SCRIPTURA PLENA

Scriptura Plena

FaithOSUnterstützenImpressumDatenschutz

Bibelkanon

Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament

Das Neue Testament erzählt Jesu Passion und die Treue der Märtyrer mit Worten und Motiven aus Israels Schriften. Weisheit 2 und 2 Makkabäer gehören zu diesem biblischen Gespräch. Die jeweiligen Verbindungen haben unterschiedliches Gewicht und werden im Zusammenhang ihrer Texte gelesen.

4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein offener Kodex ist von vielen gesammelten Seiten umgeben; darunter reichen Apostel eine kleine Flamme zur leuchtenden Christusgestalt weiter.
BibelkanonKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Der Gerechte Bibel und Textverständnis

Wie sprechen Weisheit, Psalm und Matthäus vom leidenden Gerechten?

Im Spott unter dem Kreuz treffen Psalm 22 und das Bild des leidenden Gottessohnes aus Weisheit 2 zusammen.

Weisheit 2,12–20 beschreibt, wie die Frevler dem Gerechten auflauern. Sein Leben klagt ihr Handeln an; sie verspotten seine besondere Beziehung zu Gott und wollen sehen, ob Gott ihn rettet. Sie verurteilen ihn zu einem ehrlosen Tod. So entsteht das Bild des leidenden Gerechten, dessen Gottvertrauen im Angriff sichtbar wird.

Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.

Auszug aus Weish 2,12–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Weisheit zeichnet den verspotteten Gerechten als Sohn Gottes: Dieses Bild klingt in der Passion Jesu an.

Weish 2,12–20: Zusammenhang und Übersetzung

Wälze die Last auf den HERRN! Er soll ihn befreien, er reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat!

Auszug aus Ps 22,8–9 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Der Spott über den Beter und die Herausforderung an Gott liefern die unmittelbare Sprachform von Matthäus 27,43.

Ps 22,8–9: Zusammenhang und Übersetzung

Er hat auf Gott vertraut, der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn.

Auszug aus Mt 27,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Der Spott verbindet Psalm 22 direkt mit der Gottessohnschaft des leidenden Gerechten, die an Weisheit 2 erinnert.

Mt 27,43: Zusammenhang und Übersetzung

In Matthäus 27,43 verspotten die Gegner Jesu sein Vertrauen auf Gott, die erwartete Rettung und seine Aussage, Gottes Sohn zu sein. Psalm 22,8–9 liefert unmittelbar die Sprache von Spott und Rettung. Neben diesem Psalmwort klingt Weisheit 2 im Motiv der Gottessohnschaft des leidenden Gerechten an. So erzählt Matthäus die Passion in einem biblischen Resonanzraum, zu dem auch ein deuterokanonisches Buch gehört.

Henoch Glaube und Überlieferung

Zitiert das Neue Testament nicht auch das Buch Henoch?

Der Judasbrief führt eine Weissagung Henochs an, und ein Zitat macht noch kein Buch kanonisch. Der Anklang an Weisheit 2 zeigt etwas anderes: dass die ersten Zeugen dieses Buch lasen, als sie das Leiden Christi deuteten.

Der Einwand verweist auf zwei Stellen. Der Judasbrief führt eine Weissagung an: „Auch ihnen gilt, was schon Henoch, der siebte nach Adam, geweissagt hat“ (Jud 14). Der zweite Timotheusbrief nennt die Gegner des Mose beim Namen: „Wie sich Jannes und Jambres dem Mose widersetzt haben …“ (2 Tim 3,8). Diese Weissagung Henochs steht in keinem Buch des Kanons, und das Buch Exodus nennt die ägyptischen Zauberer nicht mit Namen (Ex 7,11). Wenn das Neue Testament auch solche Überlieferungen aufnimmt, macht ein Anklang ein Buch noch nicht zur Heiligen Schrift. Was trägt dann die Nähe von Matthäus 27,43 zu Weisheit 2 zur Kanonfrage bei?

Die Päpstliche Bibelkommission hält den Befund ausdrücklich fest: „Generell zeigen die Verfasser des Neuen Testaments eine Kenntnis der deuterokanonischen Bücher und einer Reihe nichtkanonischer Schriften“ (PBK Nr. 17); das Neue Testament zitiert mehr Bücher, als der hebräische Kanon umfasst. Ein Zitat oder ein Anklang entscheidet darum nicht über die Zugehörigkeit zum Kanon, und ebenso wenig entscheidet das Fehlen eines ausdrücklichen Zitats gegen ein Buch. Welche Bücher kanonisch sind, erkennt die Kirche in der apostolischen Überlieferung: Durch sie „wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt“ (DV 8; vgl. KKK 120).

