SCRIPTURA PLENA

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Schrift und Tradition

Wortgottesdienst und Eucharistie bilden einen Kultakt

Die Messe besteht aus dem Wortgottesdienst, dem Teil, in dem die Heilige Schrift gelesen und ausgelegt wird, und der Eucharistischen Liturgie, der Feier des Herrenmahls. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt, dass beide zusammen einen einzigen Kultakt bilden, also einen einzigen Vollzug, in dem die Gemeinde Gott verehrt.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Eine offene Schriftrolle und eine Lichtflamme stehen zwischen drei Gestalten, die das Empfangene von einer zur nächsten weiterreichen.
Schrift & TraditionKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Lesung und Herrenmahl Bibel und Textverständnis

Die Schrift zeigt das gehörte Wort und das gebrochene Brot in einer Feier der Gemeinde

Paulus nennt die öffentliche Lesung seines Briefes und das Herrenmahl der Gemeinde; Lukas erzählt, wie der Auferstandene die Schrift auslegt und das Brot bricht und wie die Gemeinde in Troas zum Brotbrechen das Wort des Apostels hört.

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.

Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Gemeinde verkündet in der Eucharistie den Tod des Herrn und empfängt seinen Leib und sein Blut in einer gebotenen Feier.

1 Kor 11,26–29: Zusammenhang und Übersetzung

Im ersten Korintherbrief gibt Paulus an die Gemeinde weiter, was er vom Herrn empfangen hat. Er beschreibt die Feier des Mahles, zu der die Gemeinde zusammenkommt, und erinnert sie an die Überlieferung, die sie gehört hat. Das Mahl hat damit einen Wortzusammenhang: Die Gemeinde feiert es nicht beziehungslos, sondern aus der Botschaft, die ihr verkündet wurde und die sie weitergibt.

Ich beschwöre euch beim Herrn, diesen Brief allen Brüdern und Schwestern in der Gemeinde vorzulesen.

Auszug aus 1 Thess 5,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Der apostolische Brief soll der ganzen Gemeinde vorgelesen werden.

1 Thess 5,27: Zusammenhang und Übersetzung

Im ersten Thessalonicherbrief verlangt Paulus, dass sein Brief der ganzen Gemeinde vorgelesen wird. Der Brief ist also für die Versammlung bestimmt und wird in ihr hörbar; die Schrift erklingt vor den Versammelten, nicht in privater Lektüre. Beide Stellen zeigen damit dieselbe Gestalt: eine Gemeinde, die sich versammelt, das Wort hört und das Mahl des Herrn begeht. Die beiden Briefstellen bezeugen die Versammlung, in der Wort und Mahl ihren Ort haben; wie beide in einer Feier zusammengehören, erzählt Lukas.

Vers 27: Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

Auslassung im Bibeltext.

Vers 30: Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.

Auszug aus Lk 24,27.30 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Der Auferstandene legt den Emmausjüngern die Schrift aus und bricht danach mit ihnen das Brot.

Lk 24,27.30: Zusammenhang und Übersetzung

Vers 7: Als wir am ersten Tag der Woche versammelt waren, um das Brot zu brechen, redete Paulus zu ihnen, denn er wollte am folgenden Tag abreisen; und er dehnte seine Rede bis Mitternacht aus.

Auslassung im Bibeltext.

Vers 11: Dann stieg er wieder hinauf, brach das Brot und aß und redete mit ihnen bis zum Morgengrauen.

Auszug aus Apg 20,7.11 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Gemeinde in Troas versammelt sich am ersten Tag der Woche, um das Brot zu brechen; Paulus redet zu ihr und bricht das Brot.

