Kindertaufe
Häuser werden getauft
Drei Berichte im Neuen Testament nennen Menschen, die mit ihrem Haus getauft werden: Lydia in Philippi, der Kerkermeister in derselben Nacht, das Haus des Stephanas, an das Paulus sich erinnert. Sie stehen dort, wo Menschen in die christliche Gemeinde aufgenommen werden. Was tragen diese Stellen für das Verständnis der Taufe — und wie weit reicht, was sie sagen?
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
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Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Berichte Bibel und Textverständnis
Drei Berichte nennen Menschen, die mit ihrem Haus getauft werden
Wer wird in diesen Berichten getauft: nur der Einzelne, der glaubt, oder mit ihm sein Haus?
Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, kommt in mein Haus und bleibt da.
Auszug aus Apg 16,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Lydia wird mit allen, die zu ihrem Haus gehören, getauft.
In Philippi wird Lydia mit ihrem Haus getauft (Apostelgeschichte 16,15). Der Bericht steht im Zusammenhang der Aufnahme in die christliche Gemeinde: Es kommt nicht ein Einzelner hinzu, sondern ein Haus.
Er nahm sie in jener Nachtstunde bei sich auf, wusch ihre Striemen und ließ sich sogleich mit allen seinen Angehörigen taufen.
Auszug aus Apg 16,33 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Gefängniswärter wird in derselben Nacht mit allen Angehörigen getauft.
In derselben Stadt, in derselben Nacht wird der Kerkermeister getauft, mit allen, die zu seinem Haus gehören (Apostelgeschichte 16,33). Die Taufe umfasst ihn und sein Haus.
Ich habe allerdings auch das Haus des Stephanas getauft. Ob ich sonst noch jemanden getauft habe, weiß ich nicht mehr.
Auszug aus 1 Kor 1,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus erinnert sich daran, auch das Haus des Stephanas getauft zu haben.
Paulus erinnert in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth daran, dass er das Haus des Stephanas getauft hat (1 Korinther 1,16). Auch diese Erinnerung nennt ein Haus.
Was sie zeigen Bibel und Textverständnis
Die Zugehörigkeit zu Christus erscheint in den Berichten als Sache des ganzen Hauses
Zusammengenommen sagen die drei Berichte mehr als jeder einzelne für sich.
In den drei Berichten zeigt sich, wie die Taufe beschrieben wird: Sie erfasst ein Haus. Was hier geschieht, umfasst mehr als die Entscheidung eines einzelnen Erwachsenen. Wo von getauften Häusern erzählt wird, wächst aus der Taufe eine Gemeinschaft.
Was die drei Berichte gemeinsam tragen, ist ein Grund, die Taufe auf das Haus zu beziehen: Getauft wird der Erwachsene, der glaubt, und mit ihm sein Haus. Die Apostel beschränken die Zugehörigkeit zu Christus also nicht auf die Entscheidung des Einzelnen; die Berichte sprechen vom Haus als Ganzem. Offen bleibt, wie der Weg des Erwachsenen und der Anfang des Kindes zusammengehalten werden.
Hören und Glauben im Haus Glaube und Überlieferung
Bestanden die getauften Häuser nicht aus Menschen, die selbst gehört und geglaubt hatten?
Dieselben Berichte schreiben dem ganzen Haus auch das Hören und das Glauben zu. Daraus schließen Gegner der Kindertaufe, die getauften Häuser hätten nur aus Menschen bestanden, die selbst gehört und geglaubt hatten.
In Philippi verkünden Paulus und Silas dem Gefängniswärter „und allen in seinem Haus das Wort des Herrn“ (Apg 16,32), und danach heißt es, er sei „mit seinem ganzen Haus voll Freude“ gewesen, „weil er zum Glauben an Gott gekommen war“ (Apg 16,34). Von Korinth berichtet Lukas: „Krispus aber, der Synagogenvorsteher, kam mit seinem ganzen Haus zum Glauben an den Herrn“ (Apg 18,8). Paulus schreibt über das Haus des Stephanas, das er getauft hat: „Sie sind die erste Frucht Achaias und haben sich in den Dienst für die Heiligen gestellt“ (1 Kor 16,15). Hören, Glauben und Dienst erscheinen als Sache des ganzen Hauses; für kleine Kinder, so der Einwand, bleibe in diesen Häusern kein Raum.
