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Johannes 6

Vom Glauben an das Brot des Lebens zur Gabe von Fleisch und Blut

Johannes 6 beginnt mit dem Glauben an Jesus als Brot des Lebens und führt in eine Rede, die seine Gabe als wirkliche Speise und wirklichen Trank beschreibt.

4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Brot und Kelch liegen auf einem breiten Altartisch; Lamm, Priester und eine leuchtende Tür verbinden Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.
EucharistieKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Die Rede beginnt beim Glauben Bibel und Textverständnis

Jesus schenkt Leben, und der Glaube empfängt es

Die erste Bewegung der Rede richtet den Blick auf Jesus selbst: Zu ihm kommen und an ihn glauben gehört zusammen mit dem Leben, das er gibt.

Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.

Auszug aus Joh 6,55–56 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Frage an diesen Text

Jesus bezeichnet sein Fleisch als wahre Speise und sein Blut als wahren Trank und hält an dieser Rede trotz des Widerspruchs fest.

Joh 6,25–71: Zusammenhang und Übersetzung

Die Brotrede beginnt bei der Brotvermehrung und bei der Erinnerung an das Manna. Von dort lenkt Jesus die Erwartung seiner Hörer auf eine Speise, die tiefer reicht als die Nahrung, die verdirbt, und gibt sich selbst als das Brot des Lebens zu erkennen.

Joh 6,35 verbindet das Kommen zu Jesus mit dem Glauben an ihn. Wer zu ihm kommt, wird nicht mehr hungern, und wer an ihn glaubt, wird nicht mehr dürsten. Diese Worte zeigen, wie der Mensch Jesu Gabe empfängt: im vertrauenden Glauben an seine Person.

Die Rede über das Brot des Lebens bleibt jedoch nicht bei einer inneren Zustimmung zu Jesus stehen. Von der Verheißung des Lebens führt Jesus zu einer Gabe, die er für das Leben der Welt geben will.

Die Gabe wird konkret Bibel und Textverständnis

Das Brot vom Himmel ist Jesu Fleisch für das Leben der Welt

Mit der Ankündigung, sein Fleisch für das Leben der Welt zu geben, verdichtet Jesus die Rede zu einer leiblichen Selbsthingabe.

Die Hörer reagieren auf diese Aussage mit der Frage, wie er ihnen sein Fleisch zu essen geben könne. Ihre Frage nimmt die leibliche Bedeutung seiner Worte auf; sie behandelt die Aussage nicht als bloße Umschreibung des Glaubens.

Jesus beantwortet den Einwand, indem er die Rede weiterführt: Sein Fleisch ist wahre Speise, sein Blut ist wahrer Trank. Das Essen und Trinken gehören dabei zu einer bleibenden Gemeinschaft mit ihm, zu Leben und Auferstehung. Der Glaube bleibt der Weg des Empfangens; doch die Gabe, die er empfängt, erhält hier ihre konkrete Gestalt in Jesu Fleisch und Blut.

Die harte Rede Bibel und Textverständnis

Der Geist macht lebendig und hebt Jesu Gabe nicht auf

Joh 6,63 richtet sich gegen ein irdisch-fleischliches Verständnis der Rede. Im Zusammenhang mit Fleisch und Blut erklärt der Satz, wie Jesu Worte empfangen werden müssen.

Die Hörer nennen Jesu Worte hart, und viele Jünger gehen daraufhin weg. Die Erzählung legt nicht fest, dass jeder von ihnen aus demselben Grund ging; sie zeigt jedoch, dass Jesu ganze Offenbarung Anstoß erregt und eine Entscheidung verlangt. Jesus nimmt seine Worte über Fleisch und Blut nicht zurück.

Wenn Jesus sagt, der Geist gebe Leben und das Fleisch sei ohne Nutzen, verwirft er damit ein bloß irdisches Verständnis seiner Worte. Der Zusammenhang nennt unmittelbar zuvor den Aufstieg des Menschensohnes und verweist damit auf seinen himmlischen Ursprung. Jesu Gabe kommt aus der Wirklichkeit Gottes und wird durch den Geist lebendig empfangen.

