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Fegefeuer · Matthäus 12,32

In dieser und in der kommenden Welt

Jesus sagt, die Lästerung gegen den Heiligen Geist werde weder in dieser noch in der kommenden Welt vergeben. Die Überlieferung der Kirche hat daraus geschlossen: Wenn Jesus für diese eine Sünde die Vergebung in der kommenden Welt eigens ausschließt, rechnet er damit, dass andere Sünden dort vergeben werden können. So argumentiert schon Augustinus (De civitate Dei XXI,24); Gregor der Große formuliert denselben Schluss, und der Katechismus übernimmt ihn (KKK 1031). Zusammen mit 1 Kor 3 und dem Gebet für die Verstorbenen stützt das Wort die Lehre von der Läuterung.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Im dunklen Vordergrund beten Menschen, während eine gerettete Gestalt durch reinigendes Licht auf eine offene, strahlende Tür zugeht.
FegefeuerKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Die Wendung Bibel und Textverständnis

Jesus spricht von Vergebung in dieser und in der kommenden Welt

Jesus stellt in seiner Rede über die Lästerung gegen den Heiligen Geist die gegenwärtige und die kommende Welt einander gegenüber.

Wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt.

Auszug aus Mt 12,32 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus sagt, die Lästerung gegen den Geist werde weder in dieser noch in der kommenden Welt vergeben.

Mt 12,32: Zusammenhang und Übersetzung

Im selben Satz stellt Jesus zwei Fälle nebeneinander: Wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem wird vergeben; wer etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben.

Die griechische Formulierung stellt zwei Zeitalter gegenüber und verneint für diese Sünde die Vergebung in beiden. Mit der kommenden Welt setzt Jesus einen zweiten Zeitraum als Bezugsgröße seiner Aussage ein und benennt ihn ausdrücklich neben der gegenwärtigen Welt.

Die griechischen Wörter nachlesen
οὔτε ... ἐν τῷ μέλλοντι
oute ... en tō mellonti · U-te ... en to mel-LON-ti
weder ... in der kommenden

Die Folgerung Glaube und Überlieferung

Was folgt daraus, dass Jesus die Vergebung in der kommenden Welt eigens ausschließt?

Der Katechismus führt den Vers in KKK 1031 im Wortlaut Gregors des Großen an: „Aus diesem Ausspruch geht hervor, daß einige Sünden in dieser, andere in jener Welt nachgelassen werden können.“

Läuterung meint die abschließende Reinigung eines Menschen, der in Gottes Gnade gestorben ist, dessen Reinigung aber noch nicht vollendet ist. Im Deutschen ist für diese Läuterung auch das Wort Fegefeuer üblich.

In der Unterscheidung der beiden Welten ist Vergebung in der kommenden Welt vorausgesetzt, und die Kirche verbindet damit die Einsicht, dass ein Mensch in Gottes Gnade sterben und dennoch einer abschließenden Reinigung bedürfen kann. Diese Folgerung eröffnet keine zweite Chance für den, der in schwerer Sünde ohne Reue stirbt: Wer im Stand der Todsünde stirbt, findet nach der Lehre der Kirche keine Vergebung mehr (KKK 1035). Sie betrifft Menschen, die in Gottes Gnade sterben und denen noch leichte Sünden und die Folgen ihrer Sünden anhaften; von ihnen sagt Gregor der Große, dass es „für gewisse leichte Sünden noch ein Reinigungsfeuer gibt“ (KKK 1031). Neben diesem Wort Jesu nennt der Katechismus 1 Kor 3,15 und 1 Petr 1,7 sowie das Gebet für die Verstorbenen nach 2 Makk 12,45 (KKK 1031–1032).

Quellen zu dieser Frage 1

Die Rückfrage Glaube und Überlieferung

Heißt „weder in dieser noch in der zukünftigen Welt“ einfach: niemals?

Die Wendung lässt sich auch als sprachliches Mittel lesen, das die endgültige Unvergebbarkeit der Sünde gegen den Heiligen Geist ausdrückt.

Markus gibt dasselbe Wort so wieder: „wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften“ (Mk 3,29); bei Lukas heißt es nur: „dem wird nicht vergeben werden“ (Lk 12,10). Nach dieser Lesart meint Matthäus mit den beiden Welten schlicht „niemals“; eine Vergebung nach dem Tod liege gar nicht im Blick.

Die Kirche liest den Wortlaut des Matthäus, der die kommende Welt eigens nennt. Schon Augustinus folgert daraus: Es heißt, „daß manchen weder in diesem noch in jenem Leben Nachlaß zuteil wird; das hat aber doch nur dann einen Sinn, wenn es solche gibt, denen nicht in diesem, wohl aber in jenem Leben Nachlaß zuteil wird“ (De civitate Dei XXI,24). Markus bestätigt die Endgültigkeit für diese eine Sünde; die Folgerung der Kirche betrifft andere Sünden.

Quellen zu dieser Frage 2
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