Schrift und Kirche
Beschneidung und Taufe: wie die Verheißung die Kinder erreicht
Die Taufe der Kinder steht in einem Zusammenhang, den die Schrift selbst eröffnet. Paulus spricht von einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, und beschreibt die Taufe als Mitbegrabenwerden und Mitauferstehen mit Christus. Petrus sagt am Pfingsttag die Verheißung den Hörern und ihren Kindern zu.
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Beschneidung und Taufe Bibel und Textverständnis
Eine Beschneidung ohne Hände und das Mitbegrabenwerden mit Christus
Paulus nennt im Kolosserbrief eine von Gott vollzogene Beschneidung und stellt ihr die Taufe in ihrem eigenen christologischen Sinn zur Seite.
Auszug aus Kol 2,11–12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 11: In ihm habt ihr eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt, nämlich die Beschneidung, die Christus gegeben hat. Wer sie empfängt, sagt sich los von seinem vergänglichen Leib.
Vers 12: Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus verbindet die von Christus gegebene Beschneidung, die Taufe sowie das Begraben- und Auferwecktwerden mit Christus.
Im Kolosserbrief spricht Paulus von einer Beschneidung, die Gott selbst am Menschen vollzieht. Er nimmt damit das Zeichen auf, mit dem Israel dem Bund Gottes zugehörte, und zeigt es als Werk Gottes.
Im folgenden Vers beschreibt er die Taufe: mit Christus begraben zu werden und mit ihm aufzuerstehen. Die Taufe empfängt ihre Bedeutung aus dem Tod und der Auferstehung Christi; wer getauft wird, wird in dieses Geschehen hineingenommen.
Beschneidung und Taufe sind zwei Zeichen. Paulus verbindet sie in der einen Zugehörigkeit zu Gott, die er von Christus her versteht: Die Taufe gründet diese Zugehörigkeit in dem, was Christus getan hat. Wem diese Zugehörigkeit zugesagt ist, sagt Petrus am Pfingsttag.
Die Verheißung Bibel und Textverständnis
Die Verheißung gilt den Hörern und ihren Kindern
Am Pfingsttag verbindet Petrus Vergebung und Heiligen Geist mit der Zusage Gottes an seine Hörer und nennt ihre Kinder im selben Atemzug.
Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
Auszug aus Apg 2,39 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Petrus verbindet Taufe, Vergebung und Geistgabe mit einer Verheißung, die den Hörern, ihren Kindern und den Fernen gilt.
Auf die Predigt des Petrus hin fragen seine Hörer nach dem Weg. Petrus nennt ihnen die Vergebung der Sünden und den Heiligen Geist und weist sie auf die Taufe hin, in der beides zugesagt ist.
Dann weitet er den Blick. Die Verheißung gilt seinen Hörern und ihren Kindern: Gott sagt sich einer Generation zu und nimmt die nächste in dieselbe Zusage hinein.
Petrus spricht dabei in der Sprache des Bundes, den Gott mit Abraham geschlossen hat, „mit deinen Nachkommen nach dir, Generation um Generation“ (Gen 17,7), und weitet die Zusage auf alle in der Ferne, die der Herr herbeirufen wird. Die Verheißung bleibt Gottes Ruf, und dieser Ruf schließt die Kinder ausdrücklich ein; darin liegt das Gewicht dieses Verses für die Taufe der Kinder.
Der Zusammenhang Glaube und Überlieferung
Die Taufe führt die Zugehörigkeit zum Bund in Christus weiter
Die Kirche sieht in der Beschneidung ein Vorzeichen der Taufe: Die Beschneidung Jesu am achten Tag gliedert ihn in das Bundesvolk ein und weist auf die „Beschneidung, die Christus gegeben hat“, die Taufe (KKK 527; Kol 2,11–12). Zusammen mit den Haustaufen der Apostelgeschichte spricht dieser Zusammenhang für die Taufe der Kinder.
Israel gab das Zeichen der Zugehörigkeit zu Gottes Bund schon dem acht Tage alten Kind (Gen 17,12; Lk 2,21). Die Taufe ist nicht dasselbe Zeichen; die Kirche liest sie als die Gestalt, in der die Zugehörigkeit zum Bund in Christus weitergeht. Zwei verschiedene Zeichen sind so aufeinander bezogen in dem einen Bund, den Gott in Christus erfüllt.
In der Apostelgeschichte werden ganze Häuser getauft. Die Verheißung, die Petrus den Hörern und ihren Kindern zusagt, und diese Haustaufen gehören zusammen: Sie zeigen, dass die Taufe den Einzelnen mit seinem Umfeld und seiner Nachkommenschaft verbindet. Auf diesem Boden tauft die Kirche die Kinder.
Der Einwand Glaube und Überlieferung
Setzt die Taufe nicht den persönlichen Glauben voraus?
Die Taufe ist das Sakrament des Glaubens, und in der Apostelgeschichte werden Erwachsene getauft.
Der Einwand lautet: Die Taufe setzt den persönlichen Glauben des Täuflings voraus, und sie unterscheidet sich darin von der Beschneidung, die einem Kind zuteil wurde, lange bevor es glauben konnte. In der Apostelgeschichte werden Erwachsene getauft, die auf die Predigt hin umkehren und glauben; der Weg zur Taufe scheint damit über die persönliche Bekehrung zu führen.
Der Glaube gehört zur Taufe, und von jedem Erwachsenen, der getauft werden will, verlangt die Kirche ihn. Was sie verlangt, ist ein Anfang des Glaubens; Umkehr und Glaube sind der Weg, auf dem der Erwachsene zur Taufe kommt, und dieser Anfang darf wachsen.
Zugleich ruht die Kraft des Sakraments auf dem Heilshandeln Christi, und die Frucht, die ein Mensch daraus empfängt, wächst mit seiner Bereitschaft. Beides greift ineinander: Christus wirkt, und der Mensch empfängt. Darum tauft die Kirche ein Kind: Auch es bedarf der Wiedergeburt, weil es mit der Erbsünde zur Welt kommt (KKK 1250); die Kirche trägt es mit ihrem Glauben, und die Gnade erreicht es, bevor es sie versteht. Was die Beschneidung war und was die Taufe ist, bleibt dabei unterschieden, und in Christus liest die Kirche beide zusammen.
Die kirchliche Instruktion Pastoralis actio – eine lehramtliche Weisung zur Kindertaufe – legt diesen Weg ausführlich dar. Sie sieht in der Taufe des Kindes dessen Würde anerkannt und die vorausgehende Gabe Gottes am Werk. Zugleich sieht sie darin die Aufgabe, das Kind im Glauben zu erziehen und zu begleiten. Auf den Einwand, die Bekehrungsberichte der Apostelgeschichte verlangten von jedem Täufling zuerst das persönliche Bekenntnis, antwortet sie: Die Predigt der Apostel richtete sich gewöhnlich an Erwachsene; die Kindertaufe aber stützt sich auf „eine unvordenkliche Überlieferung apostolischen Ursprungs“, und die Taufe wird nie ohne Glauben gespendet, bei den Kindern ist es der Glaube der Kirche (Pastoralis actio 18).
Das Kind empfängt die neue Geburt als Geschenk, wächst im Glauben der Kirche heran und geht so von der empfangenen Gabe in den eigenen Glauben hinein.