Eucharistie und Messopfer
Was Jesus beim letzten Mahl gibt
Beim letzten Mahl gibt Jesus seinen Jüngern Brot und den Kelch als seinen Leib und sein Blut. Er verbindet diese Gabe mit seiner Hingabe, dem Bund und einem Auftrag an die Apostel. Darum empfängt die Kirche die Einsetzungsworte als Zusage seiner wirklichen Selbsthingabe: In der von Christus gestifteten Feier erinnert sie sich an seine Hingabe und empfängt den Herrn selbst.
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
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Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Handlung Jesu Bibel und Textverständnis
Jesus gibt Brot und Kelch als seinen Leib und sein Blut
Die Einsetzungsworte stehen in einer Handlung: Jesus nimmt Brot, spricht den Segen, bricht es und gibt es seinen Jüngern. Den Kelch bezeichnet er als sein Blut des Bundes.
Auszug aus Mt 26,26–28 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 26: Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib.
Vers 27: Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sagte: Trinkt alle daraus;
Vers 28: das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Was der Text unmittelbar zeigt
Jesus identifiziert Brot und Kelch mit seinem Leib und seinem Blut des Bundes und verbindet das Blut mit der Vergebung der Sünden.
Matthäus erzählt die Handlung Schritt für Schritt. Jesus gibt das Brot zum Essen und identifiziert es mit seinem Leib. Danach nimmt er den Kelch, dankt und bezeichnet ihn als sein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Die Gabe weist damit auf seine bevorstehende Hingabe: Sein Leib wird gegeben, sein Blut wird vergossen.
Auszug aus Mk 14,22–24 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 22: Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
Vers 23: Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.
Vers 24: Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
Was der Text unmittelbar zeigt
Markus überliefert die Identifikation von Brot und Kelch mit Leib und Blut des Bundes.
Markus überliefert dieselbe Gabe mit eigener Akzentsetzung. Alle trinken aus dem Kelch, den Jesus als sein Blut des Bundes bezeichnet, und dieses Blut wird für viele vergossen. Die Wendung zur Vergebung der Sünden steht bei Matthäus; Markus bewahrt die Bundes- und Hingabesprache und führt zum Ausblick auf das kommende Reich.
Brot und Kelch werden durch Essen und Trinken empfangen. Jesus legt seinen Jüngern eine konkrete Gabe in die Hand und verbindet sie mit seiner eigenen Person. So stehen Leib, Blut, Bund und Hingabe in einer einzigen Mahlhandlung zusammen. Die Worte benennen, was Jesus gibt, und die Handlung zeigt, wie seine Jünger diese Gabe empfangen sollen.
Bund und Gedächtnis Bibel und Textverständnis
Jesus vertraut den Aposteln eine wiederholbare Feier an
Jesus verbindet seine Gabe mit dem Bund und gibt seinen Aposteln einen Auftrag, diese Handlung zu seinem Gedächtnis zu vollziehen.
Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Auszug aus Lk 22,19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Lukas überliefert die Einsetzungsworte mit dem Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.
Lukas stellt das Mahl in den Horizont des bevorstehenden Leidens und des künftigen Reiches. Über das Brot sagt Jesus, es werde für die Jünger gegeben. Über den Kelch spricht er vom neuen Bund in seinem Blut, das für sie vergossen wird. Der Text überliefert damit eine Stiftung und einen wiederholbaren Auftrag.
Der Auftrag zum Gedächtnis kann als Rückblick auf einen vergangenen Abend verstanden werden. Auch die Identifikation von Brot und Leib lässt eine bildhafte Rede zu. Diese Lesart hat einen ernst zu nehmenden Grund: Jesus spricht oft in Bildern; er nennt sich den wahren Weinstock (Joh 15,1) und die Tür (Joh 10,9). Ob ein Bildwort vorliegt, entscheidet der Zusammenhang. Beim letzten Mahl handelt Jesus: Er stiftet und beauftragt, lässt essen und trinken, nennt seine Gabe Leib und Blut, verbindet sie mit Bund und Hingabe und überträgt diese Handlung an seine Apostel. Johannes 6 hat dieselbe Frage schon gestellt: Die Hörer verstehen Jesu Wort leiblich und fragen, wie er ihnen sein Fleisch zu essen geben könne (Joh 6,52); viele Jünger ziehen sich zurück (Joh 6,66), und Jesus nimmt nichts zurück. Paulus warnt die Gemeinde von Korinth: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn“ (1 Kor 11,27); an einem bloßen Vergleichsbild könnte man nicht in dieser Weise schuldig werden. Daraus erwächst die Frage, wie die Kirche dieses Geschehen versteht.
