Das geschlachtete und gegessene Paschalamm
Warum das Paschalamm Opfer und Mahl verbindet
Beim Pascha gehören das geschlachtete Lamm, sein Blut und das Essen seines Fleisches zu einer einzigen Befreiung. Das Neue Testament deutet Christus als dieses Paschalamm und führt damit zu der Frage, wie sein Opfer als Gabe empfangen wird.
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Opfer und Mahl Bibel und Textverständnis
Das Pascha verbindet die Hingabe des Lammes mit dem Empfang seiner Gabe
Im Exodus wird das Lamm geschlachtet, sein Blut schützt die Häuser, und dasselbe Lamm wird im Paschamahl gegessen.
Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen. Über dem Feuer gebraten und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern soll man es essen.
Auszug aus Ex 12,1–14 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Paschageschichte verbindet das geschlachtete Lamm, sein Blut und das Essen des Lammes.
Die Paschageschichte erzählt Israels Befreiung aus Ägypten. Für jedes Haus wird ein Lamm geschlachtet; sein Blut wird an die Türpfosten und den Türsturz gestrichen, und sein Fleisch wird mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern gegessen. Das Mahl steht daher nicht neben dem Opfer, als wäre es eine spätere Erinnerung an eine abgeschlossene Handlung. Die geschlachtete Gabe wird im Mahl empfangen, das zur von Gott geschenkten Bewahrung und Befreiung gehört.
Christus, das Paschalamm Bibel und Textverständnis
Paulus deutet Christi Hingabe ausdrücklich als Paschaopfer
Paulus nennt Christus das geopferte Paschalamm und verbindet diese Deutung mit einem erneuerten Leben der Gemeinde.
Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.
Auszug aus 1 Kor 5,7 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus bezeichnet Christus als unser Paschalamm, das geschlachtet wurde.
Paulus schreibt der Gemeinde in Korinth, dass Christus als Paschalamm geopfert worden ist. Damit bleibt die Verbindung zwischen Pascha und Christus nicht einer späteren theologischen Vermutung überlassen. Der Apostel selbst nimmt das Pascha als Deutungsschlüssel für den Tod Christi auf.
Im unmittelbaren Zusammenhang spricht Paulus mit dem Bild vom Sauerteig: Die Gemeinde soll das Böse und die Bosheit ablegen und als ungesäuerte, von Aufrichtigkeit und Wahrheit geprägte Gemeinschaft leben. Christi Opfer ist dabei der Grund für die erneuerte Lebensform. Das Paschalamm bezeichnet bei Paulus also nicht bloß eine Ähnlichkeit zwischen zwei Geschichten; die Hingabe Christi begründet das neue Leben seines Volkes.
Das Paschalamm am Kreuz Bibel und Textverständnis
Johannes liest Jesu ungebrochene Knochen im Licht des Paschalammes
Der Bericht vom Kreuz nimmt die Vorschrift über die Knochen des Paschalammes auf und ordnet Jesu Tod in die Paschageschichte ein.
Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.
Auszug aus Joh 19,36 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Johannes bezieht das ungebrochene Gebein des Gekreuzigten auf das Paschalamm.
Im Passionsbericht bleiben Jesu Knochen ungebrochen, obwohl die Soldaten den beiden anderen Gekreuzigten die Beine brechen. Johannes bezeichnet dieses Geschehen als Erfüllung der Schrift. Im Hintergrund steht die Paschavorschrift in Exodus 12,46, nach der am Paschalamm kein Knochen zerbrochen werden soll.
Diese Anspielung ergänzt die ausdrückliche paulinische Deutung. Auch das Motiv des von Gott bewahrten Gerechten klingt an, wie Psalm 34,21 zeigt. Die Paschaverbindung bleibt dennoch sachlich stark: Der gekreuzigte Jesus wird im Evangelium in den Horizont des Paschalammes gestellt, dessen Hingabe und Bewahrung zur Befreiungsgeschichte gehören.
Sakramentale Feier Glaube und Überlieferung
Die Einsetzung gibt dem Pascha seine eucharistische Gestalt
Die Kirche feiert in der Eucharistie das eine Pascha Christi als sakramentale Gegenwart seines Opfers.
Diese Einordnung nimmt den ursprünglichen Sinn der Erzählung ernst. Exodus 12 zeigt das geschlachtete Lamm, sein Blut und das Mahl als ein Geschehen der Befreiung. Der christliche Zusammenhang erwächst aus dem Pascha Israels und seiner Auslegung in der Schrift. Das Neue Testament identifiziert Christus ausdrücklich mit dem Paschalamm; die Einsetzung der Eucharistie gibt dieser Verbindung ihre sakramentale Gestalt.
Die Kirche versteht Jesu Tod und Auferstehung als das endgültige Pascha. Beim letzten Mahl nimmt Jesus das Pascha auf, gibt seinem Volk seinen Leib und sein Blut und stiftet das Gedächtnis seiner Hingabe. In der Eucharistie feiert die Kirche daher dasselbe Pascha sakramental: Das Opfer, das Christus ein für alle Mal am Kreuz dargebracht hat, wird in der liturgischen Feier unblutig gegenwärtig und wirksam; Christus stirbt dabei nicht erneut, denn er ist von den Toten auferweckt und stirbt nicht mehr (Röm 6,9). Zum Opfer des Pascha gehört die Speise: Das Manna in der Wüste ist die Speise, die Gott seinem Volk gibt, und die Kirche liest es als Vorausbild des wahren Brotes vom Himmel.