SCRIPTURA PLENA

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Rosenkranz

Wiederholung als Betrachtung

Der Rosenkranz gehört zu den bekanntesten Gebetsformen der katholischen Praxis. Er ist meditativ und auf Christus bezogen: Die Gebete werden wiederholt, während Stationen aus dem Leben Jesu und Marias betrachtet werden.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Zwei Hände halten einen fünfgesätzigen Rosenkranz mit Medaille und Kreuz; fünf Evangeliumsszenen umgeben ein zentrales Christuslicht.
GebetKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Das Bewahren im Herzen Bibel und Textverständnis

Marias Bewahren der Worte ist die biblische Wurzel des Rosenkranzes

Lukas berichtet zweimal, dass Maria die Worte des Geschehens in ihrem Herzen bewahrte. Darin liegt die biblische Gestalt der Betrachtung, die der Rosenkranz mit seinen wiederholten Gebeten übt.

Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.

Lk 2,19 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Maria bewahrt alle Worte über das Kind und erwägt sie in ihrem Herzen.

Lk 2,19: Zusammenhang und Übersetzung

Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen.

Lk 2,51 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Nach der Wiederfindung im Tempel bewahrt Maria ein zweites Mal alle Worte in ihrem Herzen.

Lk 2,51: Zusammenhang und Übersetzung

Nachdem die Hirten erzählt haben, was ihnen über das Kind gesagt worden war, schließt Lukas den Bericht von der Geburt Jesu mit Maria: Sie bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen (Lk 2,19). Bewahren und Erwägen stehen in einem Satz. Maria hört, was geschieht, und verweilt innerlich bei dem Gehörten. Nach der Wiederfindung des zwölfjährigen Jesus im Tempel sagt Lukas es ein zweites Mal, unmittelbar nachdem er festgehalten hat, dass die Eltern das Wort Jesu nicht verstanden (Lk 2,50–51); das Bewahren schließt also ein, beim noch nicht ganz Verstandenen zu bleiben. Das Bewahren ist bei Maria also eine Haltung, die die Ereignisse begleitet: Was sie mit ihrem Sohn erlebt, bleibt in ihrem Herzen gegenwärtig.

Die Worte, die der Rosenkranz wiederholt, sind selbst Schriftwort: Das Ave Maria nimmt den Gruß des Engels und den Gruß der Elisabet auf (Lk 1,28.42). Wer den Rosenkranz betet, betrachtet mit Maria die Ereignisse des Lebens Jesu, und die wiederholten Worte halten den Blick auf das Geheimnis gerichtet, das jedes Gesätz nennt. So übt dieses Gebet, was Lukas von der Mutter Jesu zweimal bezeugt: die Worte des Heils hören, sie bewahren und im Herzen erwägen.

Christus als Mitte Glaube und Überlieferung

Die Mitte des Rosenkranzes ist Christus

Die Kirche versteht den Rosenkranz als Betrachtung, in der die wiederholten Gebete die Geheimnisse Christi begleiten.

Der Katechismus der Katholischen Kirche beschreibt das betrachtende Gebet als ein Nachsinnen, das Denken, Einbildungskraft, Gefühlsbewegung und Verlangen einsetzt, und nennt ausdrücklich den Rosenkranz als eine Weise, über die „Mysterien Christi“ nachzusinnen (KKK 2708). In dieser Form des Gebets hat der Rosenkranz seinen Ort: Die Gebete werden wiederholt, während Stationen aus dem Leben Jesu und Marias betrachtet werden. Der Gegenstand dieser Betrachtung bleibt Christus: seine Menschwerdung, sein öffentliches Wirken, sein Leiden, seine Auferstehung und seine Herrlichkeit.

