Apostolische Sendung und örtliche Leitung
Die Einsetzung der Ältesten
An mehreren Orten setzen Paulus und seine Mitarbeiter Älteste ein, und die Gemeinden erhalten eine geordnete Leitung. Waren diese Ältesten nur örtliche Organisatoren, oder empfingen sie einen Dienst, den die Apostel weitergaben?
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Einsetzung von Ältesten Bibel und Textverständnis
Paulus und seine Mitarbeiter setzen Älteste ein.
Die angeführten Stellen bezeugen, dass apostolische Mitarbeiter in den Gemeinden Älteste einsetzen.
Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.
Auszug aus Apg 14,23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus und Barnabas setzen in den Gemeinden Älteste ein.
Ich habe dich in Kreta deswegen zurückgelassen, damit du das, was noch zu tun ist, zu Ende führst und in den einzelnen Städten Älteste einsetzt, wie ich dir aufgetragen habe, wenn einer unbescholten und Mann einer einzigen Frau ist, mit gläubigen Kindern, die nicht unter dem Vorwurf der Liederlichkeit stehen oder ungehorsam sind.
Auszug aus Tit 1,5–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Titus soll in den einzelnen Städten Älteste einsetzen.
Paulus und seine Mitarbeiter setzen in den Gemeinden Älteste ein. An mehreren Orten erhalten die Gemeinden dadurch eine geordnete Leitung. Das Wort Ältester benennt einen Dienst der Leitung in einer örtlichen Gemeinde.
Die Einsetzung geschieht innerhalb der apostolischen Mission. Darin verbindet sich örtliche Verantwortung mit der übergreifenden Sendung der Kirche: Die Gemeinden werden nicht sich selbst überlassen, sondern in die Sendung hineingeordnet.
Geordneter Dienst der Ältesten Glaube und Überlieferung
Die eingesetzten Ältesten tragen einen Dienst, den die Apostel weitergeben
So lehrt die Kirche: In der Einsetzung von Ältesten liegt eine biblische Grundlage für einen geordneten Dienst, der dem gemeinsamen Priestertum aller Getauften dient.
Mit dem gemeinsamen Priestertum aller Getauften ist gemeint, dass alle Getauften Anteil am priesterlichen Dienst Christi haben. Das besondere geistliche Amt ist auf dieses gemeinsame Priestertum hingeordnet und dient ihm. Nach dem Katechismus ist es eines der Mittel, durch die Christus seine Kirche unablässig aufbaut und leitet; deshalb wird es durch ein eigenes Sakrament übertragen, das Sakrament der Weihe (KKK 1547).
Paulus und seine Mitarbeiter geben den Ältesten einen anvertrauten Dienst für die kirchliche Leitung. Die Kirche versteht die geordnete Einsetzung als Hinweis auf einen besonderen kirchlichen Dienst, der dem allgemeinen Priestertum aller Getauften dient. In der kirchlichen Gemeinschaft ist dieser Dienst damit dauerhaft verankert.
1 Clemens
Unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass es Streit um das Amt des Bischofs [ἐπισκοπή; episkopē, etwa: e-pi-sko-pe] geben würde. Deshalb setzten sie die bereits genannten Amtsträger ein und gaben später die Anweisung, dass nach ihrem Tod andere bewährte Männer ihren Dienst übernehmen sollten.
Erster Clemensbrief · 1 Clemens 42–44 · Primärtext↗Clemens bezeugt, dass die Apostel Amtsträger einsetzten und für die Zeit nach deren Tod die Übernahme ihres Dienstes durch andere bewährte Männer anordneten.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Die Apostel setzten Bischöfe und Diakone ein und ordneten an, dass nach deren Tod andere bewährte Männer ihren Dienst übernehmen; die Amtsnachfolge erscheint als apostolisches Prinzip.
Die Grenze: Eine namentliche Bischofsliste, wie sie Irenäus um 180 vorlegt, kennt Clemens noch nicht.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der Erste Clemensbrief reagiert als Schreiben der römischen Gemeinde an Korinth auf Streit und die Absetzung von Amtsträgern. Die Kapitel verbinden apostolische Einsetzung, kirchliche Zustimmung und Vorsorge für die Zeit nach dem Tod der ersten Amtsträger.
Historischer Text
Die Apostel verkündeten das Evangelium in Ländern und Städten und setzten dort nach Prüfung durch den Geist die Erstlinge ihres Dienstes als Bischöfe [ἐπισκόπους; episkopous, Grundform: episkopos, etwa: e-pi-sko-pus] und Diakone [διακόνους; diakonous, Grundform: diakonos, etwa: di-a-ko-nos] ein. […] Unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass es Streit um das Amt des Bischofs [ἐπισκοπή; episkopē, etwa: e-pi-sko-pe] geben würde. Deshalb setzten sie die bereits genannten Amtsträger ein und gaben später die Anweisung, dass nach ihrem Tod andere bewährte Männer ihren Dienst übernehmen sollten. Wir sind der Meinung, dass Amtsträger, die von ihnen oder später von anderen angesehenen Männern mit Zustimmung der ganzen Kirche eingesetzt wurden und die der Herde Christi untadelig, demütig und uneigennützig gedient haben, nicht ohne gerechten Grund aus dem Dienst entfernt werden dürfen.
Vollständigen historischen Text öffnen: 1 ClemensWarum diese Stelle wichtig ist
Der Brief zeigt sehr früh, dass apostolische Einsetzung und die geordnete Weitergabe eines kirchlichen Dienstes zusammengehören. Amtsträger werden geprüft, mit kirchlicher Zustimmung eingesetzt und nicht willkürlich entfernt.
Quellen zu dieser Frage 2
Älteste als lokale Organisatoren Glaube und Überlieferung
Sind Älteste nur lokale Organisatoren?
Der Einwand lautet, Älteste seien nur lokale Organisatoren ohne sakramentalen Auftrag. Sakramental meint hier: auf die Sakramente der Kirche bezogen.
Die angeführten Texte bezeugen einen geordneten Dienst. An mehreren Orten erhalten die Gemeinden eine Leitung, die ihnen anvertraut wird, und die Einsetzung geschieht im Zusammenhang der apostolischen Mission.
Die Texte selbst zeigen mehr als Organisation: Älteste beten über Kranke und salben sie im Namen des Herrn, und der Herr wird den Kranken aufrichten und ihm Sünden vergeben (Jak 5,14–15); der Heilige Geist hat die Ältesten von Ephesus bestellt, damit sie „als Hirten für die Kirche des Herrn“ sorgen (Apg 20,28), und sie widmen sich „dem Wort und der Lehre“ (1 Tim 5,17). In diesem Dienst an Wort, Sakrament und Leitung erkennt die Kirche den Presbyterat, dessen Träger sie „wirkliche Priester des Neuen Bundes“ nennt (LG 28). Die Frage nach der Übertragung und der Bindung des Dienstes führt zur Handauflegung: In ihr wird eine geistliche Gabe vermittelt.