Apg 20,7.11: Zusammenhang und Übersetzung

Auf dem Weg nach Emmaus legt der Auferstandene den Jüngern aus, was in der ganzen Schrift über ihn geschrieben steht; am Ziel setzt er sich mit ihnen zu Tisch, nimmt das Brot, spricht den Lobpreis, bricht es und gibt es ihnen (Lk 24,27.30). Auslegung und Brotbrechen gehören zu derselben Begegnung, und die Jünger erzählen danach, wie sie ihn erkannt hatten, „als er das Brot brach“ (Lk 24,35). In Troas ist die Gemeinde am ersten Tag der Woche versammelt, „um das Brot zu brechen“; Paulus redet zu ihr bis Mitternacht, bricht dann das Brot und redet weiter bis zum Morgengrauen (Apg 20,7.11). In beiden Szenen stehen das ausgelegte Wort und das gebrochene Brot in einer Feier; in Troas feiert sie die ganze Gemeinde, die am ersten Tag der Woche zusammenkommt.

Ein einziger Kultakt Glaube und Überlieferung

Das Konzil lehrt: Wortgottesdienst und Eucharistiefeier gehören zu einem einzigen Kultakt

Das Zweite Vatikanische Konzil und der Katechismus der Katholischen Kirche beschreiben Wortgottesdienst und Eucharistiefeier als zwei Teile eines einzigen Vollzugs.

Die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung, Dei Verbum (abgekürzt DV), sagt in ihrer Nummer 21, die Kirche habe die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, und sie reiche den Gläubigen das Brot des Lebens vom Tisch des Wortes Gottes und vom Tisch des Leibes Christi. Die Liturgiekonstitution desselben Konzils, Sacrosanctum Concilium (SC 56), bezeichnet Wortgottesdienst und Eucharistiefeier als einen einzigen Kultakt. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) übernimmt diese Formulierung (KKK 1346) und gibt Justins Bericht über die sonntägliche Feier wieder (KKK 1345). Den Ablauf der Messe vergleicht er mit dem österlichen Mahl in Emmaus: Während die Jünger des Weges gingen, erklärte Jesus ihnen die Schrift und setzte sich dann mit ihnen zu Tisch (KKK 1347).

Für die angeführten Stellen bedeutet das: Im Wort spricht Christus seine Gemeinde an, in der Eucharistie vollzieht die Gemeinde die Danksagung und empfängt den Leib Christi. Dei Verbum nennt beide Tische gemeinsam als Quelle des Lebens und stellt sie damit nebeneinander, statt den einen gegen den anderen zu stellen. Die Schriftlesung ist nach dieser Lehre ein wesentlicher Teil des Kultaktes, in dem Christus seine Gemeinde sammelt, belehrt und zur Danksagung führt. Offen ist noch, ob diese Einheit von Anfang an bestand oder erst später hergestellt wurde.

Quellen zu dieser Frage 4

Spätere Konstruktion Glaube und Überlieferung

Ist die Verbindung von Lesungen und Eucharistie eine spätere Konstruktion?

Der Einwand fragt, ob erst die Kirche nachträglich zusammengefügt hat, was ursprünglich getrennt war.

Die beiden Briefstellen zeigen Lesung und Herrenmahl je für sich: 1 Kor 11 handelt vom Herrenmahl ohne Schriftlesung, 1 Thess 5,27 vom Vorlesen eines Briefes ohne Bezug zum Mahl. Dann könnte die Verbindung beider Teile zu einer einzigen Feier erst später von der Kirche hergestellt worden sein.

Lukas erzählt beides schon in einer Begegnung und in einer Versammlung der Gemeinde (Lk 24,27.30; Apg 20,7.11). Justin der Märtyrer schildert um das Jahr 155 die sonntägliche Versammlung: Lesungen, eine Ermahnung, das gemeinsame Gebet und anschließend die Danksagung über Brot, Wein und Wasser, an einem Ort und in einem Ablauf (vgl. KKK 1345). Das Konzil und der Katechismus formulieren daraus präzise, was die Kirche überliefert erhalten hat: Die beiden Teile gehören zu einem einzigen Kultakt. Mit dieser Formulierung erheben sie keinen Anspruch auf eine Neuerung; sie beschreiben die überlieferte Struktur der Feier. Wort und Mahl bleiben aufeinander bezogen: Die Lesung führt zur Danksagung, und die Danksagung lebt von dem Wort, das gehört wurde.

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