Maria wird innerhalb dieser Betrachtung angerufen, weil sie als seine Mutter und als Fürsprecherin auf das Wirken ihres Sohnes verweist; als Fürsprecherin bittet sie um das Heil, das ihr Sohn wirkt. Das Schreiben Marialis cultus beschreibt den Rosenkranz als biblisch und christologisch geprägte Gebetsform, also als eine Form, die aus der Schrift lebt und sich auf Christus bezieht. Paul VI. greift dafür die Bezeichnung „Abriß des ganzen Evangeliums“ auf (MC 42), und Johannes Paul II. sieht das Urbild dieser Betrachtung in Marias Erinnern an Jesus: „Diese Erinnerungen bildeten, in gewisser Weise, den ‚Rosenkranz‘, den sie selbst unaufhörlich in den Tagen ihres irdischen Lebens wiederholte“ (RVM 11). Die Wiederholung gibt dem Gebet eine feste Form und der Betrachtung einen verlässlichen Rhythmus; so steht der Rosenkranz in der Ordnung der Volksfrömmigkeit und bleibt auf Schrift und Liturgie hingeordnet.

  • Lehramt1974

    Paul VI.

    Man hat ebenso mit größerer Dringlichkeit die Notwendigkeit gespürt, neben dem Wert des preisenden und fürbittenden Elementes auch noch die Bedeutung eines anderen wesentlichen Bestandteiles des Rosenkranzes zu betonen: die Betrachtung. Ohne sie ist der Rosenkranz ein Körper ohne Seele, und das rezitierende Gebet läuft Gefahr, zu einer mechanischen Wiederholung von Formeln zu werden und zur Ermahnung Jesu in Gegensatz zu treten: „Wenn ihr betet, so plappert nicht wie die Heiden! Die meinen, sie fänden Erhörung, wenn sie viele Worte machen“ (Mt 6, 7).

    Marialis cultus · Marialis cultus 46–47 (1974) · Primärtext

    Ave Maria und die Betrachtung der Geheimnisse gehören zusammen. Ohne die Betrachtung kann das wiederholte Gebet zu einer mechanischen Wiederholung von Formeln werden.

    Quelle im Zusammenhang lesen

    Worum es hier geht

    Paul VI. behandelt in Marialis cultus den Rosenkranz als biblisches, christologisch geprägtes Gebet. Die Absätze 46–47 erklären das Verhältnis von Ave Maria und Betrachtung und warnen vor einer bloß mechanischen Wiederholung.

    Historischer Text

    Als biblisches Gebet, das auf das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung ausgerichtet ist, ist der Rosenkranz also ein Gebet, das zutiefst christologisch geprägt ist. In der Tat wird sein charakteristisches Element – die litaneiartige Wiederholung des „Gegrüßet seist du, Maria“ – selbst zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi, dem Endziel der Verkündigung des Engels und des Grußes der Mutter des Täufers: „Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“ (Lk 1, 42). Wir möchten noch mehr sagen: die Wiederholung des Ave-Maria bildet die Kette, entlang der sich die Betrachtung der Geheimnisse entfaltet.

    Man hat ebenso mit größerer Dringlichkeit die Notwendigkeit gespürt, neben dem Wert des preisenden und fürbittenden Elementes auch noch die Bedeutung eines anderen wesentlichen Bestandteiles des Rosenkranzes zu betonen: die Betrachtung. Ohne sie ist der Rosenkranz ein Körper ohne Seele, und das rezitierende Gebet läuft Gefahr, zu einer mechanischen Wiederholung von Formeln zu werden und zur Ermahnung Jesu in Gegensatz zu treten: „Wenn ihr betet, so plappert nicht wie die Heiden! Die meinen, sie fänden Erhörung, wenn sie viele Worte machen“ (Mt 6, 7).

    Warum diese Stelle wichtig ist

    Der Text nennt die Betrachtung einen wesentlichen Bestandteil des Rosenkranzes und erklärt, wie die Wiederholung des Ave Maria diese Betrachtung trägt.

    Quelle
    Marialis cultus · Marialis cultus 46–47 (1974)
    Textfassung und Rechte
    Offizielle deutsche Fassung auf vatican.va (HTML, 1974). © Copyright – Dikasterium für Kommunikation. Als kurzer amtlicher Quellenauszug mit Link gezeigt.
    Vollständigen historischen Text öffnen: Paul VI.
  • Lehramt2002

    Johannes Paul II.

