SCRIPTURA PLENA

Scriptura Plena

FaithOSUnterstützenImpressumDatenschutz

Maria von Nazaret

Mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen

Die Kirche bekennt, dass Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, und sie bekennt darin die endgültige Verherrlichung eines ganzen Menschen durch Christus. Diese Lesehilfe geht den Zeugnissen nach, die diesen Glauben tragen: den Schriftstellen, die von Auferstehung, leiblicher Vollendung und der Gegenwart Gottes sprechen, der Weise, wie die Kirche diese Stellen liest, und der Anfrage, die nach einem erzählenden Bericht im Neuen Testament sucht.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Eine Marienfigur im blauen Mantel hält warmes Licht; dahinter liegen Gartenbogen, zwölf kleine Lichter und ein Weg zum Sonnenaufgang.
MariaKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Auferstehung und Verherrlichung Bibel und Textverständnis

Die angeführten Stellen eröffnen den Horizont von Auferstehung und leiblicher Verherrlichung

Die Schriftstellen bezeugen die Hoffnung auf leibliche Vollendung und führen Bilder zusammen, in denen die Kirche Maria liest.

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.

Auszug aus 1 Kor 15,20.22 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Christus ist der Erstling der Entschlafenen; die Auferstehung folgt in einer geordneten Folge.

1 Kor 15,20–23: Zusammenhang und Übersetzung

Die Toten werden als Unverwesliche auferweckt, wir aber werden verwandelt werden.

Auszug aus 1 Kor 15,52b · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Toten werden auferweckt und die Lebenden verwandelt; das Vergängliche zieht Unvergänglichkeit an.

1 Kor 15,51–54: Zusammenhang und Übersetzung

Der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes.

Auszug aus Phil 3,21 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Christus wird den Leib der Erniedrigung umgestalten und seinem verherrlichten Leib gleichförmig machen.

Phil 3,20–21: Zusammenhang und Übersetzung

Auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.

Auszug aus Röm 8,23 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Glaubenden erwarten als Kinder die Erlösung ihres Leibes.

Röm 8,23: Zusammenhang und Übersetzung

Die er aber vorausbestimmt hat, die hat er auch berufen, und die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Auszug aus Röm 8,30 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Gott bestimmt die Berufenen dazu, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu werden, und verherrlicht sie.

Röm 8,29–30: Zusammenhang und Übersetzung

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Auszug aus Lk 1,48 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Maria sagt voraus, dass alle Geschlechter sie seligpreisen werden.

Lk 1,48: Zusammenhang und Übersetzung

1 Korinther 15,20–23 und 1 Korinther 15,51–54 bezeugen Christus als den Erstling der Entschlafenen und die Verwandlung der Leiber in die Herrlichkeit Gottes. Philipper 3,20–21 bezeugt den Herrn, der den Leib der Niedrigkeit gleichgestaltet dem Leib seiner Herrlichkeit. Römer 8,23 nennt die Erlösung des Leibes als Gegenstand der christlichen Hoffnung, Römer 8,29–30 die Gleichgestaltung mit dem Bild des Sohnes. Lukas 1,48 gibt Marias eigenes Wort wieder, dass alle Geschlechter sie seligpreisen werden; darin liegt ihre bleibende Seligpreisung in der Kirche. Die leibliche Vollendung tragen die übrigen Texte: Sie bezeugen die Auferstehung und die Verherrlichung des Leibes, deren Hoffnung die Kirche mit Maria verbindet.

An jenem Tag bekam David Angst vor dem HERRN und er sagte: Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?

Auszug aus 2 Sam 6,1–15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

David bringt die Bundeslade, das Zeichen der Gegenwart Gottes, unter Jubel in die Stadt Davids hinauf.

2 Sam 6,1–15: Zusammenhang und Übersetzung

Vers 39: In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

Auslassung im Bibeltext.

Vers 41: Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt.

Auslassung im Bibeltext.

Vers 43: Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

Vers 44: Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

Auslassung im Bibeltext.

Vers 56: Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Auszug aus Lk 1,39; 41; 43–44; 56 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Maria besucht Elisabet; sie wird seliggepriesen und verkündet im Magnificat Gottes großes Handeln.

Lk 1,39–56: Zusammenhang und Übersetzung

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

Auszug aus Offb 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Eine Frau erscheint als Zeichen und steht mit ihrem Kind im Konflikt mit dem Drachen.

Offb 12: Zusammenhang und Übersetzung

Der Zusammenhang von 2 Samuel 6 mit Lukas 1,39–56 und die Frau in Offenbarung 12 führen konkrete biblische Parallelen zusammen: die Bundeslade im Zusammenhang mit Gottes Gegenwart, Lukas' Darstellung Marias und die Frau mit dem messianischen Kind. Typologie heißt, eine frühere Stelle als Vorausbild eines späteren Geschehens zu lesen; so zeigt sich, wie die Kirche Maria im Zusammenhang von Gottes Gegenwart, Christi Geburt und der Hoffnung der Kirche liest. Damit ist der Horizont benannt: Auferstehung, leibliche Verherrlichung und die Gegenwart Gottes in seinem Volk.

Hoffnung der Kirche Glaube und Überlieferung

Die Kirche liest Marias Verherrlichung im Zusammenhang mit Christus und der Hoffnung der Kirche

Lumen gentium und der Katechismus der Katholischen Kirche bezeugen die Aufnahme Mariens im Zusammenhang mit Christus und mit der Kirche.

