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Gebet für die Verstorbenen

Gebet und Sühne für die Verstorbenen: was 2 Makkabäer bezeugt

Judas Makkabäus lässt für gefallene Soldaten Geld sammeln und ein Sühnopfer darbringen. Der Bericht in 2 Makkabäer verbindet dieses Handeln mit der Hoffnung auf die Auferstehung und nennt das Gebet für die Toten einen heiligen und frommen Gedanken. Die Kirche sieht darin ein biblisches Zeugnis dafür, dass das Gebet für Verstorbene vor Gott etwas bewirkt, und der Katechismus der Katholischen Kirche führt die Stelle für dieses Gebet an (KKK 1032).

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Im dunklen Vordergrund beten Menschen, während eine gerettete Gestalt durch reinigendes Licht auf eine offene, strahlende Tür zugeht.
FegefeuerKI-generierte Illustration
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Das Zeugnis Bibel und Textverständnis

Judas lässt für die Gefallenen ein Sühnopfer darbringen

Judas und seine Männer sammeln Geld und lassen für die Gefallenen ein Sühnopfer darbringen; der Text nennt das Gebet für die Toten heilig und fromm und stellt es in den Horizont der Auferstehung.

Vers 43: Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung.

Vers 44: Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.

Vers 45: Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit entschlafen. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.

Auszug aus 2 Makk 12,43–45 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Judas lässt Sühnopfer darbringen und betet für die Gefallenen im Blick auf die Auferstehung.

2 Makk 12,43–45: Zusammenhang und Übersetzung

Die Gefallenen hatten unter ihren Kleidern Amulette der Götter von Jamnia getragen, obwohl das Gesetz es verbot (2 Makk 12,40). Dennoch beten Judas und seine Leute, „dass die begangene Sünde wieder völlig ausgelöscht werde“ (12,42), und Judas hält sich den Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, „die in Frömmigkeit entschlafen“ (12,45). Der Abschnitt nennt das Opfer in Vers 43 „Sündopfer“. Ein Sühnopfer ist eine Gabe, die Gott dargebracht wird, damit Sünde vor Gott bereinigt wird. Der Text verbindet dieses Handeln mit der Hoffnung auf die Auferstehung und nennt das Gebet für die Toten einen heiligen und frommen Gedanken. Sammlung, Opfer und Gebet gehören dabei zusammen: Die Lebenden treten für ihre Toten vor Gott ein, damit diese von ihrer Sünde befreit werden.

Gebet und Opfer für Verstorbene setzen voraus, dass die Verbindung des Gottesvolkes zu seinen Toten vor Gott bestehen bleibt, im Blick auf die Auferstehung. Der Text bezeugt damit unmittelbar die Fürsprache für die Toten und ihre geistliche Hilfe. Fürsprache meint das Eintreten eines Menschen bei Gott zugunsten eines anderen. Der Text spricht damit von Verstorbenen, die noch „von der Sünde befreit werden“ sollen (12,45); diese Reinigung nennt die spätere Lehre Läuterung oder Fegefeuer.

Der Bezug Glaube und Überlieferung

Was setzt das Gebet für die Verstorbenen voraus?

Der Katechismus führt 2 Makk 12,45 für die Praxis an, für die Verstorbenen zu beten, und stützt auf diese Praxis auch die Lehre von der Läuterung (KKK 1032).

Gebet und Sühne für Verstorbene setzen voraus, dass es Verstorbene gibt, die weder schon vollendet noch verloren sind: Wer vollendet ist, braucht keine Hilfe mehr, und wer verloren ist, dem kann sie nicht mehr helfen. Das Gebet gilt also Menschen, die in Gottes Gnade gestorben sind und noch von Sünde befreit werden können; diese abschließende Reinigung nennt die Kirche Läuterung. Augustinus sagt, das Gebet der Kirche werde für Verstorbene erhört, die, in Christus wiedergeboren, ihr Leben weder so schlecht geführt haben, „daß man sie für unwürdig der Erbarmung erachtet, noch auch so gut, daß man sie für nicht bedürftig der Erbarmung hält“ (De civitate Dei XXI,24).

