,20–22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der davidische Hausverwalter erhält einen Schlüssel und eine verantwortliche Amtsgewalt für das Haus.
Wer diesen Schlüssel trägt, öffnet und schließt, und die Verantwortung, die ihm übertragen wird, hängt an einem Amt. Die Stelle bezeugt damit eine Vollmacht, die größer ist als die Person, der sie zufällt, und die nach dem Amtsträger weiter ausgeübt wird. Was am Haus Davids sichtbar wird, ist eine dauerhafte Aufgabe, die in einer bestimmten Ordnung verortet ist.
Der Schlüssel wird im Bild des Hauses David übergeben; der Name Roms und die Entwicklung der Kirche Roms gehören den späteren Zeugnissen an.
Der römische Vorrang Glaube und Überlieferung
Die Kirche versteht den römischen Vorrang als geschichtlichen Ort des Petrusdienstes
Die Kirche liest die Verheißung des Schlüssels zusammen mit dem Zeugnis von Petrus.
Die Kirche versteht den römischen Vorrang als den Ort, an dem der Petrusdienst in der von Petrus und Paulus geprägten Kirche Roms fortdauert. Sie stützt sich auf das Zusammenspiel von Petruszeugnis, apostolischer Sukzession, das heißt der Weitergabe des apostolischen Dienstes in der Reihe der Amtsträger, und römischer Rezeption. Das Erste Vatikanische Konzil hat den Inhalt dieses Vorrangs 1870 verbindlich bestimmt: Der Bischof von Rom besitzt volle und höchste Leitungsgewalt über die ganze Kirche; sie ist ordentlich und unmittelbar, erreicht also jede Kirche, jeden Hirten und jeden Gläubigen, in Fragen des Glaubens und der Sitten ebenso wie in Disziplin und Leitung (Pastor aeternus, Kap. 3; LG 22; KKK 882). Die Vollmacht der Bischöfe hebt er damit nicht auf, sondern bestärkt und schützt sie. Hinzu kommt die Unfehlbarkeit des Papstes, die genau umgrenzte Fälle endgültiger Lehrentscheidung betrifft; verbindlich ist päpstliche Lehre auch darüber hinaus, denn dem authentischen Lehramt des Papstes schulden die Gläubigen religiösen Gehorsam des Willens und des Verstandes, auch wenn er keine endgültige Entscheidung trifft (LG 25; KKK 892). In der alten Kirche zeigt sich der römische Vorrang vor allem darin, dass Gemeinden und Bischöfe sich in Streitfragen an Rom wenden und Rom für die Einheit im Glauben eintritt: Die Synode von Sardica kennt diesen Rückgriff in Streitfällen, und Leo verbindet mit seinem Amt die Sorge für alle Kirchen.
Konzil von Sardica
Zur Ehre des Gedenkens an den Apostel Petrus sollen diejenigen, die das Urteil gefällt haben, an Julius, den Bischof von Rom, schreiben, damit der Fall, wenn es nötig ist, von den Bischöfen der benachbarten Provinzen erneut verhandelt wird und er Schiedsrichter ernennt; wenn aber nicht gezeigt werden kann, dass sein Fall von solcher Art ist, dass er einen neuen Prozess erfordert, soll das einmal ergangene Urteil nicht aufgehoben werden, sondern wie zuvor bestehen bleiben.
Kanones von Sardica · Konzil von Sardica, Kanon 3 · Primärtext↗Sardica regelt allgemein, dass ein verurteilter Bischof sich an den Bischof von Rom wenden kann, und begründet das mit dem Gedenken an den Apostel Petrus.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Sardica bezeugt eine römische Appellationsrolle mit petrinischer Begründung.
Die Grenze: Sardica regelt die erneute Prüfung eines Bischofsurteils und verbindet sie mit dem Bischof von Rom; die volle Leitungsgewalt über die ganze Kirche hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Sardica regelt die erneute Prüfung eines Bischofsurteils und die Rolle des Bischofs von Rom.
