SCRIPTURA PLENA

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Das Herrenmahl und der Leib

Den Leib unterscheiden heißt Christus und seine Gemeinde ernst nehmen

Paulus verbindet die unwürdige Teilnahme am Herrenmahl mit Schuld am Leib und Blut des Herrn. Das wirkt zunächst überraschend, weil er zugleich soziale Spaltungen, Hunger und die Demütigung armer Gemeindeglieder anklagt. Der Zusammenhang zeigt: Die Gabe Christi und die Einheit der Gemeinde gehören so eng zusammen, dass der Umgang mit dem Bruder offenlegt, wie das Mahl empfangen wird.

4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Brot und Kelch liegen auf einem breiten Altartisch; Lamm, Priester und eine leuchtende Tür verbinden Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.
EucharistieKI-generierte Illustration
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Die Gemeinde am Tisch Bibel und Textverständnis

Wer am Herrenmahl teilnimmt, kann den Bruder nicht übergehen

Paulus beginnt bei einer konkreten Verletzung: Aus dem gemeinsamen Mahl ist ein Ort geworden, an dem einige satt werden und andere beschämt bleiben.

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.

Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus verbindet unwürdigen Empfang mit Schuld am Leib und Blut des Herrn und fordert dazu auf, den Leib zu unterscheiden.

1 Kor 11,26–29: Zusammenhang und Übersetzung

Die Gemeinde kommt zusammen, doch ihre Versammlung trägt die Spaltung in sich. Einige essen ihre eigene Mahlzeit, während andere hungrig bleiben; manche trinken zu viel, und Gemeindeglieder ohne ausreichende Mittel werden gedemütigt. Paulus nennt darin eine Geringschätzung der Kirche Gottes. Der Skandal liegt deshalb im Umgang der Glaubenden miteinander und in der Verachtung der Armen.

Paulus fordert die Gemeinde daher auf, aufeinander zu warten. Wer hungrig ist, soll vorher zu Hause essen, damit die Zusammenkunft nicht zum Gericht über die Versammelten wird. Die Ordnung des Mahls dient der Einheit: Der Reiche soll nicht länger über das gemeinsame Essen verfügen, und der Arme soll in der Kirche seinen Platz behalten.

Die überlieferte Gabe Bibel und Textverständnis

Die Einsetzung erklärt, warum der Missbrauch Christus selbst trifft

Mitten in seiner Kritik erinnert Paulus an die überlieferte Einsetzung des Mahls. Diese Erinnerung ist der Maßstab, an dem er die gegenwärtige Praxis der Gemeinde beurteilt.

Paulus führt die Gemeinde zu dem zurück, was er selbst empfangen und weitergegeben hat: In der Nacht seiner Auslieferung nahm der Herr Brot und den Kelch, sprach die Deutung von seinem Leib und seinem Blut aus und gab den Auftrag, dieses Mahl zu seinem Gedächtnis zu feiern. Die Gemeinde beurteilt ihre Feier also von der Gabe Christi her. Seine Selbsthingabe steht vor ihrer sozialen Praxis und richtet sie.

Darum folgt auf den Einsetzungsbericht die Warnung vor unwürdigem Essen und Trinken. Paulus spricht ausdrücklich von Schuld am Leib und Blut des Herrn. Die konkrete Rücksichtslosigkeit in Korinth erhält dadurch ihr volles Gewicht: Am Brot und am Kelch wird die Gabe des gekreuzigten Herrn empfangen, während dieselbe Gemeinde einen Bruder hungrig und beschämt zurücklässt.

Der Leib lässt sich in der Aufforderung zum Unterscheiden auch auf die versammelte Gemeinde beziehen. Der nahe Zusammenhang mit Spaltungen, Hunger und dem Aufruf, aufeinander zu warten, gibt dieser Lesart ihren Grund. Sie erfasst einen wesentlichen Teil von Paulus' Anliegen. Zugleich bindet Paulus die Warnung an die überlieferten Einsetzungsworte und an Leib und Blut des Herrn. Eucharistische Gabe und Gemeinde als Leib erklären sich gegenseitig: Weil Christus sich der Gemeinde gibt, muss sie den Bruder als denjenigen empfangen, der zu dieser Gabe gehört.

Die Selbstprüfung Bibel und Textverständnis

Selbstprüfung führt zu wahrer Teilnahme und tätiger Liebe

Die Aufforderung zur Selbstprüfung soll die Feier nicht blockieren. Sie führt zu einer ehrlichen Umkehr, die den Empfang Christi und die Liebe zum Bruder zusammenhält.

Paulus sagt: Der Mensch soll sich selbst prüfen und dann vom Brot essen und aus dem Kelch trinken. Selbstprüfung bedeutet, die eigene Haltung an Christi Gabe messen zu lassen: Wird der Herr empfangen, während der Bruder verachtet wird? Wo die Gemeinde ihre Spaltung erkennt, führt die Prüfung zu einer konkreten Veränderung des Umgangs miteinander.

Paulus deutet das Gericht des Herrn als Zurechtweisung, die vor endgültiger Verurteilung bewahren soll. Daraus folgt keine Aussage über heutige Krankheiten oder Schicksale. Die Gemeinde soll ihre Feier ordnen, füreinander sorgen und das Herrenmahl so empfangen, dass es nicht gegen die Armen und gegen die Einheit der Kirche steht.

Die kirchliche Überlieferung Glaube und Überlieferung

Die Kirche empfängt Christus und erkennt ihn im armen Bruder

Die Kirche bewahrt beide Seiten der apostolischen Mahnung: die Heiligkeit der Eucharistie und die Liebe, die aus ihrem Empfang hervorgeht.

Der Katechismus legt die Selbstprüfung vor der Kommunion als Antwort auf die apostolische Mahnung aus. Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss nach der Lehre der Kirche vor dem Kommunionempfang das Sakrament der Buße empfangen (KKK 1385). Zugleich empfängt der gläubige Christ die Eucharistie demütig als Gnade; wer recht bereitet ist, ist zum Empfang bei jeder Messe eingeladen. Selbstprüfung ist damit eine wahrhaftige Hinwendung zu Christus, die zur Kommunion führen kann und den Empfang nicht in eine Prüfung eigener Vollkommenheit verwandelt.

Dieselbe kirchliche Lehre verbindet die Kommunion mit der Verpflichtung gegenüber den Armen. Der Empfang des Blutes Christi verlangt eine Aufmerksamkeit für den Bruder, den Christus liebt. Johannes Chrysostomus spricht in seiner Auslegung des Ersten Korintherbriefs mit scharfer Klarheit von diesem Widerspruch: „Du hast das Blut des Herrn verkostet – und erkennst doch deinen Bruder nicht“ (Hom. in 1 Cor. 27,4; zitiert in KKK 1397). Die Kirche bewahrt damit den sozialen Ernst von Paulus, weil die eucharistische Gabe für die Liebe zum konkreten Bruder öffnet.

Ignatius von Antiochien bezeugt zu Beginn des zweiten Jahrhunderts eine verwandte Verbindung. Im Brief an die Smyrnäer verteidigt er die Wirklichkeit des leidenden und auferstandenen Fleisches Christi und spricht im benachbarten Zusammenhang zugleich von der Sorge für Witwen, Waisen, Unterdrückte, Hungrige und Durstige. Sein Zeugnis ist keine direkte Auslegung des paulinischen Abschnitts. Es zeigt jedoch eine frühe kirchliche Gestalt desselben Zusammenhangs: Das Bekenntnis zum wirklichen Leib des Erlösers und die tätige Liebe zu den Verwundbaren gehören zusammen.

Quellen zu dieser Frage 2
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