Die Gemeinschaft der Heiligen
Wie die Heiligkeit der Kirche dem reuigen Sünder hilft
Die Kirche lebt aus dem einen Leben Christi. Darum bleibt die Umkehr eines Sünders in die Gemeinschaft aller Glieder eingebunden: Das Gebet und die Heiligkeit anderer tragen zu seiner Hilfe bei. Wenn der Katechismus vom geistlichen Schatz der Kirche spricht, meint er diese in Christus verbundene Fülle der Gnade und Liebe. Christus selbst ist ihr unerschöpflicher Ursprung.
5 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Ein Leib in Christus Bibel und Textverständnis
Der eine Geist verbindet die Getauften zu einem Leib
Paulus beschreibt die Kirche als einen Leib mit vielen Gliedern, deren Gaben dem gemeinsamen Leben dienen.
Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.
Auszug aus 1 Kor 12,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus beschreibt die Gläubigen als einen Leib mit vielen Gliedern, die einander zugehören und füreinander Verantwortung tragen.
Der Apostel vergleicht die Kirche mit dem menschlichen Leib: Viele Glieder gehören zu einem Leib, und doch hat jedes seine eigene Aufgabe. Durch den einen Geist sind die Getauften in diesen Leib aufgenommen. Kein Glied steht für sich; die Verschiedenen brauchen einander und tragen füreinander Verantwortung.
Paulus nennt ausdrücklich das gemeinsame Tragen von Leid und Freude. Im Zusammenhang sagt er außerdem, dass eine geistliche Gabe zum Nutzen aller gegeben wird. Gnade erreicht den Einzelnen daher innerhalb einer Gemeinschaft, in der das Leben des einen den anderen zugutekommt. Diese gegenseitige Hilfe bildet den biblischen Grund dafür, dass das Gebet und die Heiligkeit eines Gliedes einem anderen dienen können. Römer 12 zeigt, wie diese Verbundenheit in konkreten Gaben Gestalt annimmt.
Gaben für die Gemeinschaft Bibel und Textverständnis
Die Gnade nimmt Gestalt an, wenn ein Glied dem anderen dient
Römer 12 verbindet den einen Leib mit konkreten Gaben: Lehre, Ermutigung, Hilfe, Leitung und Barmherzigkeit.
so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören.
Auszug aus Röm 12,5 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Gläubigen bilden einen Leib und empfangen unterschiedliche Gaben zum gemeinsamen Dienst.
Auch im Römerbrief gehören die vielen Glieder zu einem Leib in Christus und zugleich zueinander. Paulus zählt verschiedene Gaben auf und ordnet sie dem Dienst zu: Einer lehrt, ein anderer ermutigt, gibt, leitet oder übt Barmherzigkeit. Die Verschiedenheit verbindet die Glieder, weil jede Gabe aus der empfangenen Gnade auf das gemeinsame Leben ausgerichtet ist.
Für die Buße bedeutet das: Die Umkehr des Einzelnen wird von einer Kirche getragen, in der andere mit ihren Gaben beten, ermutigen und in der Liebe handeln. Sie ist eine konkrete Weise, in der diese Gnade in seinem Leib weitergegeben wird. Wo diese Gebete ihren Ort haben, zeigt die Offenbarung: vor dem Lamm.
Die himmlische Liturgie Bibel und Textverständnis
Die Gebete der Heiligen gehören zum Lob des Lammes
Die Offenbarung zeigt die Gebete der Heiligen in der himmlischen Anbetung des geschlachteten Lammes.
Auszug aus Offb 5,8 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 8: Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Gebete der Heiligen erscheinen vor Gott in der himmlischen Anbetung.
In der Vision der Offenbarung fallen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder. Sie halten Schalen mit Weihrauch; dieser wird als die Gebete der Heiligen bezeichnet. Das Bild stellt die Gebete der Heiligen in den Gottesdienst vor dem Lamm.
