Neue Eva
Maria, die neue Eva: Glaube und Gehorsam als Antwort auf Gottes Wort
Paulus nennt Christus ausdrücklich den letzten Adam. Die frühe Kirche erkennt in Marias gehorsamer Antwort auf Gottes Ruf typologisch die neue Eva – typologisch meint: eine Gestalt der Schrift wird als Vorausbild auf eine spätere hin gelesen. Marias Glaube dient darin dem einzigartigen Erlösungswerk Christi. Diese Spur führt zuerst zu den Schriftstellen, dann zur Lehre der Kirche und schließlich zu dem Einwand, der sich am Wortlaut entzündet.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Genesis, Paulus, Lukas Bibel und Textverständnis
Die Schriftstellen
Die Spur beginnt bei den Stellen selbst: Genesis, Paulus und Lukas bilden das Fundament, auf dem die Kirche ihr Verständnis entfaltet.
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott kündigt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau sowie deren Nachkommen an.
Adam, der ein Urbild des Kommenden ist. Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade.
Auszug aus Röm 5,14b–15a · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus stellt den einen Menschen Adam dem einen Menschen Jesus Christus gegenüber.
Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Auszug aus 1 Kor 15,20.22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Christus wird als Erstling der Auferstandenen genannt.
Adam, der erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der letzte Adam wurde lebendig machender Geist.
Auszug aus 1 Kor 15,45 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus nennt Christus den letzten Adam.
Das Buch Genesis erzählt vom ersten Ungehorsam (Gen 3,6) und verheißt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau (Gen 3,15). Paulus greift diesen Anfang auf und stellt ihm in Römer 5,12–21 den einen Menschen Jesus Christus gegenüber: Durch einen Menschen kommen Sünde und Tod in die Welt, durch Christus Gnade, Gerechtsprechung und Leben; der Ungehorsam des einen wird durch den Gehorsam des einen überwunden. In 1 Korinther 15,20–23 und 15,45–49 nennt Paulus Christus ausdrücklich den letzten Adam, in dem die Toten lebendig gemacht werden.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.
Auszug aus Lk 1,26–38 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Maria antwortet auf die Verkündigung mit gläubigem Gehorsam.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Auszug aus Joh 2,4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus redet Maria als „Frau“ an.
Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Auszug aus Joh 19,26–27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus redet Maria am Kreuz als „Frau“ an und vertraut sie dem Jünger an.
Lukas 1,26–38 zeigt Marias Antwort auf die Verkündigung: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Ihr Ja steht am Anfang der Menschwerdung, durch die Christus als neuer Adam das Heil wirkt. In Johannes 2,4 und Johannes 19,26–27 redet Jesus Maria mit „Frau“ an; diese Anrede verbindet Kana mit der Stunde unter dem Kreuz.
Adam und Christus Glaube und Überlieferung
Die Lehre
Die Kirche liest Marias Gehorsam im Rahmen der Adam-Christus-Struktur und ordnet ihn dem Erlösungswerk Christi zu.
Lumen gentium (LG), die Kirchenkonstitution, entfaltet in LG 56 Marias Glauben und Gehorsam und nimmt die Eva-Maria-Typologie im Anschluss an Irenäus auf. Dieselbe Gegenüberstellung bezeugen bereits um 155 Justin in seinem Dialog mit Tryphon (Kap. 100) und um 180 Irenäus in seinem Werk gegen die Häresien.
LG 61–63 beschreibt Marias Mitwirkung am Heilswerk und ihre Stellung als Typus der Kirche; der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) führt in KKK 494 die Lehre von der neuen Eva im Gehorsam des Glaubens weiter. Die Kirche unterscheidet dabei zwischen dem unmittelbaren Zeugnis von Marias Glauben und der später geklärten typologischen Bezeichnung.
Quellen zu dieser Frage 2
Herkunft der neuen Eva Glaube und Überlieferung
Die Schrift nennt Maria nirgends „neue Eva“: Woher kommt der Titel?
Paulus stellt nur Adam und Christus gegenüber. Stellt ein weibliches Gegenstück Maria nicht neben den einen Erlöser?
Lukas erzählt den persönlichen Glauben einer einzelnen Frau, die auf Gottes Ruf antwortet; Paulus entfaltet die Gegenüberstellung von Adam und Christus ausführlich, ohne Maria zu nennen. Wer Maria die neue Eva nennt, scheint deshalb einen Titel einzuführen, den die Schrift nicht kennt, und Maria neben Christus zu stellen.
Der Titel steht nicht in der Schrift, wohl aber seine Grundlage: Eva hört auf die Schlange und wird ungehorsam (Gen 3,6), Maria hört auf den Engel und antwortet: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Schon Justin um 155 (Dialog mit Tryphon 100) und Irenäus um 180, zwei Generationen nach den Aposteln, stellen beides einander gegenüber. Das Konzil übernimmt es: Der Knoten des Ungehorsams der Eva sei durch den Gehorsam Marias gelöst worden, und Maria sei „in ihrem Gehorsam für sich und das ganze Menschengeschlecht Ursache des Heils geworden“ (LG 56; KKK 494). Dabei diente Maria „unter ihm und mit ihm“ dem Geheimnis der Erlösung (LG 56); Christus allein ist der neue Adam und Erlöser.