Sünde zum Tod
Die Sünde zum Tod und die Sünde nicht zum Tod
1 Johannes 5,16–17 nennt eine Sünde zum Tod und eine Sünde, die nicht zum Tod führt. Weitere Worte des Neuen Testaments warnen Glaubende vor dem Abfall. Damit steht die Frage im Raum, wie ernst die Schrift die Möglichkeit eines schweren Falls nimmt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Unterscheidung Bibel und Textverständnis
1 Johannes 5 unterscheidet Sünde zum Tod und Sünde nicht zum Tod
Die Schrift selbst kennt zwei Arten von Sünde nach ihrer geistlichen Folge.
In 1 Johannes 5,16–17 steht der Auftrag zur Fürbitte für eine Sünde, die nicht zum Tod führt, neben der Aussage über eine Sünde zum Tod. Johannes spricht von einem, der „seinen Bruder“ sündigen sieht, also von einem Glied der Gemeinde; für die Sünde, die nicht zum Tod führt, soll er bitten, „und er wird ihm so Leben schenken“. „Leben“ meint im Brief das ewige Leben, das Gott im Sohn geschenkt hat (1 Johannes 5,11–12); wer nicht liebt, „bleibt im Tod“, und wer seinen Bruder hasst, hat kein „ewiges Leben, das in ihm bleibt“ (1 Johannes 3,14–15). Die Sünde zum Tod zerstört also das Leben aus Gott, das ein Glaubender empfangen hat; die andere Sünde lässt es bestehen, und die Fürbitte der Gemeinde kommt dem Sünder zu Hilfe.
Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
Auszug aus Joh 15,1–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus spricht von Reben, die abgeschnitten und verbrannt werden.
Gewiss, wegen des Unglaubens wurden sie herausgebrochen. Du aber stehst durch den Glauben. Sei daher nicht überheblich, sondern fürchte dich!
Auszug aus Röm 11,20–22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus warnt die Gemeinde: Wer steht, soll sich nicht überheben, sondern fürchten.
Denn es ist unmöglich, jene, die einmal erleuchtet worden sind, die von der himmlischen Gabe genossen und Anteil am Heiligen Geist empfangen haben, die das gute Wort Gottes und die Kräfte der kommenden Weltzeit gekostet haben, dann aber abgefallen sind, erneut zur Umkehr zu bringen; da sie den Sohn Gottes noch einmal für sich ans Kreuz schlagen und zum Gespött machen.
Auszug aus Hebr 6,4–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hebräerbrief spricht von Menschen, die erleuchtet worden sind und Anteil am Heiligen Geist empfangen haben, und rechnet damit, dass sie abfallen können.
Denn wenn sie den Schandtaten der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Retters Jesus Christus entkommen sind, in diese sich aber wieder verstricken und ihnen unterliegen, dann steht es mit ihnen am Ende schlimmer als vorher.
Auszug aus 2 Petr 2,20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Zweite Petrusbrief beschreibt den Fall nach empfangener Erkenntnis.
Wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, gibt es für diese Sünden kein Opfer mehr.
Auszug aus Hebr 10,26–31 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hebräerbrief warnt vor dem Gericht nach bewusster Sünde.
Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht fällt.
Auszug aus 1 Kor 10,12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus warnt: Wer zu stehen meint, soll aufpassen, dass er nicht fällt.
Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.
Auszug aus 1 Kor 11,27–30 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus warnt vor unwürdigem Empfang des Herrenmahls und verbindet ihn mit Gericht.
Ebenso ernst sind die Warnungen, die sich an Menschen innerhalb der Glaubensgemeinschaft richten. Johannes 15 spricht von Reben, die „an mir“ sind und dennoch abgeschnitten und ins Feuer geworfen werden. Der Römerbrief verbindet den Stand im Glauben mit der Mahnung, nicht überheblich zu werden, sondern sich zu fürchten. Der Erste Korintherbrief mahnt die Gemeinde, den eigenen Stand nicht für selbstverständlich zu halten, und warnt vor einem unwürdigen Empfang, der Gericht nach sich zieht. Der Hebräerbrief spricht von Erleuchteten, die abgefallen sind, und von vorsätzlicher Sünde nach empfangener Erkenntnis. Der Zweite Petrusbrief beschreibt den Rückfall eines Menschen, der die Wahrheit bereits erkannt hatte, und der Erste Timotheusbrief spricht von manchen, die „im Glauben Schiffbruch erlitten haben“ (1 Timotheus 1,19). Im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht wird die schon erlassene Schuld wieder eingefordert (Matthäus 18,32–35), und schon Ezechiel sagt vom Gerechten, der sich abkehrt und Unrecht tut: „Keine seiner gerechten Taten wird ihm angerechnet“ (Ezechiel 18,24). Gottes Gnade ist wirklich gegeben, und der Mensch kann sich ihr in schwerer Weise widersetzen; darum ist die Warnung vor dem Fall ein echter Ruf zur Treue.
