Bibelstelle · EÜ 2016
Joh 3,5
Jesus verbindet den Eintritt in Gottes Reich mit der Geburt aus Wasser und Geist. Die Kirche versteht dieses Wort als biblische Grundlage der Taufe, in der Gott durch ein sichtbares Zeichen neues Leben schenkt.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus Joh 3,5
Bibeltext
Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
Auszug aus Joh 3,5 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Wasser und Geist
Wasser und Geist erscheinen als von Christus benannte Elemente des Eingangs in das neue Leben aus Gott.
Die Taufe als neutestamentliche Erfüllung der Reinigung
Die Stelle trägt die Verbindung von Wasser, Geist und neuer Geburt in der Taufe.
Verwandte Bibelstellen
Stellen, die mit dieser zusammen gelesen werden
Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Justin der Märtyrer
Justin beschreibt, wie glaubende Taufbewerber sich verpflichten, ihr Leben nach der christlichen Lehre auszurichten. Sie beten um Vergebung und fasten mit der Gemeinde. Danach werden sie zum Wasser geführt und empfangen dort unter Anrufung des Vaters, Jesu Christi und des Heiligen Geistes die Waschung im Wasser und die Wiedergeburt.
Dort empfängt er die Wiedergeburt in derselben Weise, in der auch wir wiedergeboren wurden.
Erste Apologie · Erste Apologie 61.3 · Primärtext↗Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Justin beschreibt in seiner Ersten Apologie, wie ein Taufbewerber nach Unterweisung und Zustimmung zu einem entsprechenden Leben um Vergebung betet und mit der christlichen Gemeinde fastet. Danach wird er zum Wasser geführt. Die Taufe steht vor seiner Darstellung der Eucharistie und der sonntäglichen Versammlung.
Historischer Text
Dann führen wir ihn dorthin, wo Wasser ist. Dort empfängt er die Wiedergeburt in derselben Weise, in der auch wir wiedergeboren wurden. Denn im Namen Gottes, des Vaters und Herrn des Alls, unseres Erlösers Jesus Christus und des Heiligen Geistes empfängt er die Waschung im Wasser.
Vollständigen historischen Text öffnen: Justin der MärtyrerWarum diese Stelle wichtig ist
Justin bezeugt um 155, dass die christliche Initiation Waschung, trinitarischen Namen und Wiedergeburt verbindet.
Tertullian
Tertullian empfiehlt als Autor den Aufschub der Kindertaufe — und bezeugt dadurch deren Existenz samt Taufpaten.
Nach den Umständen, der Disposition und sogar dem Alter eines jeden ist der Aufschub der Taufe vorzuziehen, vor allem bei kleinen Kindern. Denn wozu ist es nötig — wenn es nicht so dringend ist —, auch die Paten in Gefahr zu bringen? ... Der Herr sagt freilich: Verbietet ihnen nicht, zu mir zu kommen. Lasset sie kommen, während sie heranwachsen; lasset sie kommen, während sie lernen, wohin sie kommen sollen; lasset sie Christen werden, wenn sie Christus erkennen können.
Über die Taufe · De baptismo 18 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Tertullian rät um 200, die Taufe kleiner Kinder aufzuschieben, und setzt damit voraus, dass sie samt Taufpaten bekannt und geübt war; ein Verbot spricht er nicht aus.
Die Grenze: Eine allgemeine kirchliche Anordnung des Aufschubs bezeugt Tertullian nicht; ein halbes Jahrhundert später lehnt die Synode Cyprians schon den Aufschub bis zum achten Tag ab.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Tertullian behandelt in De baptismo 18 die Frage, wem und wann die Taufe zu spenden ist. Er warnt vor vorschneller Taufe und empfiehlt den Aufschub vor allem bei kleinen Kindern; dabei nennt er Taufpaten und zitiert Mk 10,14.