Im Mittelpunkt dieser Szene steht das geschlachtete Lamm und seine Erlösung. Die Gebete der Heiligen erhalten ihren Ort und ihr Gewicht innerhalb seiner Anbetung. Wie die Kirche aus dieser Verbundenheit den geistlichen Schatz versteht, erklärt der Katechismus.
Die Lehre der Kirche Glaube und Überlieferung
Der geistliche Schatz der Kirche ist Christi Leben in seinen Gliedern
Der Katechismus erklärt, wie die Verbundenheit der Glieder Christi den reuigen Sünder trägt und was mit dem geistlichen Schatz gemeint ist.
Die Kirche versteht die Gemeinschaft der Heiligen als die Verbundenheit derer, die auf Erden pilgern, gereinigt werden oder in der Herrlichkeit leben. In Christus sind ihre geistlichen Leben miteinander verbunden; sie teilen die Güter der Liebe. Der geistliche Schatz der Kirche bezeichnet diese Fülle des Heils, die aus Christi Erlösung stammt und durch die mit ihm vereinten Glieder anderen zugutekommt. Christus selbst ist der unerschöpfliche Schatz der Erlösung. Die Gebete und guten Werke Marias und der Heiligen haben ihren Wert aus seiner Gnade und aus ihrer Einheit mit seinem Leib.
Schon Tertullian beschreibt um 200, wie die Gemeinde den Büßer trägt: Wer sich den Brüdern zu Füßen wirft, umfasst Christus; wenn sie über ihn weinen, leidet Christus und bittet den Vater (De paenitentia 10). Das Gebet der Brüder für den Büßer ist für Tertullian Christi eigenes Flehen in seinem Leib.
Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt diese Gemeinschaft als ein einziges Band der Liebe und des Lobes. Die größere Vereinigung der Heiligen mit Christus befähigt sie zur Fürsprache durch ihn; auch ihre irdischen Werke geschahen durch den einen Mittler. So bleibt die Hilfe der Heiligen ganz in Christi Wirken gegründet. Die Kirche empfängt aus seiner Erlösung die geistlichen Güter, die sie im Gebet für den Büßer erbittet.
Christus allein ist der Ursprung Glaube und Überlieferung
Wenn Christus allein erlöst, wie können die Werke der Heiligen anderen helfen?
Die Kirche spricht von einem Schatz der Gnade, weil Christus seine Erlösung in der Liebe seines Leibes wirksam werden lässt.
Der lutherische Einwand beruft sich auf Jesu Wort: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk 17,10). Kein Mensch tut also mehr als seine Schuldigkeit; darum werfen die Schmalkaldischen Artikel dem Ablasswesen vor, das Verdienst Christi zusammen mit überschüssigen Verdiensten der Heiligen verkauft zu haben (II,2,24).
Weil der Kirchenschatz Christus selbst ist, sind die Werke der Heiligen Früchte seiner Gnade und kein eigener Vorrat neben ihm. Weil Christus seine Glieder in einem Leib verbindet, gehören ihre Gebete und Taten zur Liebe, die er in diesem Leib schenkt und wirken lässt. So kann Paulus sagen: „Ich ergänze in meinem irdischen Leben, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt an seinem Leib, der die Kirche ist“ (Kol 1,24); das Zweite Vatikanische Konzil und Paul VI. berufen sich gerade auf diese Stelle. Wenn die Kirche aus diesem geistlichen Schatz für einen Büßer bittet, setzt sie daher keine zweite Quelle der Erlösung neben Christus. Sie bezeugt, dass seine eine Erlösung die Glieder wirklich miteinander verbindet und durch ihren Dienst dem anderen Hilfe bringt.
Die nähere Lehre über zeitliche Folgen der Sünde, Buße und Ablass gehört zur folgenden Station.
Quellen zu dieser Frage 4
Weiterführende Erklärungen
Was ein Ablass erlässt und warum er niemals käufliche Erlösung sein kannUnterstützender positiver Beleg