SCRIPTURA PLENA

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Maria, die Fürsprecherin

In Kana trägt Maria die Not zu Christus, und Christus handelt

Bei der Hochzeit in Kana fehlt der Wein. Maria bemerkt es und bringt diese Not zu Jesus. Damit tritt eine Haltung hervor, die die Kirche Fürsprache nennt: jemand nimmt eine Not wahr und trägt sie zu Gott.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Eine Marienfigur im blauen Mantel hält warmes Licht; dahinter liegen Gartenbogen, zwölf kleine Lichter und ein Weg zum Sonnenaufgang.
MariaKI-generierte Illustration
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Der Mangel zu Kana Bibel und Textverständnis

Maria bringt den Mangel vor Jesus und weist die Diener auf sein Wort hin

Johannes 2,1–11 berichtet, wie Maria eine konkrete Not zu Jesus trägt, wie er aus eigener Freiheit handelt und wie das Zeichen seine Herrlichkeit offenbart.

Vers 3: Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

Vers 4: Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Vers 5: Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!

Auslassung im Bibeltext.

Vers 11: So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.

Auszug aus Joh 2,3–5.11 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Maria weist Jesus auf den fehlenden Wein hin, weist die Diener auf sein Wort und steht in der Szene des ersten Zeichens Jesu.

Joh 2,1–11: Zusammenhang und Übersetzung

Bei der Hochzeit in Kana bemerkt Maria, dass der Wein fehlt, und teilt diese Not Jesus mit. Jesus antwortet: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Damit ordnet er Marias Bitte seiner Stunde zu, weist sie aber nicht ab: Er handelt aus eigener Freiheit und wirkt das Zeichen. Maria weist die Diener auf sein Wort hin. Auf sein Wort hin wird Wasser zu Wein: das erste Zeichen, das seine Herrlichkeit offenbart und die Jünger zum Glauben führt.

In dieser Abfolge zeigt sich eine besondere Gestalt der Fürsprache. Maria nimmt eine konkrete Not wahr, trägt sie zu Christus und lässt ihm die Weise des Handelns; die Antwort und das Zeichen gehen vollständig von ihm aus. Zugleich richtet sie den Blick der anderen auf seinen Auftrag: Die Diener gehorchen seinem Wort, und die Jünger kommen durch das Zeichen zum Glauben. Marias Handeln empfängt seine Bedeutung daraus, dass es zu Jesus führt und seinem Wort Raum gibt; sie wirkt an seiner Sendung teilnehmend mit, während Christus allein die rettende Wirksamkeit des Zeichens trägt. Damit bezeugt die Stelle eine biblische Grundlage der Fürsprache: Die Not kommt zu Jesus, und sein Wort wirkt.

Fürsprache und Mittlerschaft Glaube und Überlieferung

Die Kirche lehrt die Fürsprache Marias als Teilnahme an der Sendung Christi, der der eine Mittler ist

Die Kirche liest die Szene von Kana innerhalb ihrer Lehre über Christus und Maria: Marias Fürsprache führt zu Christus hin, und Christus ist der eine Mittler.

Die Kirche liest die Erzählung von Kana als biblischen Grund der Fürsprache Marias und ordnet sie in ihre Lehre über Christus und Maria ein. Sie bekennt Christus als den einen Mittler; er allein trägt die rettende Wirksamkeit des Zeichens. Marias Anteil ist Teilnahme an seiner Sendung: Sie bringt die Not zu ihm und weist auf sein Wort, und ihre Fürsprache gewinnt ihre Bedeutung daraus, dass sie zu ihm hinführt.

In dieser Ordnung liegt alles Heil bei Christus, und Marias Dienst richtet den Blick der Menschen auf ihn. Lumen gentium 58 sagt, Maria habe in Kana „den Anfang der Zeichen Jesu als des Messias durch ihre Fürbitte veranlaßt“, und der Katechismus nennt Kana als Beispiel dafür, wie Maria „Fürbitte einlegt“ (KKK 2618). Was die Szene zeigt, führt die Kirche in ihrer Verkündigung weiter: Die Not der Menschen kommt zu Christus, sein Wort schafft das Zeichen, und der Glaube antwortet darauf.

Quellen zu dieser Frage 3

Der eine Mittler Glaube und Überlieferung

Widerspricht die Bitte an Maria dem einen Mittler Christus?

