Priestertum und Opfer
Das priesterliche Volk und der Dienst der Kirche
Gott nennt Israel am Sinai ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk. Der Erste Petrusbrief nimmt diese Sprache auf und wendet sie auf die christliche Gemeinde an. Von dort aus stellt sich die Frage, wie die priesterliche Würde aller Gläubigen und das Amt der Kirche zusammengehören.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Das priesterliche Volk Bibel und Textverständnis
Gott nennt das ganze Volk ein Königreich von Priestern
Zwei Stellen nennen das Gottesvolk priesterlich: die eine am Sinai, die andere im Ersten Petrusbrief.
Auszug aus Ex 19,5b–6a · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 5b: Mir gehört die ganze Erde,
Vers 6a: ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott nennt Israel ein priesterliches Königreich und ein heiliges Volk.
Am Sinai spricht Gott zu Israel und nennt es ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk (Ex 19,6). Dieser Name gilt dem ganzen Volk, nicht einer Gruppe innerhalb des Volkes. Priesterlich sein heißt hier: Gott gehören und für seine heilige Verehrung da zu sein. Israel trägt diesen Namen, weil Gott es sich erwählt und zu sich herangeführt hat.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde.
Auszug aus 1 Petr 2,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Getauften werden als königliche Priesterschaft und heiliger Stamm bezeichnet.
Der Erste Petrusbrief nimmt die Sprache der königlichen Priesterschaft auf und überträgt sie auf die christliche Gemeinde (1 Petr 2,9). Was Israel am Sinai zugesagt war, gilt nun der Gemeinde, die an Christus glaubt: Sie gehört Gott und ist zu seiner heiligen Verehrung berufen. So steht die priesterliche Würde des ganzen Gottesvolkes am Anfang der biblischen Rede vom Priestertum.
Die Unterscheidung Glaube und Überlieferung
Die Kirche unterscheidet gemeinsames und amtliches Priestertum
Die Kirche nimmt die biblische Aussage vollständig auf und ordnet ihr das Amt der Kirche zu.
Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen ist wirkliches Priestertum. Zugleich lehrt die Kirche, dass sich das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Priestertum des Dienstes (das amtliche Priestertum) dem Wesen und nicht bloß dem Grad nach unterscheiden (LG 10; KKK 1544–1547).
Beide nehmen auf je eigene Weise am Priestertum Christi teil und erfüllen verschiedene Aufgaben im Leben der Kirche (LG 10; KKK 1544–1547). Die priesterliche Würde des Volkes und der Dienst, mit dem Christus dieses Volk beauftragt hat, sind einander zugeordnet.
Quellen zu dieser Frage 2
Die Rückfrage Glaube und Überlieferung
Wenn alle Gläubigen Priester sind, braucht die Kirche dann ein besonderes Priestertum?
Der Einwand hat Gewicht: Der Erste Petrusbrief nennt die ganze Gemeinde eine königliche Priesterschaft, und das Neue Testament bezeichnet die Ältesten nicht einfach mit dem Wort für Priester.
Die biblischen Aussagen über das Gottesvolk tragen die gemeinsame priesterliche Würde: Sie sagen, wer das Volk Gottes ist und wozu es berufen ist. Der Dienst steht innerhalb dieses priesterlichen Volkes und ist auf es hin geordnet.
Die konkrete Begründung des amtlichen Dienstes kommt aus Christi Sendung der Apostel, aus der apostolischen Beauftragung und aus der Handauflegung (KKK 1573; KKK 1575). Priester nennt die Kirche die Geweihten wegen ihres Dienstes am eucharistischen Opfer: Der Amtspriester „vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar“, während die Gläubigen kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mitwirken (LG 10). So wird das eine Priestertum Christi durch das Amtspriestertum gegenwärtig gemacht, ohne dass seiner Einzigkeit Abbruch getan würde (KKK 1545). Auf dieser Grundlage hat die Kirche die Gestalt des Amtes entfaltet. Darum hält sie beides fest: das priesterliche Volk aus Ex 19,6 und 1 Petr 2,9 sowie den Dienst, der aus der Sendung Christi kommt (LG 10; KKK 1544–1547).