Historischer Text
Wenn also ein Bischof in irgendeiner Sache verurteilt worden ist und seinen Fall nicht für schlecht, sondern für gut hält, soll die Frage, wenn es eurer Liebe gut erscheint, wieder aufgenommen werden. Zur Ehre des Gedenkens an den Apostel Petrus sollen diejenigen, die das Urteil gefällt haben, an Julius, den Bischof von Rom, schreiben, damit der Fall, wenn es nötig ist, von den Bischöfen der benachbarten Provinzen erneut verhandelt wird und er Schiedsrichter ernennt; wenn aber nicht gezeigt werden kann, dass sein Fall von solcher Art ist, dass er einen neuen Prozess erfordert, soll das einmal ergangene Urteil nicht aufgehoben werden, sondern wie zuvor bestehen bleiben.
Vollständigen historischen Text öffnen: Konzil von SardicaWarum diese Stelle wichtig ist
Der Text bezeugt eine mit Petrus begründete römische Berufungsfunktion, verbindet sie aber mit einem örtlichen Verfahren zur erneuten Verhandlung.
Leo der Große
Denn da meine Vorgänger gegenüber den euren so handelten, habe auch ich, Geliebter, ihrem Beispiel folgend, meine Vollmacht an dich übertragen, damit du, indem du unsere Milde nachahmst, uns bei der Sorge hilfst, die wir kraft göttlicher Einsetzung vor allem allen Kirchen schulden, und damit du bis zu einem gewissen Grad unsere persönliche Gegenwart ersetzt, indem du jene Provinzen besuchst, die von uns weit entfernt sind.
Brief 14 an Anastasius von Thessaloniki · Leo der Große, Epistula 14, 1 (um 446) · Primärtext↗Leo beschreibt einen Anspruch universaler Sorge kraft göttlicher Einsetzung und überträgt Vollmacht in einem Stellvertretungsverhältnis.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Leo bezeugt übertragene Vollmacht zur Unterstützung der Sorge, die kraft göttlicher Einsetzung allen Kirchen geschuldet wird.
Die Grenze: Leo begründet die Sorge für alle Kirchen mit göttlicher Einsetzung und übt sie in einem Stellvertretungsverhältnis aus; die rechtliche Fassung dieser Vollmacht für die ganze Kirche hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Leo beschreibt die von ihm delegierte Vollmacht des Anastasios von Thessaloniki im Rahmen einer Sorge für die Kirchen.
Historischer Text
Denn da meine Vorgänger gegenüber den euren so handelten, habe auch ich, Geliebter, ihrem Beispiel folgend, meine Vollmacht an dich übertragen, damit du, indem du unsere Milde nachahmst, uns bei der Sorge hilfst, die wir kraft göttlicher Einsetzung vor allem allen Kirchen schulden, und damit du bis zu einem gewissen Grad unsere persönliche Gegenwart ersetzt, indem du jene Provinzen besuchst, die von uns weit entfernt sind.
Vollständigen historischen Text öffnen: Leo der GroßeWarum diese Stelle wichtig ist
Der Text zeigt die Entwicklung eines römischen Anspruchs auf eine universale kirchliche Sorge, die durch delegierte Stellvertretung ausgeübt wird.
Zur Überlieferung gehört ebenso, dass verschiedene kirchliche Stimmen die Reichweite dieses Vorrangs unterschiedlich beurteilten. Cyprian schreibt über die Einheit der Kirche; im Streit um die Taufe von Häretikern widerspricht er in seinem Brief an Pompeius (Ep. 73) dem Schreiben des römischen Bischofs Stephanus, und Firmilian von Caesarea tut es in seinem Brief an Cyprian (Ep. 74) noch schärfer. Wie weit eine römische Entscheidung reicht, war in diesem Streit umstritten. In der Sache hat die Kirche später die Haltung Roms bestätigt: Die Taufe, die auch Häretiker im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in der Absicht spenden, zu tun, was die Kirche tut, ist gültig (Konzil von Trient, 7. Sitzung, Kanones über die Taufe, Kanon 4). Die Definitionen von 1870 sind eine spätere Klärung der apostolischen Überlieferung: Sie geben der früheren Praxis eine verbindliche Fassung und nehmen die Entwicklung und die historischen Konflikte ernst.
Cyprian von Karthago
Auf einen baut er die Kirche. Und obwohl er allen Aposteln nach seiner Auferstehung eine gleiche Vollmacht gibt und sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch: Empfangt den Heiligen Geist: Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; und wem immer ihr sie behaltet, dem sind sie behalten; so ordnete er doch, um die Einheit darzustellen, durch seine Vollmacht den Ursprung dieser Einheit an, die bei einem Einzigen beginnt. Gewiss, die übrigen Apostel waren auch dasselbe, was Petrus war, ausgestattet mit einer gleichartigen Teilhabe sowohl an Ehre als auch an Macht; aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als eine erwiesen werde.
