Fegefeuer
Die Läuterung eines bereits geretteten Menschen
Christus hat am Kreuz alles vollbracht, was zur Rettung des Menschen nötig ist. Wer in der Freundschaft Gottes stirbt, ist gerettet; die Kirche lehrt dennoch, dass ein solcher Mensch der abschließenden Läuterung bedürfen kann, bevor er in die Herrlichkeit eintritt. Diese Läuterung steht ganz innerhalb des Heils, das Christus schenkt: Sie vollendet seine Wirkung an dem Menschen, der bereits zu ihm gehört.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Gerettet Bibel und Textverständnis
Aus Gnade gerettet und zur Heiligkeit gerufen
Römer 5 und Epheser 2 bezeugen die Rettung durch Christus; der Hebräerbrief zeigt sein Opfer als ein für alle Mal vollbracht. Hebräer 12 und die Offenbarung verlangen zugleich die Heiligkeit, ohne die niemand Gott schaut.
Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Auszug aus Röm 5,1–11 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus beschreibt Frieden und Versöhnung mit Gott durch Jesus Christus.
Auszug aus Eph 2,8–10 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 8: Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt -,
Vers 9: nicht aus Werken, damit keiner sich rühmen kann.
Vers 10: Denn seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus zu guten Werken erschaffen, die Gott für uns im Voraus bestimmt hat, damit wir mit ihnen unser Leben gestalten.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus bezeugt die Rettung aus Gnade durch Glauben.
Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt - ein für alle Mal.
Auszug aus Hebr 10,10 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hebräerbrief bezeugt das einmalige Opfer Christi.
Der Römerbrief beschreibt, was Christus dem Menschen erwirkt: Frieden mit Gott und Versöhnung durch ihn (Röm 5,1–11). Im Epheserbrief erscheint die Rettung als Geschenk Gottes, empfangen aus Gnade und Glauben; der Mensch erwirbt sie nicht aus eigener Kraft (Eph 2,8–10). Der Hebräerbrief führt dieses Zeugnis weiter und stellt das Opfer Christi als ein für alle Mal vollbracht dar: Es muss nicht wiederholt werden, weil es vollständig ist.
Trachtet nach Frieden mit allen und nach der Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird!
Auszug aus Hebr 12,14 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hebräerbrief fordert Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird.
Aber nichts Unreines wird hineinkommen, keiner, der Gräuel verübt und lügt. Nur die im Lebensbuch des Lammes eingetragen sind, werden eingelassen.
Auszug aus Offb 21,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Nichts Unreines kommt in das neue Jerusalem.
Dieselbe Schrift verbindet dieses Geschenk mit einer Forderung. Hebräer 12,14 nennt die Heiligkeit als das Ziel, ohne das niemand Gott schauen kann; die Offenbarung sagt von der Stadt Gottes, dass nichts Unreines in sie eintritt (Offb 21,27). Die Rettung aus Gnade und der Ruf zur Heiligkeit stehen also nebeneinander in denselben Texten. Damit stellt sich die Frage, wie die Gnade Christi einen Menschen erreicht, der in der Freundschaft Gottes stirbt und noch nicht vollkommen gereinigt ist.
Die Reinigung Glaube und Überlieferung
Was geschieht in der Reinigung der Geretteten?
Der Katechismus beschreibt die abschließende Reinigung derer, die in Gottes Gnade und Freundschaft sterben, aber noch unvollkommen geläutert sind.
Die Kirche nennt diese abschließende Reinigung Fegefeuer (KKK 1031). Läuterung bleibt das beschreibende Wort für diesen Vorgang: Es geht um einen Menschen, dem das Heil bereits geschenkt ist; die Läuterung führt ihn zu jener Heiligkeit, die für den Blick in Gottes Gegenwart nötig ist. Die Kirche hat diese Lehre aus Schrift und Überlieferung empfangen und auf den Konzilien formuliert; die späteren dogmatischen Wörter für die abschließende Läuterung begegnen in den biblischen Texten selbst noch nicht.
Die Kirche hat diese Reinigung nach dem Tod in Bekenntnissen und Konzilsentscheidungen ausdrücklich gelehrt. Das Glaubensbekenntnis des byzantinischen Kaisers Michael VIII. Palaiologos, das dem Zweiten Konzil von Lyon (1274) im Zusammenhang mit der angestrebten Einheit von Ost und West vorgelegt wurde, bekennt, dass die Seelen derer, die in wahrer Reue und Liebe gestorben sind, bevor sie durch würdige Früchte der Buße Genugtuung geleistet haben, nach dem Tod durch Läuterungsstrafen gereinigt werden und dass ihnen die Fürbitten der lebenden Gläubigen helfen: Messopfer, Gebete, Almosen und andere Werke der Frömmigkeit. Das Konzil von Trient bekennt das Fegefeuer und die Hilfe der Seelen durch die Fürsprache der Gläubigen, also durch das Eintreten der Lebenden bei Gott für die Verstorbenen (Sitzung XXV, Dekret über das Fegefeuer). In Sitzung XXII, Kapitel 2 lehrt es, dass die Messe ein wahres Sühnopfer ist, weil in ihr das eine Opfer Christi gegenwärtig wird, und dass sie darum auch den Verstorbenen hilft, die noch der Reinigung bedürfen (KKK 1366–1367; 1371). Zugleich ordnet das Konzil an, dass spekulative Fragen aus der Volksunterweisung fernbleiben.
