SCRIPTURA PLENA

Scriptura Plena

FaithOSUnterstützenImpressumDatenschutz

Gebet – katholische Praxis

Was Jesus in Mt 6,7 kritisiert

Die Bergpredigt enthält eine scharfe Warnung vor leerem Geplapper im Gebet, und sie steht unmittelbar vor dem Vaterunser. Drei Schritte führen durch die Frage, was diese Warnung trifft: von der Schriftstelle selbst über die Lehre der Kirche bis zu dem Einwand, ob wiederholte Gebete wie der Rosenkranz unter sie fallen.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Zwei Hände halten einen fünfgesätzigen Rosenkranz mit Medaille und Kreuz; fünf Evangeliumsszenen umgeben ein zentrales Christuslicht.
GebetKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Leeres Geplapper Bibel und Textverständnis

Jesus warnt vor leerem, heidnischem Geplapper im Gebet

Mt 6,7 steht in der Bergpredigt unmittelbar vor dem Vaterunser. Jesus warnt dort vor leerem, heidnischem Geplapper.

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.

Auszug aus Mt 6,7 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Welche Folgerung der Text begrenzt

Jesus warnt vor leerem, heidnischem Geplapper im Gebet.

Mt 6,7: Zusammenhang und Übersetzung

Die Warnung gilt einer Gebetsweise. Angesprochen ist ein Beten, das viele Worte als religiöse Technik verwendet: Die Menge der Worte soll die Erhörung erzwingen. Jesus begründet die Warnung selbst: „Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet“ (Mt 6,8). Verworfen ist damit die Vorstellung, Gott müsse durch die Menge der Worte erst unterrichtet oder umgestimmt werden.

Der Maßstab, den die Stelle anlegt, ist die Weise des Sprechens. Die wirkliche Hinwendung zu Gott gibt den Worten ihr Gewicht; Länge und Zahl der Wiederholungen treten dahinter zurück. Das zeigt schon der griechische Wortlaut: Für „plappern“ steht das seltene, lautmalende Wort βατταλογέω (battalogéō, sprich: bat-ta-lo-GE-o), das sinnloses Wortemachen bezeichnet, und die Begründung nennt das Vertrauen der Heiden auf ihre πολυλογία (polylogía, sprich: po-ly-lo-GI-a), ihre „vielen Worte“. Die Warnung trifft also das leere Reden, das auf die Menge der Worte setzt, und lässt Raum für jede Wiederholung, in der sich der Beter Gott zuwendet.

Formel und Glaube Glaube und Überlieferung

Die Kirche unterscheidet die Formel ohne Glauben von dem Gebet, dessen wiederholte Worte die Hinwendung zu Gott tragen

Die Kirche liest die Warnung Jesu als Unterscheidung zwischen zwei Weisen, dieselben Worte zu sprechen.

Auf die Warnung folgt im Matthäusevangelium das Vaterunser: ein kurzes, festes Gebet, das Jesus seinen Jüngern anvertraut. Was die Warnung verwirft, ist die Menge der Worte als Mittel der Erhörung; die Bitte des Vaterunsers ist selbst eine überlieferte Formel, in der die Hinwendung zu Gott ihren bleibenden Wortlaut hat.

Von hier aus liest die Kirche die wiederholten Gebete: Sie sind dann Gebet, wenn der Beter bei dem bleibt, was er sagt. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) wendet Mt 6,7 ausdrücklich auf ein oft wiederholtes Gebet an, die Anrufung des Namens Jesu: „Von einem demütig aufmerksamen Herzen oft wiederholt, verliert sich dieses Gebet nicht in ‚vielen Worten‘ (Mt 6,7), sondern bewahrt das Wort und bringt in Ausdauer Frucht“ (KKK 2668).

Quellen zu dieser Frage 2

Die Wiederholung im Rosenkranz Glaube und Überlieferung

Fällt die Wiederholung im Rosenkranz unter Jesu Warnung?

Der Rosenkranz verwendet immer wieder dieselben Gebete. Daraus erwächst der Einwand, er falle unter die Warnung vor dem leeren Geplapper.

Der Rosenkranz nimmt wiederholte Gebete in eine Betrachtung des Lebens Christi auf. Seine Geheimnisse, die einzelnen Stationen aus dem Leben Christi, geben jedem Durchgang ein Ziel: Die Worte sammeln den Blick auf Christus. Darin liegt der Unterschied, auf den es ankommt: Getragen wird das Gebet von dem Gegenstand, bei dem der Beter bleibt.

Wie jede Gebetsform kann auch eine Wiederholung äußerlich und leer werden. Das ist die Gefahr, vor der Jesus warnt. Angezielt ist die leere Vielrederei, die durch die Menge der Worte eine Erhörung erzwingen will; wo die Worte die Hinwendung zu Gott tragen, ist die Wiederholung Gebet. Der Rosenkranz geht in dieser Hinwendung auf, wenn seine wiederholten Worte den Blick auf Christus halten. Jesus selbst hat dieselben Worte mehrfach vor den Vater gebracht.

Quellen zu dieser Frage 1
← Zur Übersicht: Gebet