Die Warnungen Glaube und Überlieferung
Die Warnungen meinen den Verlust der Gemeinschaft mit Christus
Die Kirche lehrt, dass ein Mensch die empfangene Gemeinschaft mit Christus durch schwere Sünde wirklich verlieren kann.
Der Katechismus bezeichnet die Unterscheidung von Todsünde und lässlicher Sünde als schon in der Schrift erkennbar und von der Überlieferung der Kirche übernommen (KKK 1854).
In dieser Unterscheidung zerstört die Todsünde die Liebe, während die lässliche Sünde die Liebe verletzt und bestehen lässt (KKK 1855). Wann eine Sünde diese tödliche Schwere hat, bestimmt die Kirche mit drei Bedingungen; ihre Begründung entfaltet der Schritt „Schwere Materie, volle Erkenntnis und bedachte Zustimmung“. Das Konzil von Trient hat die Behauptung verworfen, es gebe keine Todsünde außer dem Unglauben, und ebenso die Behauptung, die empfangene Gnade gehe durch keine andere schwere Sünde verloren (Sitzung VI, Kapitel 15 und Kanon 27). Johannes Paul II. hat diese Lehre bekräftigt: Wer eine Todsünde begeht, verliert die heiligmachende Gnade, auch wenn er im Glauben bleibt (Veritatis splendor 68). Die Warnung bleibt darum ein Ruf zur Wachsamkeit und zur Umkehr, und die Umkehr schließt die Vergebung ein.
Die Rückfrage Glaube und Überlieferung
Betreffen die Warntexte nur Scheingläubige oder irdische Folgen?
Ein verbreitetes Erklärungsmodell versteht die Warntexte als Aussagen über Scheingläubige, über irdische Folgen oder über den Verlust von Lohn.
Die reformierte Lehre von der Beharrlichkeit der Heiligen sagt: Wer von Gott wirksam berufen und geheiligt ist, kann weder ganz noch endgültig aus dem Stand der Gnade fallen. Gott bewahrt ihn durch sein Wort, auch durch dessen Mahnungen, Drohungen und Verheißungen, und durch die Sakramente; schwere Sünden von Glaubenden ziehen Gottes Missfallen, Verlust an Trost und zeitliche Gerichte nach sich, und wer endgültig abfällt, war nicht wirklich berufen (Westminster-Bekenntnis XVII; Dordrechter Lehrsätze V). Als Schriftgrund nennt diese Lehre Verheißungen wie „niemand wird sie meiner Hand entreißen“ (Johannes 10,28), Römer 8,38–39 und Philipper 1,6; die Abgefallenen versteht sie nach 1 Johannes 2,19: „wenn sie zu uns gehörten, wären sie bei uns geblieben“. Davon zu unterscheiden ist die sogenannte bedingungslose Heilssicherheit, die das Heil eines einmal Bekehrten für unverlierbar hält, ohne das Beharren im Glauben als dessen notwendiges Kennzeichen zu verstehen.
Die Warntexte sprechen Menschen an, die zur Gemeinde gehören, und beschreiben sie mit den Merkmalen echten Glaubens: Sie haben „Anteil am Heiligen Geist empfangen“ (Hebräer 6,4), sind den Schandtaten der Welt „durch die Erkenntnis des Herrn und Retters Jesus Christus entkommen“ (2 Petrus 2,20) und sind Reben „an mir“ (Johannes 15,2). Auch wer die Warnungen als Mittel versteht, durch die Gott bewahrt, setzt voraus, dass das Angedrohte den Angesprochenen wirklich treffen kann; sonst verlöre die Warnung ihren Ernst. Die Verheißungen der Bewahrung sind wahr und begründen feste Hoffnung: Niemand entreißt Christus die Schafe, die auf seine Stimme hören und ihm folgen (Johannes 10,27–28), und keine Macht und kein Geschöpf kann von der Liebe Gottes scheiden (Römer 8,38–39). Diese Verheißungen schützen vor jeder fremden Macht und gelten denen, die hören und folgen; die Warntexte sprechen von der Abkehr, die vom Menschen selbst ausgeht. 1 Johannes 2,19 meint die Gegner, die der Brief „Antichriste“ nennt (1 Johannes 2,18), und Jesus selbst spricht von Menschen, von denen gilt: „Eine Zeit lang glauben sie, doch in der Zeit der Prüfung werden sie abtrünnig“ (Lukas 8,13).
Darum lehrt die Kirche verbindlich, dass ein Gerechtfertigter die Gnade durch schwere Sünde verlieren kann, und weist die Behauptung zurück, wer falle, sei nie wirklich gerechtfertigt gewesen (Konzil von Trient, Sitzung VI, Kanon 23). Zugleich bekennt sie mit der reformierten Tradition, dass das Beharren bis zum Ende ein Geschenk Gottes ist, um das der Glaubende in fester Hoffnung bittet (Sitzung VI, Kapitel 13; KKK 2016).