Der Anklang an Weisheit 2 trägt darum etwas anderes bei als eine Zählung von Zitaten. Matthäus erzählt die Verspottung Jesu mit dem Psalmwort und zugleich mit dem Bild des Gerechten, über den die Frevler in Weisheit 2 spotten: „Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an“ (Weish 2,18). Er zeigt damit, dass die ersten Zeugen dieses Buch lasen und mit seinen Bildern das Leiden Christi deuteten. Die Kirche hat das Buch der Weisheit in ihrer Überlieferung als Heilige Schrift empfangen, das Buch Henoch nicht; der Anklang in Matthäus 27,43 zeigt, dass die Weisheit schon in der apostolischen Verkündigung zu den Büchern gehörte, mit denen die Kirche Christus verstand.

Quellen zu dieser Frage 3

Die Märtyrer Glaube und Überlieferung

Welche Auferstehungshoffnung erinnert der Hebräerbrief?

Hebräer 11,35 bewahrt im Glaubenskatalog eine Hoffnung, die in 2 Makkabäer 6–7 besonders deutlich ausgesprochen wird.

Eleasar schlägt in 2 Makkabäer 6 den Ausweg aus, der ihn vor dem Tod bewahrt hätte, und bleibt Gottes Gesetz treu; zweimal nennt der Text die Folterbank, auf die er freiwillig zugeht (2 Makk 6,19.28). Die sieben Brüder und ihre Mutter bekennen in 2 Makkabäer 7 ihre Hoffnung, dass Gott sie zu einem neuen, ewigen Leben auferstehen lässt (2 Makk 7,9.14); dem Jüngsten verspricht der König Reichtum und Ehren, wenn er von der Lebensart seiner Väter abfällt (2 Makk 7,24). Hebräer 11,35 spricht von Menschen, die gefoltert wurden, weil sie den Loskauf nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen. Das griechische Verb ἐτυμπανίσθησαν (etympanísthēsan, gesprochen etwa „e-tüm-pa-NIS-the-san“) bedeutet „sie wurden auf die Folterbank gespannt“ und ist vom Wort τύμπανον (týmpanon, gesprochen „TÜM-pa-non“) gebildet, das in der griechischen Fassung von 2 Makk 6,19.28 die Folterbank bezeichnet. Folterbank, ausgeschlagene Rettung und Hoffnung auf eine bessere Auferstehung treffen zusammen: Der Hebräerbrief erinnert an die Märtyrer von 2 Makkabäer 6–7, auch wenn er sie nicht mit Namen nennt.

Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen.

Auszug aus 2 Makk 6,18–31 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Eleasar geht freiwillig auf die Folterbank, statt den rettenden Ausweg anzunehmen; Hebräer 11,35 nimmt dieses Bild auf.

2 Makk 6,18–31: Zusammenhang und Übersetzung

Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns auferstehen lässt.

Auszug aus 2 Makk 7,1–42 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Brüder und ihre Mutter hoffen unter Folter auf die Auferstehung zu einem neuen, ewigen Leben; diese Hoffnung nennt Hebräer 11,35.

2 Makk 7,1–42: Zusammenhang und Übersetzung

Andere wurden gefoltert, da sie den Loskauf nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen.

Auszug aus Hebr 11,35–37 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Vers 35 erinnert an die Makkabäermärtyrer, an Folterbank, ausgeschlagene Rettung und Auferstehungshoffnung; Vers 37 bündelt weitere Leiden.

Hebr 11,35–37: Zusammenhang und Übersetzung

Hebräer 11,37 nennt außerdem Steinigung, Zersägen und Schwerttod. Der Glaubenskatalog führt hier weitere Überlieferungen zusammen. Der präzise Bezug zu 2 Makkabäer liegt vor allem bei der verweigerten Freilassung und der Auferstehungshoffnung in Vers 35.