Historischer Text
Nach den Umständen, der Disposition und sogar dem Alter eines jeden ist der Aufschub der Taufe vorzuziehen, vor allem bei kleinen Kindern. Denn wozu ist es nötig — wenn es nicht so dringend ist —, auch die Paten in Gefahr zu bringen? ... Der Herr sagt freilich: Verbietet ihnen nicht, zu mir zu kommen. Lasset sie kommen, während sie heranwachsen; lasset sie kommen, während sie lernen, wohin sie kommen sollen; lasset sie Christen werden, wenn sie Christus erkennen können.
Vollständigen historischen Text öffnen: TertullianWarum diese Stelle wichtig ist
Die Stelle ist der früheste ausführliche Beleg dafür, dass die Kindertaufe bekannt und nicht völlig unumstritten war.
Weitere historische Zeugnisse (1)
Cyprian von Karthago und das Konzil der 66 Bischöfe
66 Bischöfe weisen einstimmig zurück, Säuglinge erst am achten Tag zu taufen.
Niemand stimmte dem zu, was du für richtig hieltest; vielmehr urteilen wir alle, dass die Barmherzigkeit und Gnade Gottes keinem Menschenkind zu versagen ist.
Brief 64 an Fidus über die Taufe der Kinder · Brief 64,2 (in englischen Ausgaben Brief 58) · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Mitte des 3. Jahrhunderts wird nicht diskutiert, ob Säuglinge grundsätzlich zu taufen sind, sondern wie früh.
Die Grenze: Einen festen Tauftermin für Neugeborene gab es noch nicht: Fidus wollte bis zum achten Tag warten, andere tauften schon am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der Bischof Fidus fragte, ob Säuglinge erst am achten Tag getauft werden sollen, analog zur Beschneidung. Cyprian überliefert die Antwort des Konzils von 66 Bischöfen in Karthago 253.
Historischer Text
In Bezug auf die Sache der Säuglinge, die du nicht schon am zweiten oder dritten Tag nach ihrer Geburt getauft wissen wolltest, weil man das Gesetz der alten Beschneidung beachten solle, sodass du meinst, ein gerade Geborener solle nicht vor dem achten Tag getauft und geheiligt werden, dachten wir alle in unserem Rat ganz anders. Niemand stimmte dem zu, was du für richtig hieltest; vielmehr urteilen wir alle, dass die Barmherzigkeit und Gnade Gottes keinem Menschenkind zu versagen ist.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyprian von Karthago und das Konzil der 66 BischöfeWarum diese Stelle wichtig ist
Ein Konzil von 66 Bischöfen entscheidet einstimmig gegen die Wartefrist bis zum achten Tag und begründet das mit Gottes Barmherzigkeit und Gnade, die keinem Menschenkind zu versagen ist.
Quellen und HinweiseKKK 1210–1284 · KKK 1113–1211
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1210–1284Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Taufe, Wirkung und Kindertaufe.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1113–1211Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Allgemeine Sakramentenlehre und Siebenzahl.
Konzilien und Lehramt
- Sacrosanctum ConciliumSC 59–78Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Sakramente und Sakramentalien.
- Codex Iuris Canonici: SakramentalienCIC cc. 1166–1169Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Das Kirchenrecht regelt Wesen und Spender der Sakramentalien.
Historische Primärquellen
- Konzil von Trient, Sitzung VIIKanones über die Sakramente, Kan. I, IV, VI (DH 1601, 1604, 1606)Transkription bei Hanover Historical Texts Collection
Trient ordnet Einsetzung, Zahl und Gnadenwirkung der Sakramente.
Bekenntnisse und offizielle Lehrquellen
- What Happens in the New Birth? Part 22. Dezember 2007, Gründe gegen den Taufbezug von Joh 3,5 und Abschnitt zu Ezechiel 36Primärtext · Primärtext / Edition
Piper bejaht die wirkliche Erneuerung durch Gott und begründet seine andere Auslegung mit dem Glauben, dem freien Wirken des Geistes und dem prophetischen Zusammenhang.