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Sakramente · Ehe

Die Ehe als Zeichen des Geheimnisses Christi

Jesus verweist bei der Frage nach der Scheidung auf die Schöpfung; Paulus bezieht die Ein-Fleisch-Gemeinschaft auf Christus und die Kirche. Von diesen beiden Stellen her stellt sich die Frage, ob und in welchem Sinn die Ehe ein Sakrament ist.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Brot und Kelch stehen in der Mitte; darum gruppieren sich Wasser, Öl, Ringe, Salbung und Handauflegung, verbunden durch einen Lichtstrom.
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Schöpfung, Christus und Kirche Bibel und Textverständnis

Jesus verweist auf die Schöpfung, Paulus auf Christus und die Kirche

Jesus führt die Einheit der Ehe auf die Schöpfung zurück; Paulus bezieht dieselbe Aussage auf Christus und die Kirche.

Vers 4: Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat

Vers 5: und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein?

Vers 6: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.

Auszug aus Mt 19,4–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus führt die Ehe auf die Schöpfungsordnung zurück und erklärt die Verbindung zu einem Fleisch als von Gott gewirkt.

Mt 19,4–6: Zusammenhang und Übersetzung

Auf die Frage nach der Scheidung verweist Jesus auf die Schöpfung: Mann und Frau werden ein Fleisch und sind von Gott verbunden. Damit führt er die Einheit der Ehe auf eine von Gott gesetzte Ordnung zurück, die dauerhafter ist als ein wechselndes Gefühl oder eine private Vereinbarung.

Vers 31: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.

Vers 32: Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Auszug aus Eph 5,31–32 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus bezieht die Ein-Fleisch-Einheit auf Christus und die Kirche und nennt sie ein tiefes Geheimnis.

Eph 5,31–32: Zusammenhang und Übersetzung

Paulus nimmt diese Ein-Fleisch-Aussage auf und bezieht sie auf Christus und die Kirche. Er nennt diesen Zusammenhang ein tiefes Geheimnis; das griechische Wort dafür lautet mysterion. Die Ehe erscheint damit zunächst als Schöpfungsordnung und erhält im Licht Christi zugleich eine Bedeutung für die Geschichte des Heils. Im selben Abschnitt bezieht Paulus die eheliche Liebe auf die Liebe, mit der Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, „um sie zu heiligen“ (Eph 5,25–26). Auf diese Verbindung von ehelicher Liebe und heiligender Hingabe Christi stützt die Kirche ihre Lehre von der Ehe als Sakrament.

Bund und Sakrament Glaube und Überlieferung

Die Kirche versteht die christliche Ehe als von Gott gestifteten Bund und als Sakrament

Die Kirche versteht Ehe und Sakrament von diesen beiden Stellen her.

Die Kirche versteht die Ehe als von Gott gestifteten Bund zwischen Mann und Frau. Jesus bestätigt ihre Einheit und ihre bleibende Bindung; Paulus zeigt, dass die eheliche Gemeinschaft auf den Bund Christi mit der Kirche verweist.

Darum ist die christliche Ehe ein Sakrament, das heißt ein sichtbares Zeichen, durch das Christus seine Gnade schenkt. Die Ehegatten bezeugen durch ihren Bund die treue Liebe Christi zu seiner Kirche und empfangen für ihren gemeinsamen Lebensweg die entsprechende Gnade. Der Katechismus der Katholischen Kirche legt diese Lehre in den Nummern 1601–1617 dar; das kirchliche Gesetzbuch fasst sie in can. 1055 zusammen.

Quellen zu dieser Frage 3

Die Ehe als Schöpfungsordnung Glaube und Überlieferung

Bezieht Paulus das Geheimnis allein auf Christus und die Kirche, sodass die Ehe kein Sakrament ist?

Luther wandte 1520 in seiner Schrift über die babylonische Gefangenschaft der Kirche ein: Paulus beziehe das Geheimnis von Eph 5,32 allein auf Christus und die Kirche, und die lateinische Wiedergabe mit sacramentum führe in die Irre. Die Ehe habe es schon vor Christus und unter Heiden gegeben; eine Gnadenverheißung des Neuen Bundes sei mit ihr nicht verbunden. Sie bleibe eine gute Schöpfungsordnung, ein Sakrament sei sie nicht.

Paulus gewinnt das Geheimnis am Schöpfungswort über Mann und Frau: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein“ (Eph 5,31), und er fährt fort: „Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5,32). Er bezieht das Geheimnis auf Christus und die Kirche, und er liest es an der Einheit der Ehegatten ab, deren Liebe er unmittelbar zuvor an der Hingabe Christi für die Kirche misst (Eph 5,25). Die Ehe von Getauften ist damit in den Bund hineingenommen, den sie abbildet. Die Lehre der Kirche hängt darum nicht am lateinischen Wort sacramentum: Das Konzil von Trient beruft sich 1563 auf diesen Abschnitt, weil Paulus in ihm die Gnade der Ehe andeutet, und lehrt, dass die Ehe eines der sieben von Christus eingesetzten Sakramente ist und Gnade verleiht (Sitzung XXIV, Lehre über das Sakrament der Ehe und Kanon 1).

Dass es die Ehe schon vor Christus gab, lehrt die Kirche selbst: Der Bund von Mann und Frau gehört zur Schöpfung. Christus hat ihm unter Getauften eine neue Würde gegeben: Der Ehebund „wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben“ (KKK 1601; CIC can. 1055 § 1). Darum sagt die Kirche: „Die christliche Ehe wird wirksames Zeichen, Sakrament des Bundes zwischen Christus und der Kirche. Weil sie dessen Gnade bezeichnet und mitteilt, ist die Ehe zwischen Getauften ein wahres Sakrament des Neuen Bundes“ (KKK 1617). Die Verbindung mit Christus beginnt nicht erst bei Paulus: Jesus wirkt sein erstes Zeichen bei einem Hochzeitsfest, und die Kirche sieht darin „die Ankündigung, daß die Ehe fortan ein wirksames Zeichen der Gegenwart Christi sein wird“ (KKK 1613). Die sakramentale Bedeutung hebt die Schöpfungsordnung nicht auf; sie nimmt diese auf und führt sie in den Bund Christi hinein.

Quellen zu dieser Frage 4
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