Die apostolische Verkündigung spricht das Haus als Einheit an: „Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus“ (Apg 16,31); ebenso wird Kornelius verheißen: „Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst“ (Apg 11,14). Die Berichte schreiben Rettung, Hören, Glauben und Taufe dem Haus in derselben Weise als Ganzem zu. Wer alles zu diesen Häusern gehörte, zählen sie nicht auf; sie nennen keine Kinder und schließen sie nicht aus. Die Rede vom glaubenden Haus begrenzt die Taufe darum so wenig auf Erwachsene, wie die Rede vom getauften Haus für sich allein die Taufe von Kindern belegt.
Diese Hausformel spricht die Sprache des Bundes. Im Alten Bund erhält das im Haus Geborene das Bundeszeichen schon mit acht Tagen: „Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden … seien sie im Haus geboren …“ (Gen 17,12). Wenn das Neue Testament das Heil dem Haus zusagt und die Taufe am Haus vollzieht, steht es in dieser Sprache, in der das Zeichen der Zugehörigkeit die ganze Hausgemeinschaft erreicht. Darum liest die Kirche die Haustaufen zusammen mit der Verheißung an die Kinder (Apg 2,39), mit der Beziehung von Beschneidung und Taufe (Kol 2,11–12) und mit einer Praxis, die seit dem 2. Jahrhundert ausdrücklich bezeugt ist; auch die Kongregation für die Glaubenslehre verweist für die Kindertaufe auf diese Berichte (Pastoralis actio 4, Anm. 2).
Die kirchliche Lesart Glaube und Überlieferung
Die Kirche sieht in den getauften Häusern einen biblischen Grund, die Taufe auf das Haus zu beziehen
Die Taufe kleiner Kinder ist eine uralte Überlieferung der Kirche, die seit dem 2. Jahrhundert ausdrücklich bezeugt ist (KKK 1252).
Der Katechismus nennt in diesem Zusammenhang die getauften Häuser des Neuen Testaments und hält es für möglich, dass schon damals auch Kinder getauft wurden (KKK 1252). Auf diesem Grund bezieht die Kirche die Taufe auf die ganze Hausgemeinschaft.
Erwachsene werden durch Umkehr und Glauben auf die Taufe hin bereitet — als Antwort auf Gottes Handeln, das ihnen zuvorkommt. Der Glaube, den die Taufe verlangt, ist ein Anfang und wächst mit der Zeit (KKK 1247–1248).
Kinder empfangen die neue Geburt als Geschenk (KKK 1250). Das Kind wird in den Glauben der Kirche hinein getauft; dieser Glaube begleitet seinen Anfang, und die spätere Glaubensbildung gehört zur Taufe selbst — sie entfaltet, was Gott dem Kind geschenkt hat.
Die frühe Kirche kennt die Taufe der Kinder als überlieferten Brauch. Die Kongregation für die Glaubenslehre fasst zusammen: „Im Osten wie im Westen gilt der Brauch der Kindertaufe als Norm unvordenklicher Überlieferung.“ Origenes und nach ihm Augustinus hielten diesen Brauch für „von den Aposteln überliefert“, und als im zweiten Jahrhundert die ersten klaren Zeugnisse auftauchen, bezeichnet keines die Kindertaufe als etwas Neues (Pastoralis actio 4). Irenäus zählt um 180 Säuglinge und kleine Kinder zu denen, die durch Christus für Gott wiedergeboren werden; Pastoralis actio versteht diese Wiedergeburt als Taufe. Eine frühe Kirchenordnung, die Apostolische Überlieferung, schreibt vor: „Tauft zuerst die Kinder: Alle, die für sich sprechen können, sollen das tun; wer aber nicht für sich selber sprechen kann, für den sollen die Eltern oder jemand aus seiner Familie sprechen“ (zitiert in Pastoralis actio 4). Tertullians Rat, die Taufe aufzuschieben, und die Entscheidung der Bischöfe um Cyprian setzen diese Praxis voraus.