Die Kirche ordnet dieses Zeugnis in die Lehre von der abschließenden Reinigung ein, die sie aus der Schrift und der Überlieferung empfangen und auf den Konzilien von Florenz und Trient formuliert hat (KKK 1031). So formuliert die Lehre, was im Gebet für die Gefallenen in 2 Makkabäer bereits vorausgesetzt ist.

  • Kirchenvaterca. 200

    Tertullian

    Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar.

    De corona (Der Kranz) · De corona 3–4 · Primärtext

    Tertullian bezeugt jährliche Opfergaben für Verstorbene am Jahrestag und verteidigt sie als kirchliche Überlieferung, nicht als Schriftgebot.

    Einordnung der Quelle

    Der Text zeigt: Gebet und liturgisches Totengedenken sind früh bezeugt; die Praxis wird ausdrücklich als Überlieferung begründet.

    Die Grenze: De corona 3 nennt die Opfer für die Verstorbenen, ohne ihre Wirkung zu erklären; davon spricht Tertullian in De monogamia 10, wo die Witwe für die Seele ihres verstorbenen Mannes betet und für ihn Erquickung in der Zwischenzeit erbittet.

    Quelle im Zusammenhang lesen

    Worum es hier geht

    Tertullian verteidigt in De corona nicht-schriftliche Traditionen der Kirche und nennt dabei unter anderem das Opfer für die Verstorbenen am Jahrestag.

    Historischer Text

    Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar. […]

    Wolltest du für diese und andere Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der Hl. Schrift verlangen, so würdest du keine auftreiben. Man wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon, die stete Übung als die Bestätigung dafür und den Glauben als den Befolger derselben.

    Warum diese Stelle wichtig ist

    Tertullian bezeugt jährliche Opfergaben für Verstorbene am Todestag als etablierte kirchliche Praxis und begründet sie ausdrücklich als Überlieferung.

    Quelle
    De corona (Der Kranz) · De corona 3–4
    Textfassung und Rechte
    Übersetzung von K. A. Heinrich Kellner in der Bibliothek der Kirchenväter (1. Reihe, Band 24, 1915), Kap. 3–4; verglichen mit dem lateinischen Text. Die Übersetzung von 1915 und der lateinische Text sind gemeinfrei; der Link führt zu dieser Übersetzung in der Bibliothek der Kirchenväter.
    Vollständigen historischen Text öffnen: Tertullian
Quellen zu dieser Frage 3

Die Rückfrage Glaube und Überlieferung

Kann ein Buch mit umstrittenem Kanon gemeinsame Grundlage sein?

Viele Christen erkennen 2 Makkabäer nicht als Teil des biblischen Kanons an. Der Kanon ist die verbindliche Liste der biblischen Bücher, die eine Kirche als Wort Gottes anerkennt; über seinen Umfang besteht zwischen den Konfessionen eine echte Differenz.

Wenn ein Buch nicht in jedem Kanon steht, so der Einwand, kann es auch keine gemeinsame Grundlage für das Gebet für die Verstorbenen und für die Lehre vom Fegefeuer abgeben. Diese Stelle könne deshalb keine verbindliche Begründung tragen.

Auch wer 2 Makkabäer nicht als kanonisch anerkennt, hat in dem Buch ein Zeugnis dafür, dass Juden schon vor Christus für ihre Toten beteten. Benedikt XVI. hält fest: „Die entsprechende Praxis ist ganz selbstverständlich von den Christen übernommen worden, und sie ist der Ost- und Westkirche gemeinsam“ (Spe salvi 48). Für die Kirche ist die Stelle darüber hinaus Wort Gottes, und das Zweite Vatikanische Konzil zitiert sie, wenn es vom Gebet für die Verstorbenen spricht (LG 50). Ihre Lehre von der Läuterung stützt die Kirche zugleich auf das weitere Zeugnis der Schrift und auf die Überlieferung; die Kanonfrage selbst behandelt das Thema Bibelkanon.

Quellen zu dieser Frage 2
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