SCRIPTURA PLENA

Scriptura Plena

FaithOSUnterstützenImpressumDatenschutz

Einheit und Wahrheit

Einheit und Wahrheit gehören zusammen

Die Einheit der Christen hat ihren Ursprung in Gott und ihre Grundlage im gemeinsamen Glauben. Wer die Einheit sucht, sucht deshalb zugleich die Wahrheit, und wer die Wahrheit bewahrt, bleibt auf die Gemeinschaft hin ausgerichtet. Die folgenden Zeugnisse entfalten diesen Zusammenhang Schritt für Schritt.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Apostel und Älteste sitzen an einem runden Tisch; über ihrer Versammlung steigt eine helle Flammenform auf, fern liegt eine Stadt.
KircheKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Gemeinschaft mit dem Vater Bibel und Textverständnis

Die Einheit der Glaubenden ruht in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und in der gemeinsamen Glaubenswirklichkeit

Zwei Schriftstellen nennen den Ursprung und die Grundlagen der Einheit der Christen.

So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.

Auszug aus Joh 17,23 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Joh 17,20–23 gründet die Einheit der Glaubenden in ihrer Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und stellt sie in den Zusammenhang ihres gemeinsamen Zeugnisses.

Joh 17,20–23: Zusammenhang und Übersetzung

In Johannes 17,20–23 bittet Christus um die Einheit der Glaubenden in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. In diesem Gebet erscheint die Einheit als Wirklichkeit, die in der Gemeinschaft mit Gott selbst wurzelt und die Glaubenden in dieser Gemeinschaft verbindet. Die Einheit kommt von Gott her, und Christi Gebet trägt diese Einheit in sich.

Vers 3: und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!

Vers 4: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung:

Vers 5: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,

Vers 6: ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

Auszug aus Eph 4,3–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Eph 4,3–6 verbindet die zu wahrende Einheit mit dem einen Leib, dem einen Geist, dem einen Herrn, dem einen Glauben und der einen Taufe.

Eph 4,3–6: Zusammenhang und Übersetzung

Epheser 4,3–6 spricht von der zu wahrenden Einheit und zählt den einen Glauben und die eine Taufe zu ihren Grundlagen. So gewinnt die Einheit einen greifbaren Inhalt, weil sie an das gebunden ist, was die Christen gemeinsam glauben und gemeinsam empfangen haben. Beide Stellen zusammen zeigen, woher die Einheit kommt und worin sie wurzelt: in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und in der gemeinsamen Glaubenswirklichkeit. Ob eine einzelne umstrittene Lehrfrage die Gemeinschaft trennen darf, lässt sich nur beantworten, wenn diese Zeugnisse mit der Lehre der Kirche zusammen gelesen werden.

Volle Gemeinschaft und Glaubenswahrheit Glaube und Überlieferung

Die Kirche hält die Suche nach voller Gemeinschaft und die klare Bewahrung der Glaubenswahrheit zusammen

Die Kirche liest die Schriftstellen im Zusammenhang von Einheit, Wahrheit und Identität der Kirche.

Die Kirche liest das Gebet Jesu um die Einheit so, dass die Einheit der Jünger mit ihrer gemeinsamen Erkenntnis des Vaters und des Sohnes verbunden ist. Einheit erhält dadurch ihren Inhalt aus der Wahrheit. Denselben Zusammenhang liest die Kirche in der Stelle von der einen Taufe und dem einen Glauben: Die Einheit ist an die gemeinsame Glaubenswirklichkeit gebunden. Darum gehören die Suche nach voller Gemeinschaft und die klare Bewahrung der Glaubenswahrheit zusammen und bilden eine gemeinsame Aufgabe.

Unitatis redintegratio 11 (UR 11), das Dekret über den Ökumenismus, verlangt, die katholische Lehre vollständig und klar vorzulegen, und benennt den falschen Irenismus als Gefahr, also eine Einheit, die Unterschiede um des Friedens willen verwischt. Ut unum sint 18–20 und 32 (UUS) verbindet den ökumenischen Dialog mit unverkürzter Wahrheit und mit der Identität der Kirche. Daraus folgt: Jede einzelne Lehrfrage wird daraufhin geprüft, ob der behauptete Gegensatz tatsächlich besteht und welches Gewicht er für die kirchliche Gemeinschaft trägt.

Quellen zu dieser Frage 3

Gewicht einer Lehrdifferenz Glaube und Überlieferung

Kann eine ernsthafte Lehrdifferenz die Trennung von der kirchlichen Gemeinschaft rechtfertigen?

Der Einwand nimmt den Vorrang der Wahrheit ernst und fragt, welches Gewicht eine Lehrdifferenz für die Gemeinschaft trägt.

Der Einwand lautet: Die Forderung nach Einheit trägt ihr eigenes Gewicht, und eine einzelne Lehrfrage trägt das ihre. Wenn eine Lehre dem Evangelium widerspricht, verlangt die Wahrheit den Vorrang vor einem institutionellen Frieden, und eine ernsthafte Lehrdifferenz erscheint dann als Grund für die Trennung.

Dieser Einwand trifft einen entscheidenden Punkt: Ein wirklicher Widerspruch zur Wahrheit verlangt, ernst genommen zu werden, und Einheit wächst aus dem offen ausgesprochenen Bekenntnis, während das Verschweigen von Lehren sie aushöhlt. Die Kirche antwortet aus ihrem eigenen Zeugnis: Die Wahrheit Christi hat Vorrang, und gerade deshalb rechtfertigt eine Lehrdifferenz nicht die Trennung von der Kirche. Die eine Kirche Christi ist in der katholischen Kirche verwirklicht (LG 8), und allein durch sie ist die ganze Fülle der Heilsmittel zugänglich (UR 3; KKK 816); die Trennung von ihr widerspricht dem Willen Christi und bleibt eine Wunde in der Einheit der Christen (UR 1–3). Wer eine Lehre für evangeliumswidrig hält, ist an die Prüfung am Wort Gottes in der Gemeinschaft der Kirche gewiesen, nicht an den Bruch dieser Gemeinschaft, den die Kirche Schisma nennt (KKK 2089); den heute in getrennten Gemeinschaften Geborenen wird die Schuld der Trennung nicht zugerechnet (UR 3; KKK 818). Darum legt die Kirche die katholische Lehre vollständig und klar vor und führt den Dialog mit unverkürzter Wahrheit (UR 11; UUS 18–20 und 32).

Quellen zu dieser Frage 5
← Zur Übersicht: Kirche