    In der Tat ziehen vor dem Hintergrund der Worte des Ave Maria vor den Augen der Seele die wichtigsten Ereignisse des Lebens Jesu vorbei. Sie bilden zusammen den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz, der uns – so könnten wir sagen – durch das Herz seiner Mutter in lebendige Verbindung mit Jesus bringt.

    Rosarium Virginis Mariae · Rosarium Virginis Mariae 2 (2002) · Primärtext

    Das Ave Maria bildet den Rahmen für die Betrachtung der wichtigsten Ereignisse im Leben Jesu. Der Rosenkranz ist damit auf die Betrachtung Christi ausgerichtet.

    Quelle im Zusammenhang lesen

    Worum es hier geht

    Johannes Paul II. beschreibt den Rosenkranz als Gebet, in dem die Ave-Maria-Worte die Betrachtung der Ereignisse im Leben Jesu tragen. Der Wortlaut ist in RVM 2 als Selbstzitat aus dem Angelus vom 29. Oktober 1978 amtlich eingebettet.

    Historischer Text

    Man kann sagen, der Rosenkranz ist in gewisser Weise ein Gebetskommentar zum letzten Kapitel der Konstitution Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem Kapitel, das von der wunderbaren Gegenwart der Muttergottes im Geheimnis Christi und der Kirche handelt. In der Tat ziehen vor dem Hintergrund der Worte des Ave Maria vor den Augen der Seele die wichtigsten Ereignisse des Lebens Jesu vorbei. Sie bilden zusammen den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz, der uns – so könnten wir sagen – durch das Herz seiner Mutter in lebendige Verbindung mit Jesus bringt.

    Warum diese Stelle wichtig ist

    Der Wortlaut verbindet das Ave Maria mit der Betrachtung der Ereignisse des Lebens Jesu und bezeichnet damit den christologischen Mittelpunkt des Rosenkranzes.

    Quelle
    Rosarium Virginis Mariae · Rosarium Virginis Mariae 2 (2002)
    Textfassung und Rechte
    Offizielle deutsche Fassung auf vatican.va (HTML, 2002); der Satz ist in RVM 2 als Selbstzitat mit Fußnote 5 überliefert. © Copyright 2002 – Libreria Editrice Vaticana. Als kurzer amtlicher Quellenauszug mit Link gezeigt.
    Vollständigen historischen Text öffnen: Johannes Paul II.
Quellen zu dieser Frage 4

Das häufige Ave Maria Glaube und Überlieferung

Verdrängt das häufige Ave Maria Christus?

Das häufige Ave Maria, so der Einwand, verdränge Christus: Wer in jedem Gesätz zehnmal Maria grüßt, richte den Blick auf die Mutter statt auf den Sohn.

Die Worte des Ave Maria sind auf Christus hingeordnet: Sie nennen die Botschaft des Engels und den Sohn, den Maria geboren hat. Wer sie mit Aufmerksamkeit spricht, spricht von Christus; Marias Rolle führt zum Sohn hin, und die Worte bleiben bei ihm.

Mittelpunkt des Ave Maria, „gleichsam das Scharnier zwischen dem ersten und dem zweiten Teil, ist der Name Jesus“ (RVM 33); darum wird seine litaneiartige Wiederholung nach Paul VI. „selbst zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi“ (MC 46). Die Geheimnisse, die jedes Gesätz betrachtet, halten den Blick beim Leben des Sohnes. Ob die Wiederholung zu dem leeren Geplapper wird, vor dem Jesus warnt, entscheidet die Aufmerksamkeit des Beters; diese Frage beantwortet der Schritt zu Mt 6,7. Weil die Geheimnisse des Rosenkranzes mit der Verkündigung des Engels beginnen, führt der Weg weiter zum Angelus, in dem die Kirche diese Botschaft betet.

Quellen zu dieser Frage 3
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