Über die Einheit der Kirche (De unitate ecclesiae) · De unitate ecclesiae 4 · Primärtext↗Cyprian verbindet den Ursprung der Einheit bei einem Einzigen mit der Gleichheit der Apostel in Ehre und Vollmacht.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Cyprian bezeugt den Ursprung der Einheit bei einem Einzigen und die Gleichheit der Apostel in Ehre und Vollmacht.
Die Grenze: Cyprian denkt die Einheit vom einen Bischofsamt her, an dem alle Bischöfe teilhaben. Zugleich heißt es in einer zweiten überlieferten Fassung dieses Kapitels ausdrücklich, Petrus werde der Primat gegeben, damit eine Kirche und ein Lehrstuhl gezeigt würden, und in Brief 59,14 nennt Cyprian Rom „den Stuhl Petri und die Hauptkirche, von der die Einheit des Priestertums ausgegangen ist“. Wie weit eine Entscheidung des Bischofs von Rom die anderen Bischöfe bindet, hat er im Streit um die von Häretikern gespendete Taufe bestritten.
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Worum es hier geht
Cyprian verbindet Petrus, die Einheit der Kirche und die Gleichheit der Apostel.
Historischer Text
Der Herr spricht zu Petrus und sagt: Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; und was immer du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was immer du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein. Und wiederum sagt er nach seiner Auferstehung zu demselben: Weide meine Schafe. Auf einen baut er die Kirche. Und obwohl er allen Aposteln nach seiner Auferstehung eine gleiche Vollmacht gibt und sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch: Empfangt den Heiligen Geist: Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; und wem immer ihr sie behaltet, dem sind sie behalten; so ordnete er doch, um die Einheit darzustellen, durch seine Vollmacht den Ursprung dieser Einheit an, die bei einem Einzigen beginnt. Gewiss, die übrigen Apostel waren auch dasselbe, was Petrus war, ausgestattet mit einer gleichartigen Teilhabe sowohl an Ehre als auch an Macht; aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als eine erwiesen werde.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyprian von KarthagoWarum diese Stelle wichtig ist
Cyprian lässt die Einheit bei einem Einzigen beginnen, obwohl alle Apostel gleiche Ehre und Vollmacht empfangen. Wie beides zusammengehört, sagt Leo der Große: Unter den Aposteln war „bei der Ähnlichkeit ihrer Würde dennoch eine gewisse Verschiedenheit der Gewalt“, und nur einem war gegeben, „dass er über die Übrigen hervorragte“ (Brief 14,11).
Konzil von Chalcedon
Denn die Väter gewährten dem Sitz des alten Rom mit Recht Vorrechte, weil es die kaiserliche Stadt war. Und die einhundertfünfzig frommsten Bischöfe gaben, von derselben Erwägung bewegt, dem heiligsten Sitz des Neuen Rom gleiche Vorrechte, da sie zu Recht urteilten, dass die Stadt, die durch die Herrschaft und den Senat geehrt wird und gleiche Vorrechte wie das alte kaiserliche Rom genießt, auch in kirchlichen Angelegenheiten ebenso verherrlicht werden und unmittelbar nach ihm rangieren soll.
Konzil von Chalcedon · Konzil von Chalcedon, Kanon 28 (451) · Primärtext↗Kanon 28 begründet die Vorrechte des alten Rom mit seiner kaiserlichen Stellung und gewährt dem Neuen Rom aus derselben Erwägung gleiche Vorrechte.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Chalcedon führt die Vorrechte des alten Rom auf seine Stellung als Kaiserstadt zurück und gewährt dem Neuen Rom aus derselben Erwägung gleiche Vorrechte.
Die Grenze: Kanon 28 ordnet Konstantinopel unmittelbar nach Rom ein und begründet diese Rangfolge politisch; er bestreitet den Vorrang Roms nicht, gibt ihm aber einen anderen Grund als die Nachfolge Petri.
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Worum es hier geht
Kanon 28 behandelt die Vorrechte Roms und Konstantinopels innerhalb der kirchlichen Rangordnung.