Eine Deutung, nach der das Wort Fleisch in Joh 6,63 die zuvor verheißene Gabe Jesu aufhebt, würde den Gang der Rede umkehren. Der Geist macht lebendig, weil er den Menschen für Gottes Gabe öffnet; er verwandelt die Aussage Jesu nicht in eine bloße Metapher. Am Ende bleiben die Worte Jesu der Maßstab: Petrus hält an ihnen fest und bekennt, dass sie Worte ewigen Lebens sind.

Die Kirche liest die Verheißung im Zusammenhang Glaube und Überlieferung

Johannes 6 weist auf die Eucharistie voraus

Die Kirche versteht Johannes 6 als Verheißung, die in den Einsetzungsworten ihre sakramentale Gestalt erhält: Christus selbst gibt sich als Speise des ewigen Lebens.

Der Katechismus ordnet die Brotrede von Kafarnaum in den Weg zur Einsetzung der Eucharistie ein. So verbindet die Kirche beide Zeugnisformen und hält ihre jeweiligen Aufgaben in der rechten Ordnung: Die Brotrede führt zum Glauben an das Brot des Lebens und zur Verheißung der Gabe von Fleisch und Blut. Diese Verheißung erwartet die Stunde ihrer Erfüllung, und dorthin führt das letzte Mahl, in dem Christus seinen Leib und sein Blut gibt, damit die Seinen sie empfangen.

  • Kirchenlehrerca. 180

    Irenäus von Lyon

    Denn wie das Brot, das aus der Erde hervorgebracht wird, wenn es die Anrufung Gottes empfängt, nicht mehr gewöhnliches Brot ist, sondern Eucharistie aus zwei Wirklichkeiten, einer irdischen und einer himmlischen, so sind auch unsere Leiber, wenn sie die Eucharistie empfangen, nicht mehr ohne Hoffnung auf die Auferstehung zur Ewigkeit.

    Irenäus von Lyon, Adversus haereses IV · Adversus haereses IV,18,5 · Primärtext

    Irenäus verbindet die Eucharistie aus irdischer und himmlischer Wirklichkeit mit der Hoffnung auf die Auferstehung des Leibes.

    Quelle im Zusammenhang lesen

    Worum es hier geht

    Irenäus verteidigt im späten 2. Jahrhundert die Güte der Schöpfung und die Auferstehung des Leibes gegen gnostische Lehren. In diesem Gedankengang verbindet er die Eucharistie mit dem Leib Christi und der Hoffnung auf Auferstehung.

    Historischer Text

    Wie können sie dann behaupten, dass das Fleisch, das mit dem Leib des Herrn und mit seinem Blut genährt wird, der Vergänglichkeit anheimfällt und keinen Anteil am Leben hat? […] Unsere Auffassung stimmt mit der Eucharistie überein, und die Eucharistie bestätigt wiederum unsere Auffassung. Denn wie das Brot, das aus der Erde hervorgebracht wird, wenn es die Anrufung Gottes empfängt, nicht mehr gewöhnliches Brot ist, sondern Eucharistie aus zwei Wirklichkeiten, einer irdischen und einer himmlischen, so sind auch unsere Leiber, wenn sie die Eucharistie empfangen, nicht mehr ohne Hoffnung auf die Auferstehung zur Ewigkeit.

    Warum diese Stelle wichtig ist

    Irenäus verbindet die Eucharistie mit der geschaffenen Welt, dem Leib Christi und der Auferstehung des Fleisches. Das Brot ist nach der Anrufung Gottes nicht mehr gewöhnliches Brot, sondern Eucharistie aus irdischer und himmlischer Wirklichkeit.

    Quelle
    Irenäus von Lyon, Adversus haereses IV · Adversus haereses IV,18,5
    Textfassung und Rechte
    Eigene Übersetzung aus der lateinischen Überlieferung; verglichen mit der englischen Übersetzung der Ante-Nicene Fathers (1885). Die lateinische Überlieferung und die englische Übersetzung sind gemeinfrei; der Link führt zur deutschen Übersetzung der Bibliothek der Kirchenväter.
    Vollständigen historischen Text öffnen: Irenäus von Lyon
Quellen zu dieser Frage 4
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