Das kirchliche Dokument Lumen gentium (lateinisch für „Licht der Völker“, abgekürzt LG) empfängt Marias Verherrlichung in den Nummern 59 und 68 im Zusammenhang mit Christus und der Hoffnung der Kirche. Der Katechismus der Katholischen Kirche (abgekürzt KKK) formuliert in Nummer 966 die Lehre von ihrer Aufnahme mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit. Beide Zeugnisse nehmen die Schriftstellen aus dem ersten Schritt auf: die Auferstehungshoffnung der paulinischen Texte, Marias Seligpreisung und die typologischen Bezüge, gelesen im Licht der apostolischen Glaubensüberlieferung.

Pius XII. definierte diese Lehre 1950 in dem Dokument Munificentissimus Deus verbindlich: Maria wurde nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen (Nummern 40 sowie 44–45). Diese Definition klärt die Lehre, die in diesem biblischen und kirchlichen Zusammenhang steht, und bewahrt und präzisiert damit die apostolische Glaubensüberlieferung. Die Auferstehungstexte eröffnen die Hoffnung auf leibliche Vollendung, die typologischen Bilder zeigen die Gegenwart Gottes, die Überlieferung spricht die Lehre verbindlich aus.

Schriftstellen, typologische Bezüge und Überlieferung tragen diese Lehre gemeinsam. Offen ist noch, warum das Neue Testament von der Aufnahme Mariens nicht erzählt.

Quellen zu dieser Frage 3

Spuren im Neuen Testament Glaube und Überlieferung

Wo steht die Aufnahme Mariens im Neuen Testament?

Der Einwand fragt, wo das Neue Testament von einem Ereignis der Aufnahme Mariens erzählt, und liest Offenbarung 12 als Bild des Gottesvolkes. Die Kirche antwortet mit dem Zusammenhang, den die Zeugnisse der beiden vorigen Schritte bilden.

1 Korinther 15, Philipper 3 und Römer 8 bezeugen die Auferstehung und die Verherrlichung des Leibes; die Bundeslade in 2 Samuel 6 zeigt die Gegenwart Gottes, die Frau in Offenbarung 12 führt den Sieg Christi vor Augen. Die kirchliche Überlieferung nimmt diese Auferstehungshoffnung und diese Bezüge auf, und Munificentissimus Deus klärt 1950 verbindlich, dass Maria an der leiblichen Herrlichkeit bereits teilhat. So steht die Aufnahme Mariens in einem biblisch und kirchlich gefüllten Zusammenhang: Was die Schriftstellen als Hoffnung bezeugen, bekennt die Kirche an Maria als Wirklichkeit; die Frau der Offenbarung umfasst nach dem Verständnis der Kirche das Gottesvolk und die Mutter des Messias.

Die Kirche gelangt von der allgemeinen Auferstehungshoffnung zu dieser Aussage, weil sie die Schrift auf die Verbindung Mariens mit ihrem Sohn hin liest und diese Verbindung durch die Überlieferung bezeugt findet. Das Neue Testament erzählt die Aufnahme Mariens nicht. Nach Munificentissimus Deus stützen sich alle Beweise und Erwägungen der Väter und Theologen auf die Heilige Schrift als ihre letzte Grundlage: Sie zeigt die Mutter Gottes aufs engste mit ihrem Sohn verbunden und immer sein Los teilend (Nr. 38). Seit dem 2. Jahrhundert nennen die Väter Maria die neue Eva: dem neuen Adam unterworfen und aufs engste mit ihm verbunden im Kampf gegen den Feind. Dieser Kampf endet nach dem Protoevangelium (Gen 3,15) mit dem vollständigen Sieg über Sünde und Tod. Wie die Auferstehung Christi Teil und Zeichen dieses Sieges war, so sollte der gemeinsame Kampf mit der Verherrlichung ihres jungfräulichen Leibes enden; die Konstitution beruft sich dafür auf das Pauluswort „Verschlungen ist der Tod vom Sieg“ (1 Kor 15,54; Nr. 39). Als Krönung ihrer Vorzüge wurde die unbefleckt Empfangene, Jungfrau in ihrer Gottesmutterschaft und Gefährtin des Erlösers, vor der Verwesung des Grabes bewahrt und mit Leib und Seele in die Herrlichkeit aufgenommen (Nr. 40).

Pius XII. legt diese Lehre als von Gott geoffenbartes Dogma vor (Nr. 44). Mit der Wendung von der Vollendung ihres irdischen Lebenslaufs lässt die Definition offen, ob Maria vorher gestorben ist. Der Katechismus nennt die Aufnahme „eine einzigartige Teilhabe an der Auferstehung ihres Sohnes und eine Vorwegnahme der Auferstehung der anderen Christen“ und zitiert dazu den byzantinischen Gesang zum Fest der Entschlafung am 15. August: „Bei deiner Niederkunft hast du die Jungfräulichkeit bewahrt, bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen, o Mutter Gottes“ (KKK 966). In diesem Gesang bekennt die Ostkirche dieselbe Hoffnung: die Verherrlichung eines ganzen Menschen durch Christus, die allen Christen verheißen ist.

Quellen zu dieser Frage 4
← Zur Übersicht: Maria