Gemeinsames und geordnetes Priestertum
Die Schrift nennt das ganze Bundesvolk ein priesterliches Königreich; zugleich kennt der Bund besondere priesterliche Dienste. Petrus überträgt die Sprache vom königlichen Priestertum auf das christliche Volk.
Kernaussage
Das Priestertum aller Getauften ist wirklich; seine Allgemeinheit schließt einen besonderen geordneten Dienst nicht aus.
Schlüsselfrage
Wie verhalten sich die priesterliche Würde aller Getauften und ein besonderes geordnetes Amt zueinander?
Katholische Auslegung
Das gemeinsame und das amtliche Priestertum unterscheiden sich dem Wesen nach, nicht nur dem Grad nach; beide nehmen am einen Priestertum Christi teil.
Im Zusammenhang
Aussage und Kontext
Daraus folgt zunächst nur, dass ein gemeinsames Priestertum ein besonderes geordnetes Amt nicht ausschließt. Die katholische Lehre unterscheidet beide als zwei Teilnahmen am einen Priestertum Christi und mindert die Taufwürde nicht.
Ex 19,6 nennt ganz Israel ein priesterliches Königreich, obwohl der Bund zugleich einen besonderen priesterlichen Dienst kennt. 1 Petr 2,9 überträgt die Sprache des königlichen Priestertums auf das christliche Volk. Die katholische Lehre kann deshalb das gemeinsame Priestertum aller Getauften voll bejahen und zugleich ein amtliches Priestertum unterscheiden. Die angeführten Stellen beweisen weder unmittelbar den späteren Weiheritus noch setzen sie neutestamentliche Presbyter ausdrücklich mit dem späteren sakramentalen Begriff des Priesters gleich; dafür ist der weitere Zusammenhang von Amt, Handauflegung, Eucharistie und apostolischer Sukzession erforderlich.
Ex 19,6
Ganz Israel ist ein priesterliches Volk, während ein besonderer Dienst besteht.
Bibeltext in der EÜ 2016 öffnen1 Petr 2,9
Die Getauften sind königliche Priesterschaft und heiliges Volk.
Bibeltext in der EÜ 2016 öffnenEinwand und Antwort
Den Einwand prüfen
1 Petr 2 gibt allen Christen das Priestertum; ein eigenes Priestertum wird dadurch unnötig.
Katholische Antwort
Die universale priesterliche Würde bleibt vollständig bestehen. Ihre Allgemeinheit hebt jedoch ein differenziertes Amt nicht logisch auf; schon das Alte Testament verbindet ein priesterliches Volk mit besonderen Diensten.
Was die Kirche nicht meint
Das amtliche Priestertum ersetzt weder Christus noch das gemeinsame Priestertum der Getauften.
Biblischer Zusammenhang
Die ganze Argumentation
Brot vom Himmel, Fleisch und Blut
Jesus spricht in Joh 6,50–58 von seinem Fleisch als wahrer Speise und seinem Blut als wahrem Trank. Die Reaktion seiner Hörer macht eine realistische Lesart plausibel, ohne dass Joh 6 allein die gesamte Eucharistielehre beweist.
„Das ist mein Leib“
Jesus identifiziert beim Letzten Abendmahl Brot und Wein mit seinem Leib und Blut und verbindet diese Gaben mit seiner Hingabe für viele.
Teilhabe am Leib und Blut Christi
Paulus beschreibt den Kelch und das Brot als Teilhabe am Blut und Leib Christi und vergleicht den Tisch des Herrn mit jüdischen und heidnischen Opfermahlzeiten.
Den Leib unterscheiden
Paulus verbindet den unwürdigen Empfang mit Schuld am Leib und Blut des Herrn und fordert dazu auf, den Leib zu unterscheiden.
Das geschlachtete und gegessene Paschalamm
Die Paschageschichte verbindet das geschlachtete Lamm, sein Blut und das Essen des Lammes; das Neue Testament deutet Christus als unser Paschalamm.
Das wahre Brot vom Himmel
Jesus stellt das Manna dem wahren Brot vom Himmel gegenüber und weist damit selbst auf eine Erfüllung der Wüsten- und Brotthematik in seiner Person hin.
Melchisedek und das ewige Priestertum
Die Schrift verbindet Melchisedek mit Brot und Wein und einem Priestertum des Höchsten Gottes; der Hebräerbrief bezieht die Ordnung seines Priestertums ausdrücklich auf Christus.
Das reine Opfer unter den Völkern
Maleachi kündigt nach der Kritik an den verunreinigten Opfergaben ein reines Opfer an, das unter den Völkern überall dargebracht wird.
Priester aus den Völkern
Jesaja verbindet die Sammlung der Völker mit Gottes Berufung einiger von ihnen zu Priestern und Leviten; Maleachi kündigt unabhängig davon ein reines Opfer unter den Völkern an.
Gemeinsames und geordnetes Priestertum
Die Schrift nennt das ganze Bundesvolk ein priesterliches Königreich; zugleich kennt der Bund besondere priesterliche Dienste. Petrus überträgt die Sprache vom königlichen Priestertum auf das christliche Volk.
Das eine Opfer Christi
Der Hebräerbrief bezeugt, dass Christus sein Erlösungsopfer ein für alle Mal vollbracht hat und dass dieses Opfer nicht durch eine neue Opferhandlung ergänzt werden darf.
Quellen und HinweiseEÜ 2016 · KKK 74–1419, 1472–1553 · KKK 1322–1419, 1544–1553
Schrift
- Einheitsübersetzung 2016EÜ 2016
Verlinkte Schriftgrundlage; geschützte Langzitate werden nicht übernommen.
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 74–1419, 1472–1553
Offizieller Gesamttext; die verwendeten Themenbereiche sind mit konkreten Absatzangaben verknüpft.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1322–1419, 1544–1553
Abschnitte zu Eucharistie, Opfer und Priestertum.
Konzilien und Lehramt
- Lumen gentiumLG 10, 18–29, 49–69
Lehramtliche Grundlage zu Kirche, Amt, Heiligen und Maria.
- Sacrosanctum ConciliumSC 47
Das eucharistische Opfer als Gedächtnis und Ostermahl.
Bild
- BildhinweisKI-generierte Illustration
Redaktionell gestaltete Illustration, keine historische Fotografie oder Rekonstruktion.