Historischer Text
Indem wir in allem den Entscheidungen der heiligen Väter folgen und den Kanon anerkennen, der soeben verlesen wurde, nämlich den Kanon der einhundertfünfzig gottgeliebten Bischöfe, die sich in der kaiserlichen Stadt Konstantinopel, dem Neuen Rom, zur Zeit des Kaisers Theodosius seligen Andenkens versammelt hatten, bestimmen und beschließen auch wir dasselbe über die Vorrechte der heiligsten Kirche von Konstantinopel, dem Neuen Rom. Denn die Väter gewährten dem Sitz des alten Rom mit Recht Vorrechte, weil es die kaiserliche Stadt war. Und die einhundertfünfzig frommsten Bischöfe gaben, von derselben Erwägung bewegt, dem heiligsten Sitz des Neuen Rom gleiche Vorrechte, da sie zu Recht urteilten, dass die Stadt, die durch die Herrschaft und den Senat geehrt wird und gleiche Vorrechte wie das alte kaiserliche Rom genießt, auch in kirchlichen Angelegenheiten ebenso verherrlicht werden und unmittelbar nach ihm rangieren soll.
Vollständigen historischen Text öffnen: Konzil von ChalcedonWarum diese Stelle wichtig ist
Kanon 28 zeigt, dass im Osten der Rang der Bischofssitze auch mit der politischen Bedeutung der Städte begründet wurde. Rom hat diese Begründung nicht angenommen: Leo der Große verweigerte dem Kanon die Zustimmung und hielt an der Ordnung von Nizäa fest.
Quellen zu dieser Frage 7
- Pastor aeternus, Kap. 3Pastor aeternus, Erstes Vatikanisches Konzil ↗
- LG 22; 25Lumen gentium ↗
- KKK 882; 892Katechismus der Katholischen Kirche ↗
- De unitate ecclesiae 4–5Über die Einheit der Kirche (De unitate ecclesiae) ↗
- Ep. 73,1–11Brief 73 an Pompeius ↗
- Ep. 74,6–8.16–17Brief 74 des Firmilian ↗
- Kanones über die Taufe, Kanon 4Konzil von Trient, Sitzung VII ↗
Widerspruch gegen Rom Glaube und Überlieferung
Wie weit reichte der Vorrang, wo ihm widersprochen wurde?
Der Widerstand gegen Rom ist in der alten Kirche greifbar und wird als Beweis gegen einen universalen Vorrang angeführt.
Konflikte mit römischen Bischöfen und abweichende Entscheidungen von Konzilien zeigen, dass ein römischer Vorrang nicht überall als rechtlich bindend anerkannt wurde. Aus dieser Geschichte folgt nach dieser Auffassung kein universaler Primat, also kein die ganze Kirche rechtlich bindender Vorrang. Zudem trägt ein einzelnes Wort aus dem Buch Jesaja eine römische Entwicklung nicht.
Der historische Widerstand gehört zur Überlieferung und steht in dieser Darstellung neben den römischen Zeugnissen. Cyprian und Firmilian im Streit um die Ketzertaufe und der Kanon 28 von Chalcedon zeigen, dass die Reichweite des römischen Vorrangs umstritten war; Sardica kennt den Rückgriff auf den Bischof von Rom, und Leo der Große verbindet die Sorge für alle Kirchen mit seinem Amt. Die Konflikte betreffen Umfang und Form der Ausübung dieses Vorrangs; die Kirche unterscheidet davon die Sendung selbst, die Christus dem Petrusdienst gegeben hat, und auf deren Wesentliches sie nicht verzichtet (UUS 95). Auch die Konflikte setzen Rom als Bezugspunkt voraus: Man wandte sich an Rom oder stritt mit Rom, weil seine Entscheidung Gewicht hatte. Johannes Paul II. erinnert mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil daran, dass die Christen ein Jahrtausend hindurch verbunden waren, „wobei dem Römischen Stuhl mit allgemeiner Zustimmung eine Führungsrolle zukam, wenn Streitigkeiten über Glaube oder Disziplin unter ihnen entstanden“ (UUS 95; UR 14). Der katholische Schluss ruht auf dem Zusammenspiel von Petruszeugnis, apostolischer Sukzession, römischer Rezeption und späterer dogmatischer Klärung; das Bild vom Schlüssel des Hauses David ordnet sich als eines dieser Zeugnisse darin ein.