Hirtendienst
Der auferstandene Christus überträgt Petrus den Hirtenauftrag für Lämmer und Schafe
Am Ende des Johannesevangeliums wendet sich der auferstandene Christus an Simon Petrus und fragt ihn dreimal nach seiner Liebe. Auf jede Antwort folgt ein Auftrag: die Lämmer und die Schafe des Herrn zu weiden und zu hüten.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die dreifache Frage Bibel und Textverständnis
Dreimal fragt der Auferstandene nach der Liebe, dreimal überträgt er Petrus die Sorge für die Herde
Der Bericht schildert eine Begegnung des auferstandenen Christus mit Simon Petrus, in der Frage und Auftrag dreimal wiederkehren.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! … Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! … Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Auszug aus Joh 21,15–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der auferstandene Jesus beauftragt Petrus dreimal, seine Lämmer und Schafe zu weiden.
Der auferstandene Christus wendet sich an Simon Petrus und fragt ihn dreimal, ob er ihn liebe. Auf jede dieser Fragen folgt ein Auftrag, und der Auftrag ergeht dreimal: die Lämmer zu weiden und die Schafe zu weiden und zu hüten. Der Wortlaut bindet den Auftrag an das Eigentum Christi — es sind seine Lämmer und seine Schafe, über die Petrus gestellt wird.
Die dreifache Frage und der dreifache Auftrag gehören zusammen. Sie verbinden die Wiederherstellung des gefallenen Jüngers mit einer umfassenden Sorge für die Herde: Dem dreimal ausgesprochenen Bekenntnis der Liebe entspricht die dreimal ausgesprochene Übergabe der Herde. So empfängt Petrus seine Leitungsverantwortung aus der Liebe zu Christus, und er übt sie als Dienst unter dem einen Hirten aus, dem die Herde gehört.
Sorge für die Herde Glaube und Überlieferung
Der Auferstandene überträgt Petrus die Hirtengewalt über seine ganze Herde
Die Kirche sieht in diesem Auftrag die Verleihung dessen, was Jesus in Matthäus 16 verheißen hatte.
Die Kirche lehrt, dass der Auferstandene mit diesem dreifachen Auftrag Petrus die Hirtengewalt über seine ganze Herde übertragen hat: Was Jesus in Mt 16,18–19 verheißen hatte, verleiht er hier (Erstes Vatikanisches Konzil, Pastor aeternus, Kap. 1; LG 22; KKK 553). Diese Vollmacht ist Leitung und zugleich Dienst: Die Herde bleibt Christi Eigentum, und Petrus empfängt sie aus der Liebe, nach der Jesus ihn dreimal fragt. Weil die Herde Christi bis zum Ende der Zeiten bleibt, bleibt auch der Hirtendienst, den er Petrus anvertraut; die Kirche lehrt, dass er im Bischof von Rom fortdauert. Johannes verwendet zwei griechische Verben: βόσκε (bóske, gesprochen „bos-ke“), „weide“, für das Nähren der Herde (V. 15 und 17), und ποίμαινε (poímaine, gesprochen „poi-mai-ne“), „hüte“ im Sinn von „leite als Hirte“ (V. 16). Die Einheitsübersetzung gibt beide mit „weide“ wieder. Zusammen umfassen sie das Nähren und das Leiten der Herde; entscheidend ist, dass der Auferstandene beides Petrus für seine ganze Herde aufträgt.
In dieser Sicht ist der Vorrang des Petrus Hirtengewalt unter Christus, die als Dienst an der Herde ausgeübt wird. Den biblischen Auftrag liefert die Szene selbst; wie dieser Dienst in Rom weitergegeben wurde, zeigen die geschichtlichen Zeugnisse.
Liebesdienst oder Vorrang Glaube und Überlieferung
Dienst der Liebe oder Vorrangstellung?
Gegen eine besondere Verantwortung des Petrus wird vorgebracht, die Szene handle allein von der persönlichen Wiederherstellung des Jüngers.
Der Einwand lautet: Der Auftrag zielt auf einen Dienst der Liebe. Die Szene handelt von der persönlichen Wiederherstellung des gefallenen Jüngers: Jesus fordert Liebe und Fürsorge. Aus diesen Zügen liest der Einwand eine allgemeine Aufforderung zum pastoralen Dienst; die besondere Stellung des Petrus ordnet er der späteren Überlieferung zu.
Der Auftrag ist tatsächlich Dienst und Wiederherstellung; darin benennt der Einwand einen wahren Zug der Szene. Gerade die ausdrückliche Zuordnung an Petrus und die Reichweite des Auftrags über die ganze Herde machen die Stelle zu einem besonderen Baustein der Petrusüberlieferung. Die Kirche versteht den Vorrang als Hirtenverantwortung unter Christus, ausgeübt an der Herde, die ihm gehört. Die Szene liefert den biblischen Auftrag; die spätere Überlieferung klärt seine geschichtliche Gestalt.