Versöhnungsdienst
Wie Christus seiner Kirche das Binden und Lösen anvertraut
Matthäus verbindet die Schlüssel des Himmelreichs und das Binden und Lösen mit der sichtbaren Gemeinschaft, die Christus gründet. Die Kirche erkennt darin eine anvertraute Verantwortung für Schuld und Zugehörigkeit: Versöhnung mit Gott führt zurück in das Volk Gottes, und die kirchliche Entscheidung über die Gemeinschaft steht unter Christi Verheißung.
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Schlüssel des Himmelreichs Bibel und Textverständnis
Petrus empfängt Verantwortung für den Zugang zur Kirche Christi
Matthäus 16,18–19 stellt die Vollmacht des Bindens und Lösens in den Zusammenhang der von Christus gegründeten Kirche.
Auszug aus Mt 16,18–19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Vers 19: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus verheißt, seine Kirche auf dem Felsen zu bauen und Petrus die Schlüssel des Himmelreichs zu geben, mit der Vollmacht des Bindens und Lösens.
Jesus spricht Simon mit dem Namen Petrus an, kündigt den Bau seiner Kirche an und verheißt, dass die Mächte des Todes sie nicht überwältigen werden. Danach gibt er Petrus die Schlüssel des Himmelreichs und verbindet damit die Vollmacht zu binden und zu lösen. Die Reihenfolge zeigt eine anvertraute Verantwortung innerhalb der Kirche, die Christus selbst baut.
Ein Schlüssel steht hier für den verantworteten Zugang zum anvertrauten Reich. Petrus erhält deshalb keine unabhängige Macht über Gott. Was er bindet oder löst, steht unter Christi Auftrag und wird mit einer Bedeutung für den Himmel verbunden. Die Verheißung betrifft damit konkrete kirchliche Verantwortung und die Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft, die Jesus seine Kirche nennt.
Schuld und Gemeinschaft Bibel und Textverständnis
Das Binden und Lösen steht im Dienst der Wiedergewinnung eines Bruders
Matthäus 18 verbindet die Behandlung einer Sünde mit dem Ziel, den schuldigen Bruder zurückzugewinnen.
Auszug aus Mt 18,17–18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 17: Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Vers 18: Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus führt Schuld in einen kirchlichen Entscheidungsweg hinein und spricht den Jüngern die Vollmacht des Bindens und Lösens zu.
Im Zusammenhang von Matthäus 18 wird eine Sünde zuerst persönlich angesprochen, dann mit Zeugen und schließlich vor die Gemeinde gebracht. Das erklärte Ziel des ersten Schritts ist, den Bruder zu gewinnen. Bleibt auch die Gemeinde ohne Gehör, folgt der Ausschluss aus der Gemeinschaft. Die Gemeinde handelt dabei nicht aus bloßem Interesse an Ordnung; es geht um die Wiederherstellung einer verletzten Beziehung und um die Wahrheit der gemeinsamen Zugehörigkeit zu Christus.
Unmittelbar danach spricht Jesus erneut vom Binden und Lösen. In diesem Zusammenhang reicht die Vollmacht über abstrakte Lehrentscheidungen hinaus. Sie umfasst die verantwortete Behandlung von Schuld und Gemeinschaft unter Christi Auftrag; ihre himmlische Bedeutung zeigt, dass diese Entscheidung aus der Gemeinschaft mit Christus lebt. Offen ist noch, wie die Rückkehr in die Gemeinde mit der Versöhnung mit Gott zusammenhängt; darauf antwortet die Lehre der Kirche.
Die Lehre der Kirche Glaube und Überlieferung
Christus versöhnt den Sünder mit Gott und führt ihn in sein Volk zurück
Der Katechismus verbindet die Vergebung der Sünde mit der Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott und der Kirche.
Sünde verwundet nach der Lehre der Kirche die Gemeinschaft mit Gott und zugleich die Gemeinschaft der Gläubigen. Jesus Christus vergibt dem Sünder und stellt ihn dadurch wieder in die Gemeinschaft seines Volkes. Der Grund dafür liegt in der Natur der Kirche: Sie gehört Christus und ist deshalb keine beliebige äußere Verwaltung von Mitgliedschaft. Wer mit Gott versöhnt wird, wird in die von Christus geschenkte Gemeinschaft zurückgeführt.
Das Zweite Vatikanische Konzil hält dabei die beiden biblischen Aussagen zusammen. Petrus empfängt die Schlüssel in besonderer Weise; das Binden und Lösen ist zugleich dem apostolischen Kollegium in Einheit mit seinem Haupt anvertraut. So bleibt die Verantwortung persönlich geordnet und zugleich gemeinschaftlich getragen.
Quellen zu dieser Frage 2
Gemeindekorrektur und Versöhnung Glaube und Überlieferung
Matthäus schildert Gemeindekorrektur – wie führt das zur sakramentalen Versöhnung?
Der Zusammenhang von Matthäus 18 ist Gemeindekorrektur und möglicher Ausschluss; die Verbindung zur Beichte, die die Kirche zieht, ergibt sich aus dem Zusammenspiel der biblischen Zeugnisse und ihrer Lehre.
Der Abschnitt handelt davon, wie die Gemeinde mit Sünde umgeht, einen Bruder zurückgewinnen will und bei beharrlicher Ablehnung die Gemeinschaft begrenzt. Auch das reformierte Westminster-Bekenntnis verbindet die Schlüssel mit der Verkündigung des Evangeliums und der kirchlichen Zucht; die Zucht soll den Übertreter zurückgewinnen.
Gerade dadurch trägt Matthäus einen eigenen Teil zur Begründung der kirchlichen Lehre bei. Der Text zeigt, dass Schuld und kirchliche Gemeinschaft zusammengehören und dass Christi Gemeinde dafür eine von ihm anvertraute Verantwortung trägt. Johannes 20 benennt den Auftrag, Sünden zu vergeben und zu behalten; der Katechismus verbindet beide Aussagen, indem er die Vollmacht zur Vergebung mit der Versöhnung mit der Kirche erklärt. Matthäus klärt, wohin die von Christus gegebene Vergebung führt: in die wiederhergestellte Gemeinschaft seines Volkes.
Quellen zu dieser Frage 2
Weiterführende Erklärungen
Warum Gott durch einen anvertrauten Versöhnungsdienst handeltUnterstützender positiver Beleg