Der Einwand hat ein Gewicht, das aus der Schrift selbst kommt: Einer ist der Mittler zwischen Gott und Menschen. Die Kirche antwortet, dass die Fürbitte der Glieder des Leibes aus der Mittlerschaft Christi lebt und dass der Tod die Gemeinschaft der Heiligen nicht beendet. An Maria zeigt sich beides zusammen: Was sie in Kana tat, setzt sie nach dem Zeugnis der Kirche im Himmel fort.

Das Augsburger Bekenntnis legt den Einwand in seiner stärksten Gestalt vor. Artikel XXI will, dass man der Heiligen gedenkt, um den Glauben zu stärken und sich an ihren guten Werken ein Beispiel zu nehmen. Aus der Schrift lasse sich aber nicht beweisen, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll, denn Christus sei der einzige Mittler und Fürsprecher vor Gott. Der Schriftgrund steht im ersten Timotheusbrief: „Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus“ (1 Tim 2,5). Hinzu kommt eine Beobachtung am Johannesevangelium. In Kana bringt Maria die Not der Hochzeitsgesellschaft vor Jesus, und der Abschnitt berichtet von dieser Fürsprache zu ihren Lebzeiten; von einer Bitte aus dem Himmel ist dort nicht die Rede.

Der Zusammenhang, in dem der Satz vom einen Mittler steht, verändert die Antwort. Wenige Verse davor schreibt Paulus: „Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen“ (1 Tim 2,1). Die Gemeinde soll für alle Menschen eintreten, und dieser Auftrag steht in demselben Gedankengang wie das Bekenntnis zum einen Mittler. Das Gebet des einen für den anderen ist für Paulus kein Gegensatz zur Einzigkeit Christi. Es wächst aus ihr: Wer den einen Mittler erkannt hat, betet im Kreis derer, die durch ihn Zugang zu Gott haben, und nimmt am Gebet des Leibes Christi teil.

Die Kirche unterscheidet deshalb zwischen der Mittlerschaft Christi und der Fürbitte seiner Glieder, ohne beide zu trennen. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: „so schließt auch die Einzigkeit der Mittlerschaft des Erlösers im geschöpflichen Bereich eine unterschiedliche Teilnahme an der einzigen Quelle in der Mitwirkung nicht aus, sondern erweckt sie“ (LG 62). Von Maria heißt es: „Marias mütterliche Aufgabe gegenüber den Menschen aber verdunkelt oder mindert diese einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise, sondern zeigt ihre Wirkkraft“ (LG 60). An Maria wird also sichtbar, wie wirksam die Mittlerschaft Christi ist: Was sie erbittet, erbittet sie durch ihn, und ihr Dienst verweist auf ihn.

Der Tod beendet diese Gemeinschaft nicht. Das Konzil bekennt von der Mutter des Herrn: „In den Himmel aufgenommen, hat sie diesen heilbringenden Auftrag nicht aufgegeben, sondern fährt durch ihre vielfältige Fürbitte fort, uns die Gaben des ewigen Heils zu erwirken“ (LG 62; vgl. KKK 969). Dieselbe Nummer bestimmt, wie die Anrufung Marias als Fürsprecherin zu verstehen ist: so, „daß es der Würde und Wirksamkeit Christi, des einzigen Mittlers, nichts abträgt und nichts hinzufügt“ (LG 62). Die Bitte an Maria lebt ganz aus der einen Erlösung.

In Kana zeigt sich die Gestalt dieser Fürbitte. Maria bringt eine konkrete Not zu Jesus und führt die Diener zu seinem Wort. Diesen Dienst setzt sie nach dem Zeugnis der Kirche im Himmel fort: Sie trägt die Not der Beter vor Christus und verweist diese auf ihn. Wer sie bittet, wird zu dem geführt, der die Not wendet. Die Bitte an Maria bleibt nicht bei ihr stehen; sie führt in die Gemeinschaft mit Christus hinein.

Der Katechismus zieht daraus die schlichte Folgerung: „Wir können mit ihr beten und sie bitten.“ (KKK 2679) Diese Bitte ist in der Kirche alt. Das Konzil erinnert daran: „Schon seit ältester Zeit wird die selige Jungfrau unter dem Titel der ‚Gottesgebärerin‘ verehrt, unter deren Schutz die Gläubigen in allen Gefahren und Nöten bittend Zuflucht nehmen“ (LG 66). Die eine Mittlerschaft Christi bleibt der Grund, auf dem diese Bitte ruht, und ihr Ziel ist derselbe Christus, zu dem Maria schon in Kana geführt hat.

Quellen zu dieser Frage 4
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