Apostolische Rezeption und kirchliche Klärung Glaube und Überlieferung
Die Kirche empfängt die Stiftung als reale Selbsthingabe Christi
Die apostolische Überlieferung bewahrt die Einsetzungsworte in einer Feier, in der die Kirche die eucharistischen Gaben empfängt. Die verbindliche Lehre der Kirche klärt, was diese Gabe ist.
Justin der Märtyrer beschreibt die Feier der Gemeinde um die Mitte des 2. Jahrhunderts. Er nennt die konsekrierte Speise Fleisch und Blut des menschgewordenen Jesus und beruft sich dabei auf die apostolischen Erinnerungen und den Auftrag Jesu aus den Evangelien. Seine Darstellung zeigt die frühe Feier als Empfang einer überlieferten Stiftung.
Justin der Märtyrer
Diese Speise empfangen wir nicht als gewöhnliches Brot und als gewöhnliches Getränk. In gleicher Weise, wie Jesus Christus, unser Erlöser, durch Gottes Wort Fleisch geworden ist und um unseres Heils willen Fleisch und Blut besaß, so sind wir gelehrt worden, dass die Speise, die durch das Gebet seines Wortes gesegnet wurde und durch deren Umwandlung unser Blut und unser Fleisch genährt werden, das Fleisch und das Blut jenes Jesus ist, der Fleisch geworden ist.
Erste Apologie · Erste Apologie 66–67 · Primärtext↗Justin stellt die eucharistische Speise in das Licht der Menschwerdung: Wie Jesus Christus durch Gottes Wort Fleisch wurde, so ist die durch das Gebet seines Wortes gesegnete Speise sein Fleisch und Blut. Im folgenden Kapitel beschreibt er die sonntägliche Feier, in der diese Gaben ausgeteilt werden.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Justin der Märtyrer beschreibt in seiner Ersten Apologie die christliche Feier Mitte des 2. Jahrhunderts. Er setzt die Eucharistie in Beziehung zur Menschwerdung und schildert im anschließenden Kapitel die sonntägliche Versammlung.
Historischer Text
Diese Speise empfangen wir nicht als gewöhnliches Brot und als gewöhnliches Getränk. In gleicher Weise, wie Jesus Christus, unser Erlöser, durch Gottes Wort Fleisch geworden ist und um unseres Heils willen Fleisch und Blut besaß, so sind wir gelehrt worden, dass die Speise, die durch das Gebet seines Wortes gesegnet wurde und durch deren Umwandlung unser Blut und unser Fleisch genährt werden, das Fleisch und das Blut jenes Jesus ist, der Fleisch geworden ist. Denn die Apostel haben in den von ihnen verfassten Erinnerungen, die Evangelien heißen, überliefert, was ihnen aufgetragen wurde: Jesus nahm Brot, sagte Dank und sprach: „Tut dies zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib“; und ebenso nahm er den Kelch, sagte Dank und sprach: „Das ist mein Blut“, und er gab ihnen allein davon. […] Am Sonntag versammelt sich die Gemeinde an einem Ort. Es werden die Erinnerungen der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es die Zeit erlaubt. Hat der Vorleser aufgehört, hält der Vorsteher eine Ansprache, in der er ermahnt und auffordert, diesem Guten nachzufolgen. Danach erheben sich alle gemeinsam und beten; wenn das Gebet beendet ist, werden Brot, Wein und Wasser gebracht. Der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen, und das Volk stimmt ein, indem es das Amen sagt. Dann werden die eucharistischen Gaben ausgeteilt, und den Abwesenden bringen die Diakone davon.
Vollständigen historischen Text öffnen: Justin der MärtyrerWarum diese Stelle wichtig ist
Justin verbindet die Eucharistie mit der Menschwerdung Jesu Christi, beruft sich auf die Einsetzungsworte aus den Evangelien und ordnet die Feier in eine konkrete sonntägliche Versammlung mit Lesung, Gebet und Danksagung ein.
Die Kirche empfängt diese Stiftung als sakramentales Gedächtnis. Damit bezeichnet sie eine Feier, in der Christi rettende Hingabe gegenwärtig ist und empfangen wird. Das entspricht dem biblischen Sinn des Gedächtnisses: Wenn Israel das Pascha als Gedenktag feiert (Ex 12,14), werden ihm die Ereignisse des Auszugs wieder gegenwärtig; so gedenkt die Kirche des Pascha Christi, und das Opfer, das er ein für alle Mal dargebracht hat, bleibt stets gegenwärtig wirksam (KKK 1363–1364). Diese Lehre der Kirche folgt der gestifteten Handlung und dem apostolischen Auftrag; sie wird in der kirchlichen Überlieferung eigens bezeugt und lehrmäßig geklärt.
