Vier Kennzeichen der Kirche
Für alle Völker gesandt
Die Sendung des auferstandenen Christus gilt allen Völkern, und die Offenbarung zeigt das vollendete Gottesvolk aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Drei Schriftstellen, die Lehre der Kirche und ein Einwand zeigen, worin die Katholizität der Kirche gründet.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Sendung an alle Völker Bibel und Textverständnis
Die angeführten Stellen bezeugen die Sendung an alle Völker
Matthäus, die Apostelgeschichte und die Offenbarung zeigen dieselbe Weite: eine Sendung, die alle Völker erreicht.
Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
Auszug aus Mt 28,19–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Der auferstandene Christus sendet die Jünger zu allen Völkern und verheißt seine Gegenwart.
In Matthäus 28,18–20 trägt der auferstandene Christus seinen Jüngern die Sendung zu allen Völkern auf und verheißt ihnen seine Gegenwart bis zum Ende des Zeitalters. Die Sendung selbst trägt diese Weite: sie gilt allen Völkern und reicht über jede Generation hinaus.
ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
Auszug aus Apg 1,8 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Die Jünger sollen als Zeugen Christi bis an die Grenzen der Erde wirken.
Danach sah ich und siehe, eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen.
Auszug aus Offb 7,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Vor Gottes Thron steht eine unzählbare Menge aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen.
Die Apostelgeschichte beschreibt denselben Horizont als Zeugenschaft von Jerusalem bis an die Grenzen der Erde (Apg 1,8). Die Offenbarung 7,9 zeigt das vollendete Gottesvolk als eine große Schar aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Damit ist bezeugt, dass die Kirche ihrem Auftrag nach von Anfang an auf die ganze Menschheit ausgerichtet ist.
Weltweite Sendung und Heilsmittel Glaube und Überlieferung
Die Kirche lehrt: katholisch ist sie, weil Christus in ihr gegenwärtig und sie mit der Fülle der Heilsmittel zu allen Völkern gesandt ist
Die Kirche lehrt ihre Katholizität als Gegenwart Christi und als Sendung, die die ganze Welt und alle Zeiten umfasst.
Die Kirche lehrt, dass sie katholisch ist, weil Christus in ihr gegenwärtig ist und sie mit der Fülle der von ihm geschenkten Heilsmittel zu allen Völkern gesandt ist. „Katholisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang allumfassend oder universal und bezeichnet die Gesamtkirche.
Diese Katholizität umfasst die ganze Welt und alle Zeiten; sie wird in der Geschichte ausgebreitet und in der Einheit des Gottesvolkes vollendet. Die Gesamtkirche wird in der Gemeinschaft der Teilkirchen greifbar, die mit dem Bischof von Rom verbunden sind; Lumen gentium 23 beschreibt diese Einheit. Weil diese Lehre Zugehörigkeit und Leitung berührt, folgt der Einwand.
Martyrium des Polykarp
Sobald er sein Gebet beendet und alle erwähnt hatte, die irgendwann mit ihm in Berührung gekommen waren, die Kleinen und die Großen, die Angesehenen und die Unbekannten, ebenso die ganze katholische Kirche auf der ganzen Welt, war die Stunde seines Aufbruchs gekommen.
Martyrium des Polykarp · Martyrium Polycarpi, Anschrift und 8,1 · Primärtext↗Das Martyrium des Polykarp spricht von der katholischen Kirche, die über die ganze Welt verbreitet ist. Damit bezeugt der frühe Text die Kirche als weltweite Gemeinschaft, die über eine einzelne Ortsgemeinde hinausreicht.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der Bericht über das Martyrium des Polykarp richtet sich schon in seiner Anschrift an alle Gemeinden der heiligen und katholischen Kirche. Er erzählt, wie Polykarp vor seiner Verhaftung zwei Stunden lang stehend betete und dabei aller gedachte, mit denen er je in Berührung gekommen war, und der ganzen katholischen Kirche auf der ganzen Welt.
Historischer Text
Die Kirche Gottes, die in Smyrna weilt, an die Kirche Gottes, die in Philomelium weilt, und an alle Gemeinden der heiligen und katholischen Kirche an allen Orten. […] Sobald er sein Gebet beendet und alle erwähnt hatte, die irgendwann mit ihm in Berührung gekommen waren, die Kleinen und die Großen, die Angesehenen und die Unbekannten, ebenso die ganze katholische Kirche auf der ganzen Welt, war die Stunde seines Aufbruchs gekommen. Da setzten sie ihn auf einen Esel und führten ihn in die Stadt; es war der Tag des großen Sabbats.
Vollständigen historischen Text öffnen: Martyrium des PolykarpWarum diese Stelle wichtig ist
Das frühe Zeugnis nennt die katholische Kirche auf der ganzen Welt im Gebet des Bischofs Polykarp und ergänzt damit die biblische Sendungsperspektive um ihre weltweite Gestalt.
Weite des Namens katholisch Glaube und Überlieferung
Beweist „katholisch“ römische Zugehörigkeit und Leitungsansprüche?
Der Einwand fragt, ob der Begriff „katholisch“ römische Zugehörigkeit und die Ansprüche einer kirchlichen Leitung beweise. Er beruft sich auf das Westminster-Bekenntnis des reformierten Zweigs der Christenheit (WCF), das in Kapitel XXV die unsichtbare Kirche der Erwählten „catholick or universal Church“ nennt, auch die sichtbare Kirche katholisch nennt und ein Haupt der Kirche neben Christus, auch den Bischof von Rom, ablehnt.
Der Einwand lautet: Der Begriff „katholisch“ bezeichnet die Gemeinschaft aller, die der Heilige Geist verbindet; aus dem Wort folgen keine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ortskirche und keine Leitungsansprüche.
„Katholisch“ bedeutet allumfassend im Sinn von ganz und vollständig. Die Kirche ist katholisch, weil in ihr Christus zugegen ist und sie von ihm die Fülle der Heilsmittel empfängt: das richtige und ganze Glaubensbekenntnis, das vollständige sakramentale Leben und das geweihte Dienstamt in der apostolischen Sukzession (KKK 830); schon Ignatius von Antiochien schreibt: „Wo Christus Jesus ist, ist die katholische Kirche“ (Smyrnäer 8,2). Die angeführten Schriftstellen begründen ihre Universalität mit der Sendung an alle Völker, der Zeugenschaft bis an die Grenzen der Erde und der endzeitlichen Sammlung aus allen Nationen. Diese eine katholische Kirche besteht in und aus den Teilkirchen (Lumen gentium 23), und die Teilkirchen sind im Vollsinn katholisch durch die Gemeinschaft mit der Kirche von Rom, die nach Ignatius „den Vorsitz in der Liebe führt“; nach Irenäus muss jede Kirche mit ihr „wegen ihres besonderen Vorranges“ übereinstimmen (KKK 834). Der Primat, also die Hirtengewalt des Bischofs von Rom über die ganze Kirche, ist der Dienst, in dem diese Einheit greifbar wird. So beantwortet die Kirche die Frage: „Katholisch“ bezeichnet die ganze und vollständige Kirche, und diese Kirche ist in der Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom gegenwärtig.