Derselbe Brief greift für Christus selbst die Sprache der Weisheit auf. Vom Sohn, durch den Gott gesprochen hat (Hebr 1,2), sagt er: „er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit“ (Hebr 1,3). Das griechische Wort ἀπαύγασμα (apaúgasma, gesprochen etwa „a-PAU-gas-ma“) ist dasselbe, mit dem das Buch der Weisheit von der Weisheit Gottes sagt: „Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts“ (Weish 7,26). Was dort von der Weisheit gesagt ist, bekennt der Hebräerbrief vom Sohn. So nimmt ein einziger Brief zwei deuterokanonische Bücher auf: 2 Makkabäer für die Treue der Märtyrer und die Weisheit für das Bekenntnis zu Christus.

Quellen zu dieser Frage 3

Die Zeit ohne Propheten Glaube und Überlieferung

Bezeugt 1 Makkabäer nicht selbst, dass keine Propheten mehr auftraten?

Das Buch stellt sich selbst in eine Zeit ohne Prophetie. Die Kirche bindet die Inspiration der Schrift nicht an das Prophetenamt, sondern erkennt den Kanon in der apostolischen Überlieferung.

Große Bedrängnis herrschte in Israel, wie noch keine geherrscht hatte seit den Tagen, da die Propheten nicht mehr auftraten.

Auszug aus 1 Makk 9,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Frage an diesen Text

1 Makkabäer stellt sein Geschehen in die Zeit, „seit den Tagen, da die Propheten nicht mehr auftraten“.

1 Makk 9,27: Zusammenhang und Übersetzung

1 Makkabäer erzählt von einer großen Bedrängnis in Israel, wie noch keine geherrscht hatte „seit den Tagen, da die Propheten nicht mehr auftraten“ (1 Makk 9,27). Zweimal stellt das Buch eine Entscheidung zurück, bis ein Prophet komme: Die Steine des entweihten Brandopferaltars werden auf dem Tempelberg verwahrt, „bis ein Prophet komme und entscheide, was damit geschehen solle“ (1 Makk 4,46), und Simeon wird Anführer und Hohepriester, „bis ein wahrer Prophet auftrete“ (1 Makk 14,41). Josephus nennt die abgerissene Folge der Propheten als Grund, warum die späteren Schriften nicht dieselbe Glaubwürdigkeit hätten (Contra Apionem I,37–42). Daraus folgert der Einwand: Ein Buch, das sich selbst in eine Zeit ohne Propheten stellt, könne nicht zur Heiligen Schrift gehören.

Die Kirche bindet die Inspiration der Schrift nicht an das Prophetenamt. Sie lehrt: „Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten“ (DV 11; vgl. KKK 106). Ein Geschichtsschreiber, der sorgfältig berichtet und offen sagt, dass in seiner Zeit kein Prophet auftrat, kann darum Werkzeug Gottes sein. Seine Zurückhaltung gegenüber Entscheidungen, die er einem kommenden Propheten überlässt, zeigt den Ernst eines gläubigen Erzählers.

Dies alles ist das Buch des Bundes des höchsten Gottes, das Gesetz, das uns Mose aufgetragen hat, Erbteil für die Gemeinden Jakobs.

Auszug aus Sir 24,23 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Sirach nennt das Gesetz des Mose das Buch des Bundes und verwurzelt seine Weisheitslehre darin, ohne als Prophet aufzutreten.

Sir 24,23: Zusammenhang und Übersetzung

Der Maßstab der Prophetenfolge träfe auch Bücher, die alle Christen als Heilige Schrift lesen: Die Sprichwörter, Kohelet und Ijob stammen nicht von Propheten im Amtssinn, und die Evangelisten schrieben nicht als Propheten. Jesus Sirach zeigt, wie ein Weisheitslehrer seine Lehre versteht. Nach seinem Lob der Weisheit sagt er: „Dies alles ist das Buch des Bundes des höchsten Gottes, das Gesetz, das uns Mose aufgetragen hat“ (Sir 24,23). Er verwurzelt seine Weisheit im Gesetz des Mose, ohne als Prophet aufzutreten.

Die Folge der Propheten ist ein Maßstab der jüdischen Geschichtsschreibung, nach dem Josephus die Bücher ordnet. Die Kirche erkennt den Kanon in der apostolischen Überlieferung (DV 8; KKK 120) und empfängt in ihr auch 1 Makkabäer als Wort Gottes. Die Klage über die fehlenden Propheten gehört dabei zum Zeugnis des Buches selbst: Sie hält die Erwartung wach, dass Gott wieder spricht.

Quellen zu dieser Frage 3
← Zur Übersicht: Bibelkanon