Tertullian
Nach den Umständen, der Disposition und sogar dem Alter eines jeden ist der Aufschub der Taufe vorzuziehen, vor allem bei kleinen Kindern. Denn wozu ist es nötig — wenn es nicht so dringend ist —, auch die Paten in Gefahr zu bringen? ... Der Herr sagt freilich: Verbietet ihnen nicht, zu mir zu kommen. Lasset sie kommen, während sie heranwachsen; lasset sie kommen, während sie lernen, wohin sie kommen sollen; lasset sie Christen werden, wenn sie Christus erkennen können.
Über die Taufe · De baptismo 18 · Primärtext↗Tertullian empfiehlt als Autor den Aufschub der Kindertaufe — und bezeugt dadurch deren Existenz samt Taufpaten.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Tertullian rät um 200, die Taufe kleiner Kinder aufzuschieben, und setzt damit voraus, dass sie samt Taufpaten bekannt und geübt war; ein Verbot spricht er nicht aus.
Die Grenze: Eine allgemeine kirchliche Anordnung des Aufschubs bezeugt Tertullian nicht; ein halbes Jahrhundert später lehnt die Synode Cyprians schon den Aufschub bis zum achten Tag ab.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Tertullian behandelt in De baptismo 18 die Frage, wem und wann die Taufe zu spenden ist. Er warnt vor vorschneller Taufe und empfiehlt den Aufschub vor allem bei kleinen Kindern; dabei nennt er Taufpaten und zitiert Mk 10,14.
Historischer Text
Nach den Umständen, der Disposition und sogar dem Alter eines jeden ist der Aufschub der Taufe vorzuziehen, vor allem bei kleinen Kindern. Denn wozu ist es nötig — wenn es nicht so dringend ist —, auch die Paten in Gefahr zu bringen? ... Der Herr sagt freilich: Verbietet ihnen nicht, zu mir zu kommen. Lasset sie kommen, während sie heranwachsen; lasset sie kommen, während sie lernen, wohin sie kommen sollen; lasset sie Christen werden, wenn sie Christus erkennen können.
Vollständigen historischen Text öffnen: TertullianWarum diese Stelle wichtig ist
Die Stelle ist der früheste ausführliche Beleg dafür, dass die Kindertaufe bekannt und nicht völlig unumstritten war.
Cyprian von Karthago und das Konzil der 66 Bischöfe
Niemand stimmte dem zu, was du für richtig hieltest; vielmehr urteilen wir alle, dass die Barmherzigkeit und Gnade Gottes keinem Menschenkind zu versagen ist.
Brief 64 an Fidus über die Taufe der Kinder · Brief 64,2 (in englischen Ausgaben Brief 58) · Primärtext↗66 Bischöfe weisen einstimmig zurück, Säuglinge erst am achten Tag zu taufen.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Mitte des 3. Jahrhunderts wird nicht diskutiert, ob Säuglinge grundsätzlich zu taufen sind, sondern wie früh.
Die Grenze: Einen festen Tauftermin für Neugeborene gab es noch nicht: Fidus wollte bis zum achten Tag warten, andere tauften schon am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der Bischof Fidus fragte, ob Säuglinge erst am achten Tag getauft werden sollen, analog zur Beschneidung. Cyprian überliefert die Antwort des Konzils von 66 Bischöfen in Karthago 253.
Historischer Text
In Bezug auf die Sache der Säuglinge, die du nicht schon am zweiten oder dritten Tag nach ihrer Geburt getauft wissen wolltest, weil man das Gesetz der alten Beschneidung beachten solle, sodass du meinst, ein gerade Geborener solle nicht vor dem achten Tag getauft und geheiligt werden, dachten wir alle in unserem Rat ganz anders. Niemand stimmte dem zu, was du für richtig hieltest; vielmehr urteilen wir alle, dass die Barmherzigkeit und Gnade Gottes keinem Menschenkind zu versagen ist.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyprian von Karthago und das Konzil der 66 BischöfeWarum diese Stelle wichtig ist
Ein Konzil von 66 Bischöfen entscheidet einstimmig gegen die Wartefrist bis zum achten Tag und begründet das mit Gottes Barmherzigkeit und Gnade, die keinem Menschenkind zu versagen ist.
So hält die Kirche beides zusammen: den Weg des Erwachsenen, der antwortet, und den Anfang des Kindes, dem geschenkt wird. In beiden Fällen nimmt die Taufe den Menschen in die Gemeinschaft der Glaubenden auf.