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Gebet in der katholischen Praxis

Die Liturgie des Himmels

Das Gebet der Kirche kennt Worte, die immer wiederkehren. Die Offenbarung des Johannes zeigt eine solche Wiederholung vor dem Thron Gottes. Von dieser Szene aus lässt sich genauer bestimmen, wann wiederholtes Beten Anbetung ist.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Zwei Hände halten einen fünfgesätzigen Rosenkranz mit Medaille und Kreuz; fünf Evangeliumsszenen umgeben ein zentrales Christuslicht.
GebetKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Der Lobruf der Lebewesen Bibel und Textverständnis

Die vier Lebewesen rufen ohne Unterlass: Heilig, heilig, heilig

Offb 4,8 zeigt, was die himmlische Verehrung Gottes kennzeichnet: ein Lob, das immer wieder erklingt.

Heilig, heilig, heilig ist der Herr.

Auszug aus Offb 4,8 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die vier Lebewesen rufen unablässig: Heilig, heilig, heilig.

Offb 4,8: Zusammenhang und Übersetzung

Die Offenbarung des Johannes (Offb), das letzte Buch der Bibel, schildert in Kapitel 4 eine Szene vor dem Thron Gottes. Vier Lebewesen sind dort, und ihr Ruf wiederholt sich ohne Unterlass: „Heilig, heilig, heilig“ (Offb 4,8). Der Text beschreibt damit die himmlische Verehrung Gottes, die keinen Abschluss kennt.

Die Stelle bezeugt zweierlei. Der Lobpreis Gottes kennt in dieser Vision keinen Abschluss, und er gewinnt seine Gestalt durch Worte, die wiederkommen. Die Offenbarung stellt diese Wiederholung in den Zusammenhang der himmlischen Liturgie und des unaufhörlichen Lobes Gottes. Das Lob nimmt dieselben Worte auf, weil Gottes Heiligkeit bleibt.

Anbetung und Gebetsordnung Glaube und Überlieferung

Die Kirche liest die Vision als Anbetung, die Gottes Größe bekennt

Offb 4,8 beschreibt wiederholte Anbetung als Ausdruck des Lobes Gottes. In dieses Lob stimmt die Kirche auf Erden ein.

Die Kirche liest die Vision des Johannes als Beschreibung wiederholter Anbetung, die Gottes Größe bekennt. In jeder Eucharistiefeier schließt sich die ganze Gemeinde „dem unablässigen Lobpreis an, den die himmlische Kirche, die Engel und alle Heiligen dem dreimal heiligen Gott singen“ (KKK 1352); dieses dreimal Heilig hört schon der Prophet Jesaja die Serafim rufen: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen“ (Jes 6,3). Auch das Gebetbuch Israels kennt Gebete, die von wiederkehrenden Worten leben: In Psalm 136 schließt jeder der 26 Verse mit dem Ruf „denn seine Huld währt ewig“.

Die Szene führt zugleich die Unterscheidung vor, die das wiederholte Beten prägt. Die vier Lebewesen wiederholen den Lobpreis Gottes und bekennen dabei seine Größe. Wiederholte Worte dienen der Anbetung, solange sie dieses Bekennen bleiben und nicht als Mittel eingesetzt werden, mit dem sich ein Ergebnis erzwingen lässt. Darin liegt der Beitrag der Stelle für die Praxis des wiederholten Gebets.

Quellen zu dieser Frage 2

Die symbolische Vision Glaube und Überlieferung

Begründet der wiederholte Ruf „Heilig“ eine Gebetspraxis?

Der Einwand fragt, ob sich aus einer symbolischen Vision eine feste Ordnung für das Beten ableiten lässt.

Die Offenbarung ist eine symbolische Vision des himmlischen Gottesdienstes. Daraus folgert der Einwand, dass sich aus ihr keine Weise des Betens für Christen auf Erden ableiten lasse: Was die himmlischen Wesen tun, sei kein Maßstab für das Gebet der Gemeinde.

Die Kirche liest die Vision als Offenbarung dessen, was Anbetung ist, nicht als Vorschrift für einen bestimmten Ablauf: Das Lob des Himmels ist das Lob, in das die Gemeinde auf Erden einstimmt. Wo die Kirche im Lob dieselben Worte wiederholt, folgt sie diesem Lob; der Rosenkranz nimmt diese Gestalt in die Betrachtung der Geheimnisse Christi auf.

Quellen zu dieser Frage 1
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