Wiedergeburt aus Gnade
Bad der Wiedergeburt
Ist das Bad der Wiedergeburt nur ein Bild für die innere Erneuerung durch Geist und Wort, oder bezeichnet es die Taufe?
2 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Neues Leben Glaube und Überlieferung
Was Gott im Menschen erneuert
Paulus führt die Rettung auf Gottes Barmherzigkeit zurück.
hat er uns gerettet – nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit, die wir vollbracht haben, sondern nach seinem Erbarmen – durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist.
Auszug aus Tit 3,5 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott rettet durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist, nicht aufgrund von Werken.
Das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist beschreiben ein wirklich neues Leben, das Gott schenkt. Der Heilige Geist wird durch Jesus Christus reichlich ausgegossen; Gott spricht den Menschen aus Gnade gerecht, und daraus wächst die Hoffnung auf das ewige Leben (Tit 3,6–7).
Justin der Märtyrer
Dort empfängt er die Wiedergeburt in derselben Weise, in der auch wir wiedergeboren wurden.
Erste Apologie · Erste Apologie 61.3 · Primärtext↗Justin beschreibt, wie glaubende Taufbewerber sich verpflichten, ihr Leben nach der christlichen Lehre auszurichten. Sie beten um Vergebung und fasten mit der Gemeinde. Danach werden sie zum Wasser geführt und empfangen dort unter Anrufung des Vaters, Jesu Christi und des Heiligen Geistes die Waschung im Wasser und die Wiedergeburt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Justin beschreibt in seiner Ersten Apologie, wie ein Taufbewerber nach Unterweisung und Zustimmung zu einem entsprechenden Leben um Vergebung betet und mit der christlichen Gemeinde fastet. Danach wird er zum Wasser geführt. Die Taufe steht vor seiner Darstellung der Eucharistie und der sonntäglichen Versammlung.
Historischer Text
Dann führen wir ihn dorthin, wo Wasser ist. Dort empfängt er die Wiedergeburt in derselben Weise, in der auch wir wiedergeboren wurden. Denn im Namen Gottes, des Vaters und Herrn des Alls, unseres Erlösers Jesus Christus und des Heiligen Geistes empfängt er die Waschung im Wasser.
Vollständigen historischen Text öffnen: Justin der MärtyrerWarum diese Stelle wichtig ist
Justin bezeugt um 155, dass die christliche Initiation Waschung, trinitarischen Namen und Wiedergeburt verbindet.
Die Rechtfertigung bezeichnet dabei Gottes wirksames Handeln am Menschen: Gott vergibt ihm seine Schuld und heiligt und erneuert ihn innerlich (KKK 1989; 1992). Aus dem empfangenen neuen Leben folgen gute Werke als Frucht der Gnade (Tit 3,5–8). Offen ist noch, ob das Bad der Wiedergeburt die Taufe meint oder nur ein Bild der inneren Erneuerung ist; an dieser Frage setzt eine andere Auslegung an.
Quellen zu dieser Frage 1
Erneuerung und Taufe Glaube und Überlieferung
Das Bad der Wiedergeburt beschreibt nur die innere Reinigung durch Geist und Wort
In seiner Predigt „Responding to the New Covenant“ (Sermon 1623) vom 5. November 1972 liest Grace to You das Bad der Wiedergeburt als geistliches Bild. Ausgehend von Hebr 10,22 weist die Predigt die Deutung auf die Taufe zurück: Nach Tit 3,5 rettet Gott nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit, sondern nach seinem Erbarmen, und das Wasser meint wie in Joh 3,5 und Eph 5,26 das reinigende Wort, durch das der Geist den Menschen innerlich erneuert.
Der Titusbrief lässt zudem fragen, wie eine Rettung, die nicht auf Werken der Gerechtigkeit beruht, durch eine sichtbare Handlung wie die Taufe geschehen kann. Die Antwort liegt im Text selbst: Im Bad der Wiedergeburt handelt nicht der Täufling, sondern Gott, der „nach seinem Erbarmen“ rettet (Tit 3,5).
Die Gegenlesung hat darin recht, dass Gott durch seinen Geist und sein Wort reinigt; sie trennt aber, was das Neue Testament verbindet. Gerade Eph 5,26 hält Wasser und Wort zusammen: Christus hat die Kirche „gereinigt … durch das Wasserbad im Wort“; das Wort ersetzt das Bad nicht, es tritt zu ihm hinzu. Der Titusbrief selbst führt an den Pfingsttag zurück: Gott hat den Geist „in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter“ (Tit 3,6), und an diesem Tag verbindet Petrus die Taufe auf den Namen Jesu Christi mit der Gabe des Heiligen Geistes (Apg 2,38). Das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist sind darum die eine Gabe, die Gott in der Taufe schenkt.
Die innere Erneuerung gehört zur Taufe. Der Titusbrief beschreibt, wie Gott den Menschen durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist neu schafft. Als empfangene Lehre der Kirche bezeugt der Katechismus, dass die Taufe die Wiedergeburt aus Wasser und Geist bezeichnet und bewirkt (KKK 1215). In diesem Sakrament handelt Christus selbst; der Täufling empfängt die Gnade, durch die Gott ihn rettet, als unverdientes Geschenk (KKK 1127–1128; 2010).