Sakramente · Buße und Versöhnung
Der Dienst der Versöhnung
Zwei Stellen des Neuen Testaments tragen die sakramentale Struktur der Buße: die Sendung der Apostel durch den Auferstandenen und der Dienst der Versöhnung, den Gott den Aposteln anvertraut. Die Kirche versteht darin die biblische Grundlage des Bußsakraments, der Feier, in der Christus durch den Priester die Versöhnung mit Gott und der Kirche schenkt. Der Einwand, nur Gott könne Sünden vergeben, kommt im dritten Kapitel zur Sprache.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Sendung und Vergebung Bibel und Textverständnis
Christus sendet die Apostel und verbindet ihre Sendung mit Vergebung und Versöhnung
Was die angeführten Stellen bezeugen: ein Auftrag, der den Umgang mit Sünde und die Versöhnung umfasst.
Auszug aus Joh 20,21–23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 21: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Vers 22: Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Vers 23: Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Was der Text unmittelbar zeigt
Der Auferstandene sendet die Apostel, haucht ihnen den Geist ein und überträgt ihnen das Vergeben und Behalten von Sünden.
Im Johannesevangelium sendet der Auferstandene die Apostel, haucht ihnen den Heiligen Geist ein und überträgt ihnen die Vollmacht, Sünden zu vergeben oder zurückzubehalten. Zurückbehalten heißt hier: die Sünde bleibt bestehen. Der Dienst, den die Apostel empfangen, schließt damit den Umgang mit Sünde ein, und zwar in beide Richtungen: Vergebung und Zurückbehaltung.
Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
Auszug aus 2 Kor 5,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Gott versöhnt in Christus und vertraut den Dienst der Versöhnung an.
Der zweite Korintherbrief nennt daneben den Dienst der Versöhnung, den Gott den Aposteln anvertraut. Damit stehen das Erlassen und Behalten der Sünden (Joh 20,23) und der Dienst der Versöhnung (2 Kor 5,18) nebeneinander als Auftrag, der die Sendung der Apostel begleitet. Zu derselben Sendung gehört die Vollmacht zu binden und zu lösen, die Jesus Petrus und den Jüngern gibt (Mt 16,19; 18,18). Was die Stellen bezeugen, ist ein konkreter kirchlicher Dienst im Umgang mit Sünde und Versöhnung.
Grundlage des Bußsakraments Glaube und Überlieferung
Die Kirche versteht darin die Grundlage des Bußsakraments
Wie die Kirche diese Stellen liest: Christus bleibt die Quelle der Vergebung und wirkt durch den apostolischen Dienst.
Die Kirche versteht darin die biblische Grundlage des Bußsakraments. Christus bleibt die Quelle der Vergebung. Er wirkt jedoch durch den von ihm gesandten apostolischen Dienst, also durch den Dienst, der auf die Apostel zurückgeht. Im Sakrament der Buße schenkt Christus durch den Priester die Versöhnung mit Gott und der Kirche. Der Priester tritt in diesem Geschehen als Diener der Versöhnung auf, die Christus anvertraut hat.
Die Kirche versteht die Vollmacht, Sünden zu vergeben oder zurückzubehalten, als einen unterscheidbaren kirchlichen Dienst. Diese Vollmacht reicht über die allgemeine Aufgabe jedes Christen hinaus, einem Schuldigen die Vergebung Gottes zuzusprechen. Binden und Lösen zeigt die kirchliche Seite dieses Dienstes: Wen die Kirche wieder in ihre Gemeinschaft aufnimmt, den nimmt auch Gott wieder in die Gemeinschaft mit sich auf; die Versöhnung mit der Kirche lässt sich von der Versöhnung mit Gott nicht trennen (KKK 1445). Was die Stellen tragen, ist die sakramentale Struktur der Buße.
Quellen zu dieser Frage 2
Vollmacht zur Sündenvergebung Glaube und Überlieferung
Kann ein kirchliches Amt Sünden vergeben?
Nur Gott könne Sünden vergeben, so der Einwand: Kein Priester und kein kirchliches Amt könne diese Vollmacht besitzen.
Der Einwand spricht aus, was schon die Schriftgelehrten fragten: „Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“ (Mk 2,7). Jesus antwortet, indem er zeigt, „dass der Menschensohn die Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben“ (Mk 2,10), und die Leute preisen Gott, „der solche Vollmacht den Menschen gegeben hat“ (Mt 9,8). Gerade weil Gott allein Sünden vergibt, gibt Christus kraft seiner göttlichen Autorität Menschen diese Vollmacht, damit sie sie in seinem Namen ausüben (KKK 1441). Diese Vollmacht wird im Heiligen Geist und in der Sendung Christi gegeben; sie entsteht nicht aus eigener Verfügung der Amtsträger.
Die Kirche beansprucht deshalb keine Vergebung aus eigener Macht. Sie empfängt den Auftrag, durch den apostolischen Dienst die Versöhnung Christi sakramental zu vermitteln, also in der Feier des Bußsakraments. Der Priester handelt darin als Diener der anvertrauten Versöhnung; die Gnade kommt von Christus. Weil die Apostel Sünden erlassen oder behalten sollen (Joh 20,23), müssen sie sie kennen; darum gehört das Bekenntnis zum Sakrament (KKK 1456).