Katharina von Genua
Das Feuer verzehrt den Rost
Traktat vom Fegefeuer der hl. Katharina von Genua · Treatise on Purgatory, Kapitel II, S. 6–7 (Übersetzung 1858) · Primärtext↗Katharina von Genua steht als später geistlicher Zeuge für die Läuterung auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit Gott. Das Bild vom Feuer, das den Rost verzehrt, macht anschaulich, wie die Kirche die endgültige Läuterung als Reinigung und Vollendung auf Gott hin versteht. Benedikt XVI. ordnet in seiner Generalaudienz vom 12. Januar 2011 zugleich ein, dass Katharina keine besonderen Offenbarungen über das Fegefeuer oder die dort geläuterten Seelen empfing.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Katharina beschreibt die Läuterung mit dem Bild „Das Feuer verzehrt den Rost“.
Die Grenze: Katharina spricht in einem geistlichen Bild; die Lehre von der Läuterung hat die Kirche im Anschluss an die Schrift und ihre Überlieferung vor allem auf den Konzilien von Florenz und Trient formuliert (KKK 1030–1032).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der kurze Auszug stammt aus Kapitel II der gemeinfreien englischen Ausgabe von 1858. Er gehört zu einer Überlieferung, deren endgültige Fassung 1551 in drei Teilen veröffentlicht wurde und bei der Cattaneo Marabotto als Verfasser oder Redaktor der endgültigen Fassung genannt wird. Die späteren Ausgaben machen die zusammengesetzte Überlieferung und die Zuschreibung an Marabotto und Vernazza sichtbar, entscheiden die Autorschaftsfrage aber nicht endgültig.
Historischer Text
Im englischen Quellauszug heißt es: the fire consumes the rust. Die eigene deutsche Übersetzung dieser gemeinfreien englischen Ausgabe von 1858 lautet: „Das Feuer verzehrt den Rost“.
Vollständigen historischen Text öffnen: Katharina von GenuaWarum diese Stelle wichtig ist
Der Rost steht für das, was der Reinigung bedarf; das Feuer verzehrt ihn. So macht das Bild die Läuterung durch die Liebe Gottes verständlich.
Die Rückfrage Glaube und Überlieferung
Bleibt neben dem vollbrachten Kreuz Raum für eine Reinigung?
Wenn Christus alles vollbracht hat, scheint für eine Reinigung nach dem Tod kein Raum zu bleiben.
Das Kreuz Christi genügt vollständig zur Erlösung. Fordert man nach dem Tod noch eine Reinigung, so kann das wie eine Ergänzung oder Korrektur des Kreuzes wirken, als hätte das Opfer Christi für das Heil eines Menschen nicht ausgereicht. Wer so fragt, hält fest, was der Hebräerbrief bezeugt: Das Opfer Christi ist ein für alle Mal vollbracht und wird durch nichts ergänzt. Paulus sagt zudem: „Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1).
Die Kirche setzt die Reinigung gerade in den Raum der vollbrachten Gnade Christi. Die Läuterung betrifft Menschen, die in Gottes Freundschaft sterben und daher gerettet sind; sie begründet keinen neuen Heilsweg und eröffnet keine zweite Entscheidungsmöglichkeit nach dem Tod. Sie beschreibt, wie Christus sein Heil an dem Menschen vollendet, der zu ihm gehört (KKK 1030–1032). Die Vergebung tilgt die Schuld und erlässt die ewige Strafe ganz; darum gibt es für den, der in Christus ist, tatsächlich keine Verurteilung mehr. Jede Sünde hinterlässt aber eine schädliche Bindung an die Geschöpfe, die der Läuterung bedarf, hier oder nach dem Tod; diese „zeitliche Sündenstrafe“ ist keine Rache Gottes von außen, sondern folgt aus der Natur der Sünde (KKK 1472–1473; Trient, Sitzung VI, Kanon 30). Die Verdammnis bleibt davon klar unterschieden. So bleibt die Hoffnung auf das Heil mit der Ernsthaftigkeit persönlicher Unvollkommenheit verbunden.