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Petrusamt

Petrus in der apostolischen Kirche

Nach Ostern tritt Petrus in der Kirche von Jerusalem hervor: Er spricht an Pfingsten vor der Menge und erhebt beim Apostelkonzil seine Stimme. Zugleich widerspricht ihm Paulus in Antiochia öffentlich. Wie passt beides zu einem besonderen Dienst des Petrus?

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein Amtsträger steht auf einem Felsen und hält einen großen Schlüssel; hinter ihm liegen eine Tür und ein kleiner Schlüssel im Morgenlicht.
PetrusKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Petrus im Apostelkreis Bibel und Textverständnis

Petrus tritt hervor, ohne allein zu entscheiden

Die angeführten Stellen zeigen Petrus als Initiativfigur, als öffentlichen Verkünder und als Stimme beim Apostelkonzil — und als Apostel, der korrigiert werden kann.

Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!

Auszug aus Apg 2,14 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Petrus tritt mit den Elf vor und verkündet am Pfingsttag öffentlich die Deutung des Geschehens.

Apg 2,14: Zusammenhang und Übersetzung

Die Apostelgeschichte zeigt Petrus als Initiator bei der Besetzung eines Apostelamtes, das frei geworden war, und als den, der an Pfingsten mit den Elf vor der versammelten Menge steht. In Apg 2,14 deutet er das Pfingstgeschehen öffentlich: Er legt vor allen aus, was die Menschen hören und sehen, und wird damit zur Stimme, die das Geschehen verständlich macht.

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Apostel und Älteste teilen ihren gemeinsamen Beschluss als Entscheidung des Heiligen Geistes mit; zuvor hatte Petrus dargelegt, wie Gott die Aufnahme der Heiden eröffnet hat (Apg 15,7–11).

Apg 15,1–29: Zusammenhang und Übersetzung

Als Kephas aber nach Antiochia gekommen war, habe ich ihm ins Angesicht widerstanden, weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte.

Auszug aus Gal 2,11 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus tritt Kephas öffentlich entgegen, weil dessen Verhalten gegenüber den Heiden nicht der Wahrheit des Evangeliums entspricht.

Gal 2,11–14: Zusammenhang und Übersetzung

In Apg 15 spricht Petrus beim Apostelkonzil, der Versammlung der Apostel und Ältesten in Jerusalem, darüber, dass Gott den Heiden, also den nichtjüdischen Völkern, den Weg geöffnet hat. Die Entscheidung fällt dieses Konzil gemeinsam; den praktischen Vorschlag formuliert Jakobus. Gal 2,11–14 fügt die andere Seite hinzu: Paulus widerspricht dem Verhalten des Kephas gegenüber den Heiden öffentlich und korrigiert ihn. Kephas ist der aramäische Name des Petrus.

Primat als Einheitsdienst Glaube und Überlieferung

Der Primat ist ein Dienst an der Einheit des Glaubens

Die Kirche liest diese Stellen als Hinweis auf eine besondere Verantwortung des Petrus, die in der Gemeinschaft der Apostel steht.

Aus dieser Abfolge liest die Kirche Petrus als eine herausragende Stimme innerhalb des Apostelkollegiums, das heißt innerhalb der Gemeinschaft der Apostel. Seine Rolle steht in der gemeinsamen Verantwortung der Apostel, und das gemeinsame Entscheiden der Apostel ersetzt sie nicht. Petrus gibt Orientierung; die Kollegialität, das gemeinsame Tragen der Verantwortung, gehört zu diesem Dienst hinzu.

Die Kirche versteht den Primat, also die Vorrangstellung des Petrus, als Dienst an der Einheit des apostolischen Glaubens. Dieser Dienst setzt keine persönliche Fehlerlosigkeit voraus und tritt nicht an die Stelle des Bischofskollegiums, der Gemeinschaft der Bischöfe. Er wird in der Gemeinschaft der Apostel ausgeübt, und das persönliche Verhalten des Petrus bleibt für brüderliche Korrektur offen. Die spätere Lehre über den Bischof von Rom präzisiert daher eine besondere Verantwortung innerhalb der Kirche, ohne Petrus aus dem apostolischen Kollegium herauszulösen.

Quellen zu dieser Frage 1

Der gemeinsame Beschluss Glaube und Überlieferung

Zeigt der gemeinsame Beschluss das Gegenteil?

Der Einwand nimmt zwei Beobachtungen ernst: das gemeinsame Beschließen beim Apostelkonzil und die öffentliche Korrektur des Petrus durch Paulus.

Apostelgeschichte 15 zeigt einen gemeinsamen Beschluss. Petrus entscheidet beim Konzil nicht allein, Jakobus formuliert den Vorschlag, und die Versammlung beschließt gemeinsam. In Galater 2 widerspricht Paulus dem Petrus öffentlich. Beides scheint gegen einen besonderen Vorrang des Petrus zu sprechen.

Die öffentliche Korrektur des Kephas lässt den Vorrang in seiner rechten Gestalt sichtbar werden: Der Streit betrifft die Lebensweise, während die Lehre des Glaubens unangetastet bleibt. Die Korrektur zeigt, dass Petrus im persönlichen Verhalten irren konnte; sein Amt übt er in der Gemeinschaft der Apostel aus, ohne dass diese Gemeinschaft seine Vollmacht ersetzt. Die Unfehlbarkeit, die die Kirche mit dem Lehramt verbindet, ist an den eng umgrenzten Lehrakt gebunden. Apg 15 bestätigt die gemeinsame apostolische Entscheidung, Gal 2,11–14 die Möglichkeit brüderlicher Korrektur. Gerade das Gewicht des Kephas wird in Antiochia sichtbar: Sein Verhalten reißt die anderen Judenchristen und sogar Barnabas mit (Gal 2,13), darum muss Paulus ihm öffentlich widerstehen. Beim Apostelkonzil erhebt sich Petrus, und nach seiner Rede schweigt die ganze Versammlung (Apg 15,7.12); beide Texte zeigen so eine Petrusstimme, die in der Gemeinschaft der Apostel Gewicht hat. Eine historische Sukzession in Rom, also eine Amtsnachfolge über die Generationen hinweg, bezeugt die spätere Überlieferung.

Quellen zu dieser Frage 1
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