Die frühe Kirche hat die Worte im eigentlichen Sinn gelesen. Schon Ignatius von Antiochien nennt die Eucharistie zu Beginn des zweiten Jahrhunderts das Fleisch unseres Erlösers Jesus Christus (Smyrn. 7,1). Der Katechismus führt ein Wort Cyrills an, das Thomas von Aquin zu „Das ist mein Leib“ zitiert: „Zweifle nicht, ob das wahr sei. Nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Da er die Wahrheit ist, lügt er nicht“ (KKK 1381). Das Konzil von Trient hat 1551 zurückgewiesen, diese Worte in erdachte, bildliche Redeweisen umzudeuten, die die Wahrheit von Fleisch und Blut Christi leugnen (Sitzung XIII, Kap. 1).
Auch das lutherische Bekenntnis hält am eigentlichen Sinn der Worte fest. Das Augsburger Bekenntnis lehrt, dass „der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich unter der Gestalt des Brotes und Weines im Abendmahl gegenwärtig ist“, und verwirft die Gegenlehre (CA X). Darin stimmt es mit der Lehre der Kirche überein; der verbleibende Unterschied betrifft die Weise der Gegenwart, denn die Konkordienformel lehnt die Wandlung der Substanz ab (Solida Declaratio VII, 108).
Nach der Lehre der Kirche ist in der Eucharistie der ganze Christus gegenwärtig: Leib und Blut, Seele und Gottheit. Er ist unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig. „Gestalten“ meint dabei das sinnlich Wahrnehmbare: Brot und Wein bleiben dem Anschein nach bestehen, während sich die ganze Substanz von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi wandelt. Diese verbindliche Klärung bewahrt die Aussage der Einsetzungsworte in ihrer vollen Tragweite.
Das Konzil von Trient hat diese Wandlung mit dem Begriff Transsubstantiation präzisiert; der Katechismus gibt diese konziliare Lehre in KKK 1374–1376 wieder. Wirksam ist dabei das Wort Christi im Wirken des Heiligen Geistes; darin gründet jede Deutung und jeder Dienst des Vorstehers. So empfängt die Kirche Jesu Gabe, denn Christus bestimmt selbst, was er gibt, und bleibt seiner Kirche in dieser von ihm gestifteten Feier gegenwärtig.
Brot und Kelch Glaube und Überlieferung
Warum reicht die Kirche die Kommunion oft nur unter der Gestalt des Brotes?
Jesus reicht den Kelch mit den Worten „Trinkt alle daraus“ (Mt 26,27). Die Kirche unterscheidet zwischen der Gabe selbst und der Form, in der sie gespendet wird.
Der Einwand beruft sich auf den Wortlaut: Jesus gibt den Kelch allen Jüngern am Tisch und sagt: „Trinkt alle daraus“ (Mt 26,27). Das Augsburger Bekenntnis folgert daraus, dass den Laien das Sakrament unter beiden Gestalten zu reichen ist, weil Christus hier ausdrücklich geboten habe, dass alle aus dem Kelch trinken (CA XXII). Wo die Kommunion allein unter der Gestalt des Brotes gereicht wird, scheint den Gläubigen ein Teil der Gabe vorenthalten zu werden.
Die Lehre der Kirche hält an der Vollständigkeit der Gabe fest: Christus ist unter jeder der beiden Gestalten sakramental gegenwärtig, und in jeder Gestalt und in jedem ihrer Teile ist der ganze Christus enthalten (KKK 1390; 1377). Darum „kann auch dann die ganze Gnadenfrucht der Eucharistie empfangen werden, wenn nur unter der Gestalt des Brotes kommuniziert wird“ (KKK 1390). Verschieden ist die Fülle des Zeichens: Die Kommunion gewinnt ihre volle Zeichenhaftigkeit, wenn sie unter beiden Gestalten gereicht wird; in den ostkirchlichen Riten ist dies die übliche Weise (KKK 1390).
So unterscheidet die Kirche zwischen ihrer Lehre und der Ordnung der Feier. Dass der ganze Christus unter jeder Gestalt empfangen wird, gehört zur Lehre über die Gabe selbst; die Form der Spendung gehört zur Ordnung der Feier, die die Kirche unter Wahrung der Substanz des Sakraments regelt. Das Konzil von Trient hat beides in seiner 21. Sitzung entfaltet (Kap. 1–3; Kanon 3). Weil Christus selbst die Gabe ist und unter jeder Gestalt ganz gegenwärtig bleibt, empfängt jeder Kommunizierende die ganze Gabe; wo beide Gestalten gereicht werden, tritt ihr Zeichen voller hervor. Offen ist noch, wie die Gemeinde an dieser Gabe Anteil gewinnt; Paulus beschreibt in 1 Kor 10 genau diese Teilhabe am Leib und Blut Christi.